DFB-Team vor WM 2026: Der Bundestrainer sucht die Supersechser | ABC-Z

Toni Kroos spielt nicht mehr, und Joshua Kimmich kann auch ein Bundestrainer nicht klonen – für Julian Nagelsmann ist beides ärgerlich. Zweieinhalb Monate vor WM-Start veranstaltet er deshalb ein Casting, das auch beim Privatfernsehen gut ankäme.
Es gab kürzlich einen Moment, in dem Julian Nagelsmann für Sekunden den Eindruck vermittelte, er habe sein größtes sportliches Problem bereits gelöst, still und heimlich. “Er hat die große Gabe, Menschen zu verbinden”, sagte Nagelsmann, als er vor einigen Tagen seinen Kader für die Testspiele gegen die Schweiz (Freitag, 27.03.2026, ab 20.45 Uhr im Audiostream und im Live-Ticker) und Ghana (Montag, 30.03.2026, ab 20.15 Uhr im Livestream, im Audiostream und im Live-Ticker) vorstellte. Er sprach über einen der “Sechser” im Kader. Wie ein “Magnet” wirke der zwischen den einzelnen Spielern. “Er ist immer ein verlängerter Arm des Trainers.”
Nagelsmann meinte Pascal Groß, 34, den er zuvor bei vier Länderspielen im Herbst nicht berücksichtigt hatte. Nun ist Groß wieder dabei – aber die WM-Lösung für Nagelsmanns zentrale Frage ist er eher nicht. Groß, sagte Nagelsmann, sei einer dieser “Kaderspieler, die nicht zur ersten Elf zählen und trotzdem eine supergroße Bedeutung haben können”.
Groß, das weiß man nun, punktet auch mit Sozialverträglichkeit, wird im Testspiel gegen die Schweiz aber trotzdem nicht zur Startelf zählen. In der wird dafür einer stehen, mit dem man nicht gerechnet hatte: Angelo Stiller. “Er wird beginnen”, sagte Nagelsmann am Abend vor dem Spiel. Dabei hatte er Stiller, 24, ursprünglich gar nicht eingeladen, weil der zwar ein “herausragend guter Fußballer” sei, aber auch eher keiner für die Startelf. Und eine Rolle wie die von Groß hat Nagelsmann für Stiller nicht vorgesehen.
Neben Stiller, der nur nachrückte, weil mit Aleksandar Pavlović, 21, und Felix Nmecha, 25, zwei Konkurrenten verletzt absagen mussten, wird Leon Goretzka spielen. Das hat der Bundestrainer bereits verraten. Auch Goretzka, 31, ist von Nagelsmann schon mal nicht berücksichtigt worden. Bei der EM 2024 war er zur Überraschung vieler nur Zuschauer.
Kroos spielt nicht mehr. Kimmich kann man nicht klonen. Und nun?
Die Sechserposition ist vielleicht die wichtigste im modernen Fußball. Bundestrainer Nagelsmann nennt sie das “Herzstück einer jeden Mannschaft”. Doch bei der Nationalmannschaft hat das Herzstück Herzrhythmusstörungen. Sie veranstalten dort deshalb zweieinhalb Monate vor Beginn der WM 2026 ein Casting, das auch beim Privatfernsehen gut ankäme: Deutschland sucht die Supersechser.
Nagelsmann hat in zweieinhalb Jahren als Nationaltrainer viel ausprobiert, auch im defensiven Mittelfeld. Nicht immer hatte er Erfolg. Der Plan mit Toni Kroos aber ging auf. Für die EM 2024 überzeugte Nagelsmann Kroos von einer Rückkehr in die Nationalmannschaft. Kroos gab den Spielmacher aus der Tiefe, der Zweikämpfe nicht scheute. Es lag auch an ihm, dass Deutschland bei diesem Turnier überzeugte und unglücklich erst am späteren Europameister Spanien scheiterte.
