Deutsche Fußballerinnen vor WM-Quali: Exodus nach England | ABC-Z

B ei frühlingshaftem Wetter haben viele Spielerinnen den freien Samstag in vollen Zügen genossen. Am Sonntag reiste die Delegation dann nach Dresden, wo im Rudolf-Harbig-Stadion der Auftakt in die WM-Qualifikation gegen Slowenien (Dienstag 17.45 Uhr/ARD) ansteht, ehe das Schlüsselspiel gegen Norwegen in Stavanger auf Kunstrasen folgt (Samstag 18 Uhr/ZDF-Livestream). Für eine ist der März-Doppelpack ein Neustart: Lea Schüller. Deutschlands beste Torjägerin blickt auf die schwierigste Phase ihrer Karriere zurück. „Die letzten Monate waren nicht einfach. Ich war sehr unzufrieden und auf keinem guten fußballerischen Level“, gab die 28-Jährige dieser Tage zu.
Erst entzog ihr Bundestrainer Christian Wück bei der EM in der Schweiz den Stammplatz, weil trotz Treffern gegen Polen und Dänemark die Körperspannung nicht passte. Dann versäumte sie aus privaten Gründen die Nations-League-Endspiele gegen Spanien. Zudem zog sich die vom Niederrhein stammende Angreiferin auch beim FC Bayern in den Schmollwinkel zurück, nachdem sie immer häufiger nur von der Bank kam. Ihr Weggang im Winter zu Manchester United wirkte wie eine Flucht, die Schüller rückblickend nicht bereut hat.
Beides seien professionell geführte Topvereine, aber die Spielweise im Land der Europameisterinnen sei noch einmal komplett anders, weil intensiver: „Das war für mich ein Grund, nach England zu gehen. Fitness war einfach noch nie meine Stärke, aber ich denke, dass ich mich in diesem Bereich schon gut weiterentwickeln konnte.“ Vielleicht schüllert es ja bereits in der Elbmetropole. Wück ist überzeugt, dass sich sein Sorgenkind aus dem Sommer „körperlich und athletisch weiterentwickelt, auch gegen den Ball: Ihr Wechsel wird ihr guttun, sie wird in England den nächsten Schritt gehen“.
Auftrag: Lücke zu Spanien schließen
Der übergeordnete Auftrag bis zur WM 2027 in Brasilien lautet für den Bundestrainer schließlich: „Wir wollen das festigen, was wir angefangen haben, und die Lücken zu Spanien und den anderen Topnationen weiter schließen.“ Dafür kann Wück auf die legitime Nachfolgerin von Alexandra Popp eigentlich nicht verzichten, denn ihre Abschlussqualität ist angesichts von 54 Toren in 82 Länderspielen unbestritten. Mit Sjoeke Nüsken (FC Chelsea), Rebecca Knaak (Manchester City), Shekiera Martinez (West Ham United), der diesmal auf Abruf nominierten Sydney Lohmann (Manchester United) und eben Schüller stehen inzwischen fünf Nationalspielerinnen in der Women’s Super League (WSL) unter Vertrag. Und werden es bald noch mehr?
Ausgerechnet Schüllers Konkurrentinnen im Sturm – Nicole Anyomi (Eintracht Frankfurt), Selina Cerci (TSG Hoffenheim) und Giovanna Hoffmann (RB Leipzig) – sind im Sommer wohl ablösefrei auf dem Markt. Die eine oder andere dürfte auf dem Wunschzettel englischer Klubs stehen. So wie sich fast jeder europäische Topklub längst danach erkundigt haben soll, zu welchen Modalitäten Topstürmerin Klara Bühl (FC Bayern) zu verpflichten wäre.
Das alles ist Zukunftsmusik. In der Gegenwart geht es für Wück darum, dass seine England-Legionärinnen ausreichend Spielzeit bekommen. Als Vorbild gilt ihm Mittelfeldspielerin Sjoeke Nüsken, die in der Hinrunde bei Chelsea sehr unzufrieden war. „Sie wollte sich rauskämpfen – das hat sie geschafft.“ Einen Weg, den auch Schüller einschlagen will. Nämlich „alles für die Mannschaft geben, Tore schießen und an meinen Schwächen arbeiten“. Dass sich nach den Länderspielen bald Manchester United und der FC Bayern im Champions-League-Viertelfinale begegnen, findet sie kurios. Die Konstellation mit Hinspiel im Old Trafford (25. März) und Rückspiel in der Allianz-Arena (1. April) nennt sie „ein cooles Los“.





















