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Demenz: Wie das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen Angehörigen hilft – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

An Demenz sind deutschlandweit bereits 1,84 Millionen Menschen erkrankt – und die Anzahl wird stark steigen. Schließlich erhöht sich das Risiko, betroffen zu sein, je älter man wird. Bis 2050 geht die Alzheimer-Gesellschaft von bis zu 2,7 Millionen Betroffenen im Bundesgebiet aus. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen dürfte es laut dem seniorenpolitischen Gesamtkonzept bereits im Jahr 2040 knapp 50 Prozent mehr an Demenz Erkrankte als im Jahr 2022 geben, da waren es 2197 Personen insgesamt. Angesichts bereits fehlender Pflegeplätze wird das eine große Herausforderung.

Noch immer ist die Erkrankung mit einem großen Stigma versehen, weil Erkrankte sich in der Öffentlichkeit auffällig anders verhalten oder vollkommen desorientiert sind. Von einer „erbarmungslos entwürdigenden Erkrankung“ spricht eine Frau Mitte siebzig aus dem Landkreis, die lieber anonym bleiben will. Vor fünf Jahren bekam ihr Mann eine Demenz diagnostiziert.

Irgendwann, erzählt sie, konnte sie ihn nicht mehr zu Hause versorgen. Doch die Suche nach einem stationären Pflegeplatz in einer beschützenden Station war schwierig. Die Seniorin fand nur im benachbarten Landkreis Miesbach eine entsprechende Einrichtung. Um ihren Mann zu besuchen, muss sie weit pendeln.

Die Pflege in einer Einrichtung ist allerdings nur der letzte Schritt in einem schleichend voranschreitenden Prozess, in dem Erkrankte immer mehr ihre Selbständigkeit verlieren. Ohne Unterstützung ist das für Angehörige – vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt – kaum zu leisten. Doch vielen fehlt das Hintergrundwissen, welche Hilfsangebote es überhaupt gibt und wie sich diese mit den Krankenkassen abrechnen lassen.

Ein Drittel der Pflegebedürftigen hat eine demenzielle Diagnose

Für all diese Fragen ist der Pflegestützpunkt, der seit Mitte 2025 am Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen angesiedelt ist, eine wichtige Anlaufadresse. Die vier Mitarbeitenden informieren kostenlos über Unterstützungsangebote im Landkreis sowie darüber, welche Leistungen Pflege- und Krankenkassen finanzieren und unterstützen bei der Antragstellung. Bei Bedarf machen sie auch Hausbesuche. „Ein Drittel unserer Klienten hat eine demenzielle Diagnose“, sagt Gabi Strauhal, die zum Team des Pflegestützpunkts zählt. „Typische Fragen sind etwa, wie ich Pflegegeld beantrage oder welche Dienste gut unterstützen können.“ Weiterhelfen können auch die Fachstellen für pflegende Angehörige in Wolfratshausen und Bad Tölz.

Für die Betroffenen gibt es bereits niedrigschwellige Angebote. So können etwa Fachkräfte für Hauswirtschaft Erkrankte bei Alltagsbesorgungen begleiten, zum Einkaufen gehen, beim Wäschewaschen oder im Garten helfen. Das sind wichtige Unterstützungsangebote, die auch pflegende Angehörige, sofern es sie gibt, entlasten können. Wegen der langen Fahrstrecken wird es laut Strauhal nur manchmal schwierig, entsprechende Dienstleister für abseits gelegene Orte zu finden.

Wichtig sei es auch, frühzeitig über eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung festzulegen, wer sich im Pflegebedürftigkeitsfall um einen kümmern soll und welche medizinische Versorgung gewünscht ist, sagt Strauhal. Es komme darauf an, vorausschauend zu planen. „Schnelle Lösungen gibt es nicht.“ Über die Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal organisiert die Sozialpädagogin zudem Kurse unter dem Stichwort „Hilfe beim Helfen“. Die richten sich an Angehörige, die Menschen mit Demenz pflegen. Dabei geht es um das Krankheitsbild, rechtliche Aspekte und Unterstützungsangebote.

Kurzzeitpflege kann Angehörige vorübergehend entlasten

Unter diese fallen auch ambulante Pflegedienste. Sollte ein Erkrankter, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt, kurzzeitig für bis zu acht Wochen – weil etwa ein Angehöriger Urlaub braucht – fest in einer Einrichtung versorgt werden müssen, stellt die Pflegekasse dafür Geld aus dem Budget der Kurzzeit- oder sogenannten Verhinderungspflege bereit.

Damit Angehörige tagsüber zur Ruhe kommen und ihren Alltag bestreiten können, gibt es sogenannte Tagespflegeeinrichtungen. Im Bad Heilbrunner Ortsteil Oberbuchen leitet Michaela Schmiegel, die zugleich Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal ist, die auf Demenzkranke spezialisierte Tagesbetreuung L(i)ebensWert. „Die meisten Angehörigen wurschteln sich alleine durch“, sagt die ausgebildete Krankenschwester. „Sehr viele sind restlos überfordert, haben Schlafdefizite, weil sie bei der Pflege nie an ein Ende kommen und immer geduldig sein müssen.“

Christiane Bäumler an ihrem Schreibtisch im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen. privat

Oft habe sie es miterlebt, wie sich Angehörige gesundheitlich aufarbeiteten, sagt Schmiegel. Manchmal ist dann eine Pflegeeinrichtung die beste Lösung. Davon existieren zwar im Landkreis einige – in Lenggries hat sogar eine neu aufgemacht. Diese muss laut Schmiegel aber sogar eine Station geschlossen halten, weil es an Personal fehlt. Am schwierigsten sei es, Menschen in beschützenden Einrichtungen unterzubringen, was erforderlich sei, wenn die Betroffenen stark verwirrt seien oder Weglauftendenzen hätten. „In meinen Augen braucht es mehr kleinere Einrichtungen, wo Betroffene dezentral versorgt werden können“, sagt Schmiegel. Eine gute Zwischenlösung zwischen dem eigenen Zuhause und einer stationären Einrichtung könne auch eine Wohngemeinschaft sein, in der Demenzkranke ambulant betreut werden. So eine Einrichtung gibt es etwa in Dietramszell.

Der Mangel an Pflegekräften und -plätzen dürfte sich im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weiter verschärfen. Daher setzt das Landratsamt unter anderem darauf, die Nachbarschaft mehr in die Versorgung miteinzubeziehen. Im Konzept „Versorgt vor Ort“ sollen Anrainer gegen eine Aufwandsentschädigung oder Bezahlung Pflegebedürftige unterstützen. „Wir erhoffen uns eine gewisse Abmilderung der Lücke, die immer größer wird“, erklärt Christiane Bäumler, die sich im Landratsamt um die Belange von Seniorinnen und Senioren kümmert.

Noch ist das Konzept aber in der Entwicklungsphase. Genauso wie der Neubau des Demenzzentrums der Arbeiterwohlfahrt in Wolfratshausen, für das der Bebauungsplan aktuell zum zweiten Mal ausliegt.

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