Der Münchner Musiker young hoffi: Indie-Pop und Krankenpflege – München | ABC-Z

Ein 20 Quadratmeter kleines Studio. Zwei Menschen, die sich vorher noch nie gesehen – und ziemlich viele Ideen für den nächsten Song im Kopf haben. Niklas Hoffmann, der sich als Musiker young hoffi nennt, erinnert sich, wie er sich kürzlich mit Lena, einer Musikerin, in seinem Studio am Rand von München traf.
Es dauerte keine halbe Stunde, und schon murmelten sie erste Worte oder Halbsätze, sangen voreinander – schrieben einen Song. Es hatte Klick gemacht. „Wenn ich mit anderen Leuten Musik mache, bringt jede und jeder seine eigene Art mit. Alle profitieren voneinander. Und wenn es gut funktioniert, ist man in einem Tunnel. Fünf oder sechs Stunden. Und am Ende hat man ein gemeinsames Produkt.“ Ein Produkt, das bleibt. Mit einem Gefühl, das bleibt.
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Neben seinem Solo-Projekt als young hoffi produziert Niklas am liebsten für und mit anderen Künstlerinnen und Künstlern – mit Belli kürzlich, oder Levin. Seine aktuelle EP „Tiefschlaf“ verbindet leisen Pop mit elektronischen Sounds. Die Songs sind ruhig, aber wirken durch warme Synths energetisch, fast euphorisch. In anderen Momenten klingt die Musik nach Roadtrip und Liebe, nach klassischem Indie-Pop – so wie „Endlich nicht mehr Sommer“ oder „Immer Wach“. Und eines haben die Songs alle gemeinsam: stimmungsvolle Melodien, Wärme und Euphorie, das Gefühl (sich weg) zu träumen, wohin man will.
„Mir wurde in der Pubertät oft das Herz gebrochen“, sagt Niklas. Schon damals habe er das mit Musik verarbeitet. „Ich will mich jetzt nicht als Sad Boy bezeichnen“, sagt er und grinst, „aber ich mag traurige Musik einfach. Ich brauche Musik, um runterzukommen, nicht um mich zu pushen. Es ist auch so genug los.“
Mit 13 oder 14 Jahren lief Niklas ständig mit seinem MP3-Player herum, mit Musik von seinen älteren Brüdern: hauptsächlich Hip-Hop und ein paar Klassiker von den Pixies. Wenn ihm ein Song gefiel, landete er auf einer Favoritenliste. In der Abi-Zeit begann er selbst, mithilfe von YouTube-Tutorials und einem Freund, der auch Musik machte, Beats auf dem Computer zu bauen. Am liebsten Travis-Scott-Type-Beats. Noch ohne Text. „Ich habe versucht, trotzdem meinen eigenen Stil reinzubringen und ein bisschen unkonventionell zu sein. Aber am Ende wollten die Leute von DJs Techno hören. Das hat mir mehr genommen, als Spaß gebracht.“ Er legte eine Pause ein.
Erst einige Jahre später probierte er neue Genres aus – und seine Stimme einzusetzen, als Instrument. Daraus entstand sein erster veröffentlichter Song „Ambient Heart“.
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Seine Musik entsteht meistens spontan im Studio. Erst Melodien oder Sounds und dann der Text. Mittlerweile nur noch auf Deutsch, „weil ich mich damit viel wohler fühle, was ich sage.“
Eigentlich sind für Niklas Worte Nebensache in der Musik. Viel wichtiger ist das Gefühl, die Stimmung. „Ich höre Musik immer als Gesamtkonzept und da ist die Stimme ein Instrument wie die Gitarre oder der Bass.“ Texte entstehen, indem er Worte in der Bahn aufschnappt oder schöne Sätze in Büchern liest. Daraus setzt er Worte wie Puzzleteile zu einem Text zusammen.
Am Ende ist ihm wichtig, wie sich der Song anfühlt. Egal, ob er unkonventionell, poppig oder kitschig ist. „Wenn er mir in dem Moment gefällt, ist es richtig“, sagt er.
Niklas beschreibt sich selbst als schüchternen Typen. „Ich hätte früher niemals laut irgendwo mitgesungen. Eigentlich auch heute nicht.“ Deshalb stellt er auf Tiktok auch lieber seine Plattensammlung vor (mit Musik im Hintergrund!), als zu singen. Und die ist mittlerweile groß. „Nur die Couch war beim letzten Umzug schwerer“, sagt er.
Obwohl er früher immer dachte, er würde mal Architekt werden, arbeitet er heute hauptberuflich als Krankenpfleger in der Notaufnahme. Menschen zu helfen, sie zum Lachen zu bringen, gibt Niklas viel. „Und man ist einfach weg.“ Kein Tageslicht. Kein Gefühl für Tag oder Nacht. Die Klinik-Schicht schaltet den Kopf aus und gibt ihm Freiheit, sich in der Musik auszuleben. „Musik und Pflege sind gegenseitige Auszeiten.“
SZ Junge Leute
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