Demografischer Wandel: Freising reagiert mit Übergangspflege – Freising | ABC-Z

2025 lebten mehr als 9400 über 80-Jährige im Landkreis Freising, 2050 werden es bereits etwa 16 000 sein. Die Zahlen, die Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) kürzlich bei einer Pressekonferenz vorstellte, machen deutlich: Der Landkreis muss auf die demografische Entwicklung reagieren. Petz: „Wir müssen vor der Welle bleiben.“ Als „ein Mosaiksteinchen in einem ganzen Bündel an Maßnahmen“ werde nun eine Übergangspflege installiert: „Für Notfälle und als reale Hilfe.“ Das 500 000 Euro teure Pilotprojekt, das mit 375 000 Euro vom Freistaat gefördert wird, läuft zunächst für drei Jahre. Start ist Anfang April.
Die Übergangspflege biete eine niedrigschwellige und unkomplizierte Hilfe, sagte Sozialamtsleiter Werner Wagensonner. „Das soll aber keine Konkurrenz zur ambulanten Pflege sein“, betonte er. Die Übergangspflege will in Notfällen unterstützen und unbürokratisch eine Lücke füllen. Sie sei eine vorübergehende Pflegeleistung, die sicherstellt, dass Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu Hause weiter versorgt werde. Das Angebot ist für Landkreisbürger kostenfrei.
Der Malteser Hilfsdienst wird diese Übergangspflege leisten. Gestartet werde erst einmal mit zwei Pflegekräften, berichtete Stefan Lackner, Leiter der sozialen Dienste der Malteser. Mit einem extra dafür angeschafften Fahrzeug werden Hausbesuche gemacht. An fünf Tagen beziehungsweise bei fünf Terminen werden die Patienten und deren Angehörige in der Pflege, aber auch bei der Suche nach einer ambulanten Pflege oder einem geeigneten Heimplatz unterstützt.
Ein anderes, großes Ziel des Landkreises ist es, den Seniorinnen und Senioren möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu Hause zu ermöglichen. Das soll mithilfe sogenannter Versorgungsquartiere, die die notwendige Infrastruktur bieten, möglich werden. Versorgungsquartiere können ein Dorf, eine Gemeinde oder ein Stadtteil sein. „Dort sollen die sozialen Angebote, die Nachbarschaftshilfe, Seniorentreffs, die ärztliche Versorgung, Supermärkte oder Dorfläden, Gemeindezentren und ambulante Pflegedienste vernetzt und bedarfsgerecht koordiniert werden“, erklärte Wagensonner.
Intakte Sozialstrukturen sollen wieder entstehen
Dadurch sollen wieder intakte Sozialstrukturen entstehen, sagte der Landrat. Der Gedanke der regionalen Vermarktung müsse mit den Themen Pflege und Versorgung zu Ende gedacht werden. Die Menschen sollen möglichst lange in vertrautem Umfeld leben können, denn: „Wer eigenständig lange zu Hause bleiben kann, bleibt aktiv, gesund und selbständig.“
„Wir müssen jetzt damit beginnen, der Zug ist bereits abgefahren“, betonte Sozialamtsleiter Wagensonner. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steige, aber der Pflegekräftemangel werde immer größer. „Bis 2035 werden deutschlandweit 400 000 Pflegekräfte fehlen.“ Im Landkreis sei die Situation nicht ganz so angespannt, dort gibt es bereits erfolgreiche Maßnahmen gegen den Pflegekräftemangel, sagte Landrat Petz. Hier nämlich gibt es am Klinikum eine Pflegeschule, die zweigleisig läuft. Das Erfreuliche: „Früher wollten nur zehn bis 20 Prozent der ausgebildeten Pflegefachkräfte hierbleiben, inzwischen können wir schon 100 Prozent binden.“





















