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Der große AZ-Vergleich: Kann das heutige Bayern-Team mit dem Triple-Siegern von 2020 Schritt halten? | ABC-Z

Den Bundesliga-Titel so gut wie in der Tasche, im DFB-Pokal im Halbfinale, in der Champions League mit Chancen zunächst aufs Viertelfinale: Vor den wichtigsten Wochen der Saison herrscht beim FC Bayern eitel Sonnenschein – vor allem wegen des offenbar stark ausgeprägten Teamgeists. “Ich sehe da schon Parallelen zur Triple-Sieger-Mannschaft von 2020 – auch wenn es noch früh ist für große Aussagen. Aber für mich herrscht aktuell schon die beste Stimmung im Team seit damals”, behauptet Serge Gnabry im Klubmagazin “51”.

Die Atmosphäre in der Mannschaft passt also, doch ist die aktuelle Bayern-Generation auch sportlich so stark, wie die der Triple-Saison? Die AZ macht den großen Head-to-Head-Vergleich!

Neuer und der Zahn der Zeit

Für Manuel Neuer fällt das Head-to-Head äußerst undankbar aus. Der Bayern-Kapitän muss sich mit der besten Version seiner selbst vergleichen – und mit der kann er im Alter von 39 Jahren schlicht nicht mehr mithalten. Freilich, der Weltmeister von 2014 zählt noch immer zu den besten Keepern Europas und ist auch heute noch zu herausragenden Paraden in der Lage.

Die größeren und kleineren Verletzungen haben über die Jahre aber Spuren hinterlassen. Neuer ist fehleranfälliger geworden und strahlt nicht mehr die Aura des Unüberwindbaren aus, die ihn in der Blüte seiner Zeit – und in der war er in der Triple-Saison 19/20 – zum womöglich besten Torhüter aller Zeiten gemacht haben. Unvergessen, wie er die Star-Offensive von PSG um die Mega-Stars Neymar und Mbappé im Finale mit schier übermenschlichen Reflexen zur Verzweiflung brachte. An dieses Niveau kommt er heute nicht mehr konstant heran. Der Zahn der Zeit, er nagt nunmal auch an einem Manuel Neuer. Der Punkt geht an seine Version von 2020.

Manuel Neuer war im Finale von 2020 einer der Sieggaranten für die Bayern und brachte die PSG-Offensive mit mehreren herausragenden Paraden zur Verzweiflung.
© Imago/Peter Schatz
Manuel Neuer war im Finale von 2020 einer der Sieggaranten für die Bayern und brachte die PSG-Offensive mit mehreren herausragenden Paraden zur Verzweiflung.

von Imago/Peter Schatz

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Abwehr: Die Viererkette von 2020 hatte einige Vorteile

In der Abwehr des Finals von 2020 finden sich mit Alphonso Davies und Joshua Kimmich zwei Stars, die auch heute noch im Kader stehen. Kimmich ersetzte seinerzeit den verletzten Benjamin Pavard als Rechtsverteidiger. Komplettiert wurde die Viererkette durch das Innenverteidiger-Duo Jérôme Boateng und David Alaba. Heute komplettieren Jonathan Tah, Dayot Upamecano und Konrad Laimer die Viererkette mit Davies.

Mit Blick auf die Statistik agieren beide Viererketten etwa auf demselben Niveau, wie auch der Schnitt von einem Gegentor pro Spiel unterstreicht. Die heutige Defensive lässt mit 10,1 Schüssen in 90 Minuten aber etwas mehr zu als die Abwehr von 2020 (8,8 Schüsse/90 Minuten).

Dayot Upamecano (l.) und Jonathan Tah bilden bei den Bayern aktuell ein starkes Innenverteidiger-Duo.
Dayot Upamecano (l.) und Jonathan Tah bilden bei den Bayern aktuell ein starkes Innenverteidiger-Duo.
© IMAGO/Noah Wedel
Dayot Upamecano (l.) und Jonathan Tah bilden bei den Bayern aktuell ein starkes Innenverteidiger-Duo.

von IMAGO/Noah Wedel

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Personell profitierte die Viererkette aus dem Triple-Jahr davon, dass mit Alaba ein Linksfuß den linken Part der Viererkette ausfüllte, was dem Aufbauspiel der Bayern entgegenkam. Zudem befand sich der junge Davies seinerzeit in absoluter Top-Form und machte sich mit spektakulären Offensivläufen auf der Außenbahn einen Namen im Weltfußball. Von diesem Niveau ist der Kanadier nach seinen Verletzungen in den vergangenen Monaten (Kreuzbandriss, Muskelfaserriss) aktuell ein gutes Stück entfernt. Unter dem Strich geht der Punkt also an die Abwehr von 2020.

Defensives Mittelfeld: Thiago konnte nicht nur zaubern

Das Herzstück der Triple-Mannschaft bildeten damals Thiago und Leon Goretzka. Ein technisch hoch veranlagter Kreativspieler an der Seite eines physisch dominanten, dynamischen Box-to-Box-Mittelfeldspielers – die Mischung hat gepasst! Heute bilden Kimmich und Aleksandar Pavlovic die Doppel-Sechs der Münchner.

