Deutsche Presse Agentur wird bestreikt: Die dpa hat kaum etwas zu melden | ABC-Z

Normalerweise berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) über alles, was im Land so geschieht. Dazu zählen auch Meldungen über Warnstreiks, wie derzeit im öffentlichen Nahverkehr in mehreren Bundesländern oder auch am Berliner Flughafen BER am Donnerstag. Über einen Warnstreik hat die dpa jedoch bislang noch nichts vermeldet. Das könnte daran liegen, dass Deutschlands führende Nachrichtenagentur davon selber betroffen ist.
Für diesen Freitag hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) die rund 800 Beschäftigten der dpa zum Warnstreik aufgerufen. Der Streik startete bereits um Mitternacht und geht den ganzen Tag bis 24 Uhr. Bestreikt wird die Zentrale in Hamburg, die dpa-Landesbüros, der Berliner Newsroom und die dortigen Tochtergesellschaften wie beispielsweise die dpa infocom.
Damit wollen die Gewerkschaften Druck auf die ins Stocken geratenen Tarifverhandlungen mit der dpa-Geschäftsführung machen. In bislang vier Verhandlungsrunden ist es nicht zu einer Einigung gekommen. Die Wirkungen des Ausstands sind deutlich spürbar: Am Freitagvormittag war das Meldungsaufkommen der dpa, zu deren Kunden auch die taz gehört, tatsächlich sehr stark reduziert.
„Der heutige Streiktag ist historisch“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Matthias von Fintel. Zuvor habe es nur 2019 eine kurzzeitigere Arbeitsniederlegung für zwei Stunden gegeben. „Es ist mutig, in der zentralen Nachrichtenquelle des Landes einen ganzen Tag lang die Arbeit niederzulegen“, so Gewerkschaftssekretär von Fintel. Das müsse sich in einem starken Tarifergebnis auszahlen. Von einem „notwendigen Schuss vor den Bug“ spricht DJV-Verhandlungsführer Christian Wienzeck.
„In doppelter Hinsicht zu wenig“
Die Gewerkschaftsforderung sieht eine Erhöhung der Gehälter um einen monatlichen Festbetrag von 250 Euro brutto für 2026 und für 2027 eine Erhöhung um 2,5 Prozent vor. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll nach den Vorstellungen von Verdi und DJV 18 Monate betragen. Die dpa-Geschäftsführung bietet demgegenüber bisher einen Festbetrag in Höhe von 110 Euro monatlich für 2026 und 2,5 Prozent ab Anfang 2027 bei einer 24-monatigen Laufzeit des Tarifvertrags an.
„Das ist in doppelter Hinsicht zu wenig“, sagt Wienzeck. „Zum einen wird damit nicht die zu erwartende Preissteigerung gedeckt, zum anderen entspricht eine so geringe Gehaltserhöhung nicht der gewaltigen Arbeitsleistung der Journalistinnen und Journalisten bei der dpa“, so der DJV-Vertreter.
Es brauche „mehr als das bisher angebotene Lohnplus und es braucht eine kürzere Laufzeit“, findet auch Verdi-Mann von Fintel. Schließlich versorgten die dpa-Beschäftigten deutsche Medien rund um die Uhr und unter enormem Hochdruck mit hochwertigen und zuverlässigen Nachrichtenprodukten. „Das sehen sie vom Arbeitgeber nicht ausreichend anerkannt“, so von Fintel.
Die fünfte Tarifverhandlungsrunde findet am Freitag kommender Woche in Berlin statt. „Wir erwarten, dass die Tarifverhandlungen konstruktiv zu einem befriedigenden Ergebnis führen“, sagt Wienzeck.





















