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Die 25.000-Euro-Frage: Den USA droht eine Stagflation | ABC-Z


Die 25.000-Euro-Frage

Den USA droht eine Stagflation

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Das Wirtschaftswachstum in den USA droht abzukühlen. Gleichzeitig ist wieder mit einer steigenden Inflation zu rechnen. Doch auch eine Stagflation bietet aussichtsreiche Investmentchancen.

Die jüngsten Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt sind ernüchternd ausgefallen. So wurden im Juli nur 73.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, was deutlich unter den Erwartungen der regelmäßig befragten Volkswirte liegt. Gleichzeitig korrigierte die US-Behörde für Arbeitsmarktstatistik die Zahlen für Juni stark nach unten. Daraufhin feuerte US-Präsident Donald Trump die Statistikchefin Erika McEntarfer.

Die schwachen Arbeitsmarktdaten deuten darauf hin, dass die US-Konjunktur an Schwung verliert. Nun kommen auch noch die unsäglichen Einfuhrzölle hinzu. Die Exporte aus den meisten Ländern in die USA werden mit Strafabgaben von 15 Prozent und mehr belegt. Diese können die meisten Unternehmen nicht auf die eigene Rechnung nehmen. Die Gewinnmargen geben das einfach nicht her.

Michael Wittek leitet das Portfoliomanagement beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg und ist hier für die Anlagestrategie verantwortlich.

Michael Wittek leitet das Portfoliomanagement beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg und ist hier für die Anlagestrategie verantwortlich.

Die Folge wird sein, dass sich die meisten Importgüter in den USA verteuern werden. Und die Vereinigten Staaten importieren eine Menge Güter. Die US-Wirtschaft basiert zu 70 Prozent auf Dienstleistungen. Das produzierende Gewerbe und die Industrie haben seit Jahren an Bedeutung verloren, weshalb die Vereinigten Staaten umfangreich Waren importieren müssen. Aber auch die Preise der amerikanischen Hersteller werden voraussichtlich steigen. Denn auch für sie verteuern sich die Kosten für importierte Vorprodukte und Zulieferteile.

Zusätzliche Inflation von 1,8 Prozentpunkten?

Selbst US-Firmen, deren Lieferketten sich überwiegend oder sogar vollständig in den USA befinden, werden die Preise für ihre Produkte wahrscheinlich erhöhen. Denn wenn sich importierte Waren der Konkurrenz aus dem Ausland verteuern, verschafft dies amerikanischen Firmen den nötigen Spielraum für Preiserhöhungen, den sie wohl kaum ungenutzt lassen werden.

Die Wissenschaftler der Yale-Universität rechnen insgesamt mit einer zusätzlichen Inflation von 1,8 Prozentpunkten. Diese wirkt faktisch wie eine Steuererhöhung. Laut der Yale-Prognose wird sie allein in diesem Jahr jeden amerikanischen Haushalt im Durchschnitt 2400 Dollar kosten.

Die Kerninflation, die die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel nicht einrechnet, stieg im Juli in den USA schon auf 3,1 Prozent. Im Vormonat hatte sie noch bei 2,9 Prozent gelegen. Das sieht auf den ersten Blick nicht dramatisch aus, die Entwicklung verläuft jedoch in die falsche Richtung. Zudem dürfte sich ein großer Teil der Einfuhrzölle erst in den kommenden Monaten auf die Preise auswirken, weil die meisten erst seit August gelten. Das dicke Ende kommt also noch.

Trump bremst das Wirtschaftswachstum aus

Mit seinen Einfuhrzöllen sorgt der US-Präsident nicht nur für einen Inflationsschub, sondern würgt gleichzeitig die Konjunktur ab. Denn die amerikanischen Verbraucher werden ihren Konsum einschränken (müssen), da die Preise mit hoher Wahrscheinlichkeit steigen werden. Die US-Einkaufsmanagerindizes signalisieren bereits, dass es mit dem Wirtschaftswachstum in den USA schon bald vorbei sein könnte.

Der Begriff Stagflation beschreibt ein stagnierendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig steigenden Preisen und ist bei Anlegern äußerst unpopulär. Genau das droht den USA jetzt durch Trumps Zollpolitik. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario ist zwar nicht beängstigend hoch. Doch wenn es tatsächlich zu einer Stagflation käme, würde sie die US-Wirtschaft hart treffen.

Die 25.000 Euro-Frage

Doch auch in einem solchen Umfeld lassen sich 25.000 Euro sinnvoll anlegen. Investoren steuern Gold immer wieder als sicheren Hafen an, wenn die Preise steigen. Das Edelmetall gilt als ultimativer Wertspeicher, da die umlaufende Menge – im Gegensatz zu Papierwährungen – nur sehr langsam wächst. Der Goldanteil kann in einem Depot durchaus bis zu zehn Prozent betragen. Auch Energiepreise steigen häufig bei Inflation. Das gilt vor allem, wenn sie angebotsgetrieben sind. Das könnte beim Öl der Fall sein, wenn die OPEC+ ihre Produktionsausweitungen wieder zurücknimmt. Davon würden die Öl- und Gasmultis profitieren.

Auch Aktien aus den Bereichen Basiskonsumgüter, also von Herstellern von Lebensmitteln oder Haushaltswaren des täglichen Bedarfs, aus dem Gesundheitswesen und Energieversorgern eignen sich gut für ein inflationäres Umfeld. In der Regel können sie bei steigenden Kosten höhere Preise bei den Endkunden durchsetzen, da die Verbraucher auf diese Produkte angewiesen sind. Die Aktienquote sollte sich insgesamt auf rund 50 Prozent belaufen.

Schließlich bieten sich inflationsgeschützte Anleihen an, bei denen die Zinszahlungen an die Preissteigerung gebunden sind. Anleger sollten außerdem ausreichend Barmittel halten, um bei möglichen Korrekturen an den Finanzmärkten preiswerter nachkaufen zu können.

Über den Autor: Michael Wittek leitet das Portfoliomanagement beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg und ist hier für die Anlegestrategie verantwortlich.

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