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Raritäten aus der bayerischen Filmwelt: Wenn der Barockengel die Welt erhellt – Bayern | ABC-Z

Der Bayerische Rundfunk greift gelegentlich ins Archiv, um die wabernde Trübsal mit Heiterkeit zu lindern. Zuletzt beglückte er das Publikum mit einem lustigen Kurzfilm von 1963, in dem sich ein älterer Herr mitsamt einem Christbaum in eine volle Trambahn zwängen will. Eine Dame mit einem Dackel namens Wackili hegt die nämliche Absicht, weshalb sich ein Gedränge entwickelt, untermalt vom Gezeter der Schaffnerin und vom Geschrei der wegen der Verzögerung der Weiterfahrt empörten Fahrgäste.

Der Streit, ob der Christbaumbesitzer wieder aussteigen müsse, zeugt von einem Humor, der noch mit den Menschen mitfühlte und sie nicht vernichtete. Davon beseelt, gibt Dackel Wackili schließlich dem Druck der Blase nach und lässt es ungeniert in der Tram laufen, denn das tue er immer, wenn ein Baum in der Nähe sei, wie seine Besitzerin beteuert. Weniger von biologischer als von sprachgeschichtlicher Relevanz ist indessen die Drohung eines Fahrgasts, der Christbaummann solle sich schleichen, sonst „hol i d’Funkstreifn“.

Nicht nur die feine Komik des Films gehört längst der Vergangenheit an, sondern auch markante Begriffe wie die Funkstreife, ein Wort, das sogar den Titel der ersten bayerischen Fernsehserie zierte: „Funkstreife Isar 12“, so hieß die Serie, die von 1961 bis 1963 ausgestrahlt wurde. Das Dienstfahrzeug war ein BMW 501, der im Volksmund wegen seiner geschwungenen Karosserie den trauten Namen Barockengel trug.

Die Polizisten im Barockengel verständigten sich mithilfe eines Sprechfunks, ansonsten telefonierte man damals mit einem Fernsprecher. So hießen sowohl die alten Schnurtelefone als auch die mittlerweile aus dem Verkehr gezogenen Telefonzellen. Im vergangenen Jahr wurde das Wort Fernsprecher in der SZ nur noch dreimal verwendet, es geht also wie die Funkstreife langsam den Weg alles Irdischen.

Was der Fernsprecher sprachlich mit dem Mistviech zu tun hat

Fernsprecher besetzten stets zentrale Plätze, was auch für die Misthaufen galt, deren beste Zeit ebenfalls vorbei ist. Sie stanken zwar barbarisch, aber als bäuerliches Statussymbol dokumentierten sie einen reichen Bestand an Kühen respektive Mistviechern. Das Wort Mistviech wurde später auf spezielle Menschen übertragen, quasi als Belobigung.

Ein Synonym für Mistviech ist die blöde Kuh (bläde Kuah), was einleuchtet, da das Adjektiv blöd als Erweiterung für alle Schimpfwörter tauglich ist. Auch zu diesem etymologischen Komplex hat der Bayerische Rundfunk soeben Erhellendes beigetragen, indem er eine alte Filmsequenz präsentierte, in der Gustl Bayrhammer in seiner Rolle als Meister Eder (Pumuckl) bei einem Glas Bier eine zeitlos gültige Wahrheit äußert. Sie ist unübertroffen, weil sie das Elend der Welt in einer einzigen Sentenz bündelt: „Es muaß a Bläde gem, ned?!“ sinniert der Meister Eder, „aber es wern oiwei mehra!“

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