Das Problem für den Bundestrainer ist nur: Nach dem Turnier hat Kroos seine Karriere beendet. Es muss also ohne ihn gehen. Fußballerisch am nächsten käme ihm Kapitän Joshua Kimmich, 31, in Deutschland gibt es in der Post-Kroos-Ära keinen besseren “Sechser”. Doch Kimmich ist auch Deutschlands bester Rechtsverteidiger, noch so eine Problemposition.
Seine Meinung über Kimmichs Einsatzort hat Nagelsmann deshalb nicht nur einmal geändert, zuletzt im Herbst, als er Kimmich erst zum neuen Supersechser ernannte, um ihn vier Wochen später doch wieder als Rechtsverteidiger einzusetzen. Nun hat Nagelsmann sich festgelegt, diesmal vielleicht wirklich: Kimmich spielt rechts hinten.
Pavlović und Nmecha fallen aus. “Ärgerlich”, sagt der Bundestrainer
Das Sechser-Casting findet demnach ohne Kimmich statt, das hat Nagelsmann so entschieden. Es findet aber zumindest vorerst auch ohne Pavlović und Nmecha statt, ohne zwei Spieler also, deren fußballerische Profile durchaus miteinander kompatibel wären: Ein Stratege, der wie früher Kroos aus der Tiefe das Spiel macht. Das wäre der Job von Pavlović gewesen. Und als Ergänzung dazu Nmecha, der Zweikämpfe gewinnt, aber immer wieder auch rund um den Strafraum des Gegners auftaucht.
Man wird sie so schnell nicht Seite an Seite im Trikot der Nationalmannschaft spielen sehen. Nmecha hat sich eine Außenbandverletzung im Knie zugezogen, es ist nicht sicher, dass er zur WM wieder in Topform sein wird. Und Pavlović hat Probleme mit der Hüfte – wie lange er ausfallen wird, ist unklar. “Ärgerlich” seien ihre Ausfälle, sagte Nagelsmann.
Goretzka hat gute Chancen auf einen Stammplatz
Ein Platz auf der “Sechs” dürfte nicht nur deshalb an Goretzka gehen. Er ist kein Stratege wie Kroos oder Kimmich, er ist auch kein Abräumer, der sich zuerst über defensive Zweikämpfe definiert. Seine wohl größte Stärke ist natürlich auch dem Bundestrainer nicht entgangen. “Er geht immer in die Box”, sagte Nagelsmann bei der Kadernominierung und meinte den Strafraum des Gegners. Es war ein Kompliment.
An der Seite von Goretzka darf sich gegen die Schweiz Stiller zeigen, doch auch Groß und Anton Stach, 27, dürften dort oder Tage später gegen Ghana zum Einsatz kommen. Während Groß gute Chancen auf ein WM-Ticket hat, Stichwort: Sozialverträglichkeit, ist Stach eher Außenseiter im Sechser-Casting. Für ihn sprechen die Leistungen in der Premier League, wo er bei Leeds United als Verbindungsspieler überzeugt, der Kopfballduelle gewinnt und manchmal schöne Tore schießt.
Und dann ist da noch einer, der zuletzt fehlte und auch diesmal nicht dabei ist: Robert Andrich, 31, bei der EM 2024 noch die Absicherung für Spielmacher Kroos. Nagelsmann hat das nicht vergessen. Er sagte: “Bei ihm wissen wir, was wir bekommen, sportlich und menschlich.” Klingt nicht, als sei Andrich ohne Chance im Sechser-Casting des Bundestrainers. Zumal es da auch mal ganz schnell gehen kann. Im Fall von Angelo Stiller lagen zwischen Nicht-Nominierung und der öffentlichen Startelfgarantie für das Spiel gegen die Schweiz acht Tage.
| Gegner | Datum | Ort |
|---|---|---|
| Schweiz | 27.3. | Basel |
| Ghana | 30.3. | Stuttgart |
| Finnland | 31.5. | Mainz |
| USA | 6.6. | Chicago |
| Curaçao (WM) | 14.6. | Houston |
| Elfenbeinküste (WM) | 20.6. | Toronto |
| Ecuador (WM) | 25.6. | New York |





















