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Demna gibt Debüt für Gucci: Die Zukunft beginnt jetzt | ABC-Z

Das muss ein denkwürdiger Florenz-Besuch im November gewesen sein. Bei der Gelegenheit besuchte Demna – seit vergangenem Sommer Kreativdirektor von Gucci – die Uffizien. Botticellis „Die Geburt der Venus“ habe ihn zutiefst bewegt, so schreibt er einen Tag vor seiner Schau am Freitag in einem Brief an seine Instagram-Follower. Wie die Renaissance unser Bild von der Welt geprägt habe, die Kunst, die Proportionen, die Schönheit, all das sei ihm in dem Moment vor diesem Bild bewusst geworden. Als der Designer dann wieder draußen auf der Straße stand, an der Piazza della Signoria, so schreibt er in dem Brief, sah er als erstes – den Palazzo Gucci. Da habe für ihn alles plötzlich Sinn ergeben. Wo Gucci zu verorten sei und offenbar auch, wohin er es führen müsse.

Der Brief mit dieser Anekdote ist das einzige Foto in Demnas Instagram-Account. Was auch immer zuvor dort stand, ist jetzt gelöscht. So halten es Designer und Modehäuser häufig, wenn sie irgendwo oder mit irgendwem neu beginnen. Für Demna, der 1981 in Georgien geboren wurde, kurze Zeit mit seiner Familie in Düsseldorf lebte, in Antwerpen studierte, mit dem Label Vetements bekannt wurde, zehn Jahre lang Balenciaga in Paris verantwortete und zwischendrin seinen Nachnamen, Gvasalia, ablegte, beginnt die Zukunft bei Gucci also jetzt. Die vorherigen zwei Kollektionen, die der Designer kurz nach Ankunft bei Gucci aus dem Ärmel schüttelte, waren demnach nur das Vorprogramm.

Auch für eine Model-Ikone ist bei dieser Schau gesorgt: Kate MossReuters

Das Kleid klebt wie eine Strumpfhose am Körper

Der Mailänder Palazzo delle Scintille, der in der Frühphase von Mussolini erbaut wurde, ließ Gucci für die Schau am Freitagmittag mal eben zum Renaissance-Palast umbauen. Acht weiße Statuen, Nachbildungen aus den Uffizien, thronen hoch über dem Laufsteg. Mal sind deren Arme nach oben gestreckt, mal zur Seite. Dann kommt das erste Gucci-Model, ebenfalls in Weiß, das Kleid klebt wie eine Strumpfhose am Körper, ebenfalls mit in die Höhe gestrecktem Arm, sodass um den Ellenbogen die Gucci-Tasche sitzen kann.

Hat seinen Nachnamen abgelegt: Designer Demna
Hat seinen Nachnamen abgelegt: Designer DemnaReuters

Es ist ein typischer Demna-Moment. Bei jedem anderen Designer würde man bei so einem Anblick zweifeln, aber bei ihm wirkt das Schräge und Abseitige schön. Es folgen ein paar Highlights der vergangenen Gucci-Jahrzehnte. Die Tom-Ford-Ära ist dabei, als Gucci vor allem aus Körper bestand. Die Männer-T-Shirts sind so dünn, dass sie die Muskeln inszenieren, die Steghosen der Frauen sind mit Cut-Outs versehen, als blitze ein Tanga hervor. Die Oberteile sitzen hoch, die Hosen tief, zwischendrin liegt sehr viel Unterleib frei. Auch die Fellpantoffeln aus Alessandro Micheles Schaffenszeit schlappen hier über den Laufsteg. Michele, der in der ersten Reihe neben Donatella Versace sitzt, kann also mitansehen, wie aus seiner Mode schon Modegeschichte geworden ist.

Alessandro Michele und Donatella Versace kommen zu Demnas Debüt.
Alessandro Michele und Donatella Versace kommen zu Demnas Debüt.AP

Über allem schwebt trotzdem Demna, der nicht allein kuratiert, sondern eindeutig orchestriert. Der Look – rough und kantig – ist unverkennbar seiner und selbst sichtbar, wenn es sich um feine Spitze oder verspielte Blumenmuster handelt. Oder um Pailletten-T-Shirts zu Paillettenhosen – für Männer. Oder um das Glitzerkleid mit Gucci-Tanga zum Finale. Kate Moss trägt es. Auch für eine Model-Ikone ist bei dieser Schau gesorgt. Für ihn sei Gucci eine Person, so steht es in seinem Brief. Nach Demnas erster Laufsteg-Schau ist klar, dass sie ihm nahesteht. Dass Gucci und Demna offenbar gut miteinander können. Und das sind gute Nachrichten, denn die Marke hat vier orientierungslose Jahre hinter sich. Die Umsätze der Kering-Cash-Cow befanden sich in dieser Zeit im freien Fall.

Der Gucci-Ritt ist vorbei. Draußen scheint die Sonne besonders grell. In der Nachbarschaft des Palazzo delle Scintille liegt nicht der Palazzo Gucci, sondern eine Großbaustelle, die bis zu den Olympischen Spielen nicht fertig geworden ist. Aber Gucci unter Demna ergibt Sinn.

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