Die besticht ebenfalls durch Kreativität und Präsenz im Zentrum, bringt aber etwas weniger eigene Torgefahr mit, als die Vorgänger-Generation mit Goretzka, der 2020 auf dem Höhepunkt seines Schaffens war und mit Läufen in den gegnerischen Strafraum immer wieder für Gefahr sorgte.

Was rückblickend gerne vergessen wird: Zauberfuß Thiago war für die Bayern auch im Spiel gegen den Ball enorm wichtig und kam in der Triple-Saison auf eine starke Zweikampfquote von 61 Prozent – Kimmich gewinnt lediglich 56 Prozent seiner direkten Duelle. Letzterer gibt pro Spiel dafür mit 2,1 fast doppelt so viele Torschussvorlagen pro Partie ab wie der Spanier (1,1). Insgesamt nehmen sich beide Sechser-Generationen nicht viel – der Punkt geht daher an beide.

Wird gerne vergessen: Der spanische Zauberfuß Thiago konnte auch im Zweikampf ordentlich mithalten.
Wird gerne vergessen: Der spanische Zauberfuß Thiago konnte auch im Zweikampf ordentlich mithalten.
© Imago/Frank Hoermann
Wird gerne vergessen: Der spanische Zauberfuß Thiago konnte auch im Zweikampf ordentlich mithalten.

von Imago/Frank Hoermann

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Offensives Mittelfeld: In Sachen Torgefahr kommt keiner an die Bayern ran

Hätten Sie es gewusst? Jamal Musiala stand ebenfalls im Triple-Kader von 2020, auch wenn die Reise zum Final-Turnier in Lissabon für den damals 18-Jährigen lediglich Bildungscharakter hatte. Auf der Zehnerposition war seinerzeit Platzhirsch Thomas Müller gesetzt, der von Gnabry und Kingsley Coman flankiert wurde. Eine Top-Offensivreihe, die durch Tempo, Kreativität und Stärke in Eins-gegen-Eins-Duellen bestach.

Der Kopfball ins Glück: Kingsley Coman mit dem 1:0 im Champions-League-Finale 2020 gegen Paris SG.
Der Kopfball ins Glück: Kingsley Coman mit dem 1:0 im Champions-League-Finale 2020 gegen Paris SG.
© IMAGO/Peter Schatz
Der Kopfball ins Glück: Kingsley Coman mit dem 1:0 im Champions-League-Finale 2020 gegen Paris SG.

von IMAGO/Peter Schatz

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Die heutige Generation muss sich davor aber keineswegs verstecken, im Gegenteil: Mit Michael Olise und Luis Díaz verfügen die Bayern über die gefährlichste Flügelzange Europas, das Duo wird mittlerweile sogar mit Robbéry verglichen. Beide vereinen beeindruckende Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins, strahlen enorme Torgefahr aus und haben gleichzeitig auch stets das Auge für den Mitspieler. Komplettiert wird die offensive Dreierreihe wahlweise von Musiala, Gnabry oder Supertalent Lennart Karl. Der Punkt geht ganz knapp an die Bayern von heute.

Es ist nicht nur die Spielweise: Was Kane Lewandowski voraus hat

Damals wie heute können die Bayern den womöglich besten Torjäger der Welt bauen. 2019/20 trug Robert Lewandowski – damals mit 32 Jahren in der Blüte seiner Karriere – mit sensationellen 55 Toren und zehn Vorlagen in 47 Spielen einen entscheidenden Teil zum Triple-Sieg bei. Mittlerweile ist Kane beim Rekordmeister für die Tore verantwortlich. Der Engländer kommt in der laufenden Saison auf 45 Tore und fünf Vorlagen in 37 Partien und spielt damit die beste Spielzeit seit seiner Ankunft in München.

Mit Blick auf die für einen Stürmer relevanten Statistiken liegt Kane fast überall knapp vor Lewandowski: Der Engländer braucht im Schnitt weniger Minuten für ein Tor (67 Minuten, bei Lewandowski waren es 75), hat eine bessere Chancenverwertung (31 Prozent ggü. 25 Prozent) und hat auch bei der Verwertung der Großchancen die Nase vorn (56 Prozent ggü. 52 Prozent).

Nicht nur aufgrund seiner Tore für den FC Bayern unverzichtbar: Harry Kane
Nicht nur aufgrund seiner Tore für den FC Bayern unverzichtbar: Harry Kane
© IMAGO/Malte Ossowski
Nicht nur aufgrund seiner Tore für den FC Bayern unverzichtbar: Harry Kane

von IMAGO/Malte Ossowski

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Abseits der reinen Quote ist Kane aufgrund seiner außergewöhnlichen Spielweise für seine Mannschaft noch ein gutes Stück wertvoller, als es Lewandowski seinerzeit war. Der 32-Jährige agiert nicht nur als klassischer Neuner, sondern lässt sich auch immer wieder weit zurückfallen, bestreitet immens viele Zweikämpfe und ist als verkappter Spielmacher für das Angriffsspiel der Bayern von essenzieller Bedeutung. Der Punkt geht an Kane.

Endstand: 3:3! Qualitativ können die heutigen Bayern mit der Triple-Generation von 2020 mithalten – ob es heuer wieder für den großen Wurf reicht?

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