Deutsche Touristin im Gespräch: Wie Dubai Luftangriffe ohne Bunker und Sirenen meistert | ABC-Z

Deutsche Touristin im GesprächWie Dubai Luftangriffe ohne Bunker und Sirenen meistert
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Dubai, die eigentlich sichere Hightech-Metropole am Golf, steckt plötzlich mitten im Krieg. Die Deutsche Alina Cara Beyer erlebt iranische Luftangriffe hautnah – und fühlt sich trotzdem in Sicherheit. Im Gespräch mit ntv.de erzählt sie, wie gut die Stadt auch unter Beschuss funktioniert.
28 Grad und Sonne – eigentlich bestes Badewetter in Dubai. Doch der Strand, an normalen Wochenenden kaum zu überblicken, bleibt am heutigen Sonntag nahezu leer. Alina Cara Beyer sitzt in einem Strandrestaurant und wartet auf ihr Eis. Seit zwei Stunden gibt es keine Luftangriffe auf Dubai – und die Deutsche nutzt die Pause, um kurz zur Ruhe zu kommen. Im Hintergrund läuft entspannte Lounge-Musik. Angesichts der iranischen Angriffe auf das Emirat müsste eigentlich Luftalarm heulen – doch den gibt es hier nicht. Die Hightech-Metropole am Golf bleibt auch im Krieg komfortabel und modern.
Dubai ist das Emirat der Schönen und Reichen, Traumdestination für Europäer, die unter Palmen den Winter verbringen. Viele Expats schätzen die Stadt gerade wegen ihrer Sicherheit – und finden sich nun plötzlich mitten in einem Krieg wieder.
Seit Samstagmorgen greifen die USA und Israel den Iran an. Die Islamische Republik fliegt Gegenangriffe im gesamten Nahen Osten. Explosionen werden nicht nur aus Israel gemeldet, dem Erzfeind des Mullah-Regimes, sondern auch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Saudi-Arabien, dem Oman und Kuwait sowie anderen Ländern.
Durch seine Lage an der Straße von Hormus und die US-Militärstützpunkte auf seinem Boden ist das multikulturelle Emirat Dubai ins Epizentrum des Konflikts gerückt. Ein iranischer Angriff traf den internationalen Flughafen – einen der größten der Welt -, mehrere Menschen wurden verletzt. Im Hafen brach durch Trümmer einer abgefangenen Rakete ein Brand aus. Das Luxushotel Burj Al Arab, eines der Wahrzeichen der beliebten Urlaubsdestination, wurde durch Drohnentrümmer beschädigt. Auch auf der weltberühmten künstlichen “The Palm”-Insel gab es eine Explosion mit mehreren Verletzten. Das Militär der Vereinigten Arabischen Emirate hat nach eigenen Angaben 165 ballistische Raketen und 541 Drohnen abgewehrt. Nur Israel verzeichnet in der Region mehr Angriffe. Angesichts dieser Zahlen sind die Schäden bislang vergleichsweise überschaubar.
“Wir waren keine Sekunde uninformiert”
Die Angriffe kommen in Wellen, erzählt Dubai-Touristin Alina Cara Beyer ntv.de. “Es waren teilweise acht, neun Detonationen hintereinander, so stark, dass sogar der Boden gewackelt hat – und dann ist es wieder ruhig”, sagt sie. Die ehemalige RTL-Mitarbeiterin Beyer wohnt im 36. Stock eines Hochhauses. In der vergangenen Nacht hätten die Fensterscheiben wegen der Explosionen stark gezittert.
Wenn es kracht, halte sie sich vom Fenster fern oder geht in den Flur. Bunker gebe es in Dubai wohl keine, sagt Beyer. Einige Hotels hätten ihre Gäste in unterirdische Parkhäuser evakuiert, wo Matratzen ausgelegt worden seien.
Was ihr Vertrauen stärkt, ist die Kommunikation der Behörden. Über das Handy kämen ständig Informationen, was passiert sei und wie man sich verhalten solle. “Wir waren keine Sekunde uninformiert”, sagt Beyer. In ihrem Wohnturm gebe es in jedem Zimmer Lautsprecher, über die die Polizei direkt mit den Bewohnern sprechen könne – kein bloßer Alarm, sondern konkrete Ansagen, wie die Menschen im Gebäude reagieren sollen.
“Eine Freundin hatte Panikattacke, eine andere war feiern”
Während viele Europäer verängstigt seien, wirken die Menschen aus der Region deutlich gelassener, beobachtet Beyer. “Mit Freunden, die aus Deutschland kommen, haben wir eine Whatsapp-Gruppe gegründet, damit niemand allein ist; eine Freundin hatte gestern eine Panikattacke”, erzählt Beyer. “Meine arabischen Freunde sind aber ganz entspannt. Eine Freundin aus Syrien war gestern sogar feiern.” Die Geschäfte und Restaurants hätten geöffnet, das Leben laufe weitgehend normal weiter. In den Supermärkten fehle nichts, der öffentliche Nahverkehr funktioniere reibungslos.
Der Flughafen von Dubai ist allerdings dicht – genauso wie viele weitere internationale Drehkreuze in der Region. Für Beyer persönlich ist die Sperrung des Flughafens nicht dramatisch – Abreisepläne hat sie keine. “Solange die Lage unübersichtlich ist, bleibe ich hier. Ich vertraue auf die Regierung und fühle mich sicher.”
Kurz nach dem Gespräch mit ntv.de endet Beyers Pause am Strand – die Angriffe gehen wieder los. “War extrem laut gerade”, schreibt sie wenig später per Whatsapp. Der Moment der Ruhe ist vorbei.





















