Deutschland interessiert nur der Artenschutz vor der eigenen Haustür | ABC-Z

Bei Bauvorhaben steht der Artenschutz in Deutschland immer weit oben. Gesetze schreiben Artenschutzprüfungen und Umplanungen vor. Verstöße werden bestraft. Allein in Berlin zeigt sich die Konsequenz drastisch: Bei 17 Vorhaben mit rund 12.300 Wohnungen bremst der Artenschutz, elf Baustarts sind bereits verschoben. Kröten und Eidechsen geben deutschlandweit den Baukränen den Takt vor – und zwar zu Recht. Aber warum misst der Gesetzgeber beim Artenschutz mit zweierlei Maß?
Für exotische Tiere sind die Regeln so lasch, dass sich Hinz und Kunz selbst Löwenbabys, Wüstenfüchse oder Kapuzineräffchen ins Wohnzimmer holen können. Ein generelles Haltungsverbot gibt es nicht; mit leicht gefälschten Nachzucht-Nachweisen dürfen sogar Krokodile privat gehalten werden. Gleichzeitig florieren die Exotenportale, die selbst Laien beliefern.
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Rechtlich mag das zulässig sein, tiergerecht ist es nie. Mindeststandards sichern kein Wohlergehen: Sozialgefüge werden ignoriert, viele Tiere vereinsamen in Einzelhaltung. Es geht den Exoten hierzulande schlecht – und der Artenschutz in Herkunftsländern wird um Jahre zurückgeworfen. Die Nachfrage befeuert Wildfang. Beim Affenhandel ist die Bilanz besonders grausam: Mutter-Baby-Gespanne werden gezielt gejagt. Für ein Jungtier sterben laut Welttierschutzgesellschaft schätzungsweise zehn erwachsene Tiere.

Antonia Weber ist Volontärin bei FUNKE.
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Wer Tiere liebt, hält Affe und Co. nicht im Wohnzimmer. Und der Gesetzgeber? Er muss nachsteuern: ein Import- und Haltungsverbot für alle exotischen Wildtiere in Privathand. Es sei denn, ihm ist nur der Artenschutz vor der eigenen Haustür wichtig.





















