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Darts-WM: „Eine Demontage von Ryan Searle“ – Luke Littler rauscht ins WM-Finale | ABC-Z

Luke Littler steht bei seiner dritten WM-Teilnahme zum dritten Mal im Finale. Nach nur einem Satz platzen die Hoffnungen auf ein knappes Halbfinale gegen Ryan Searle. Nur über einen „schrecklichen Dart“ ärgert sich Littler.

Beide waren bisher nur so durch die Darts-WM gerauscht. Beide wiesen vor ihrem Aufeinandertreffen die gleiche, beeindruckende Bilanz aus – beide hatten bisher 19 Sätze gewonnen und nur zwei verloren. Es gab also gute Argumente für die Chance auf ein enges WM-Halbfinale zwischen Ryan Searle und Luke Littler, der Nummer eins der Welt. Die Hoffnung hielt genau einen Satz. Den Auftakt konnte sich Searle noch zum 1:0 sichern, danach aber holte der Weltranglistenerste sechs Sätze in Serie. Am Ende stand ein nie gefährdeter 6:1-Erfolg.

Es ist Littlers drittes WM-Finale bei seiner dritten Teilnahme beim wichtigsten Turnier im Darts. Erst einmal verlor er überhaupt im Alexandra Palace: im WM-Finale 2024 war Littler gegen Luke Humphries mit 4:7 unterlegen.

Gegen Searle sah sich Littler zunächst einer neuen Herausforderung entgegen. Er gilt nicht als guter Starter in ein Spiel, war bislang bei dieser WM aber nicht dafür bestraft worden. Anders Searle, der sich den ersten Satz trotz eines zehn Punkte schlechteren Averages schnappte. Littler spielte zwar einen Zehndarter, kam aber im entscheidenden fünften Leg des Satzes nicht im Scoring hinterher. Sein englischer Landsmann Searle konnte sich sogar einen Treffer in der Single-1 und einen in der Triple-1 erlauben. Beim Gang von der Bühne schüttelte Littler den Kopf.

Das Publikum spielte bei dieser Reaktion keine Rolle. Beim Achtelfinale gegen Rob Cross wurde Littler noch ausgebuht und war dann verbal auf die Fans losgegangen („Danke für mein Geld. Danke, dass ihr mich ausbuht.“). Schon am Vortag beim 5:0-Erfolg im Viertelfinale gegen Krzysztof Ratajski hatte es aber eine kleine Versöhnung gegeben. Nach kurzen Buhrufen zum Walk-on hatte der Ally Pally während der Partie mehrfach den Namen des Weltmeisters angestimmt.

Ähnlich war es auch gegen Searle. Erneut gab es beim Einlauf Buhrufe, einzelne Pfiffe, als sich Littler lieber auf ein Doppel stellte, statt für die Show aufs Bullseye zu werfen – dazu ein paar Ryan-Searle-Gesänge. Aber auch Littler wurde zeitweise besungen.

Kritik von van der Voort an Littler

Ganz aus der Welt scheint das Thema Littler und die Fans aber immer noch nicht. Kritik am Umgang des 18-Jährigen mit dem Publikum kam nun vom niederländischen Ex-Profi Vincent van der Voort. „Es ist nicht klug, die Fans so zu behandeln. Das war nicht der glücklichste Moment seiner Karriere“, sagte er im Podcast „Darts Draait“ zum Auftritt nach dem Cross-Spiel. „Er muss wirklich aufpassen. Gegen zwei Dinge kannst du in deiner Karriere nicht gewinnen: die Presse und das Publikum.“

Littler verlor zum Publikum diesmal nach dem Sieg halbwegs positive Worte. „Ein paar Buhrufe, ein paar Anfeuerungen. Aber sie waren gut. Ein gutes Publikum“, sagte er bei Sky Sports.

Sein Sieg ist nach dem Satzausgleich zum 1:1 schnell erzählt. Im dritten Satz hatte Searle noch einmal die Chance zur Führung, startete in den Decider aber im genau falschen Moment mit einer Aufnahme von 15 Punkten. Littler bestrafte den Fehler und breakte zur 2:1-Satzführung. Ab sofort spielte der 18-Jährige praktisch alleine, holte zeitweise elf Legs in Serie, um mit 5:1 in Führung zu gehen. Littler wirkte deutlich fokussierter als noch in den Runden zuvor, setzte seine teilweise wild wirkenden Gesten deutlich sparsamer ein. Es schien, als wolle er einfach seinen Job erledigen.

Und das gelang ihm locker. Littler pendelte seinen Average bei über hundert Punkten ein, Searle schaffte es nur auf einen Schnitt von knapp über 90 Punkten. Immerhin ein Highlight gelang im siebten Satz „Heavy Metal“ noch. Er checkte aus dem Nichts den Big Fish, das mit 170 Punkten höchste Finish im Darts. Es war auch das Ende von Littlers Elf-Leg-Serie.

Littler hatte da mit sieben perfekten Darts gerade das perfekte Leg knapp verpasst. Der siebte Dart hatte schief in der Triple-20 gesteckt, sodass der achte dort nicht mehr reinpasste. „Schrecklicher Dart. Ich hätte auf die Triple-18 für die Doppel-15 gehen sollen. Ein Spiel gibt es noch. Ich glaube, dass sie hier (das Publikum, d. Red.) die 60.000 Pfund mehr wollen als ich. Ich versuche es morgen noch mal“, sagte Littler. Für einen Neundarter werden sowohl der Spieler als auch ein zufälliger Zuschauer im Publikum mit 60.000 Pfund prämiert. Weitere 60.000 Pfund gehen an eine Charity-Aktion.

Littler holte sich den Satz dennoch und gewann damit das Spiel. „Eine Demontage von Ryan Searle“, analysierte Ex-Profi Mark Webster im englischen TV. „In diesem Halbfinale ging es nur um Luke Littler.“

Der Weg ins Finale muss sich für Littler fast schon zu leicht angefühlt haben. Große Namen wie Gerwyn Price oder Stephen Bunting, auf die Littler eigentlich hätte treffen können, hatten sich reihenweise vorher aus dem Turnier verabschiedet. Der bestplatzierte Gegner war bislang Cross, vor dem Turnier die Nummer 17 der Welt. Im Endspiel wartet nun eine andere Hausnummer: Entweder der an zehn gesetzte Gian van Veen oder Legende Gary Anderson, Nummer 14 der Setzliste.

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Für Searle ist die WM trotzdem ein großer Erfolg. Er springt nicht nur sportlich auf Platz sieben der Weltrangliste, sondern konnte auch wichtige Botschaften platzieren. Er leidet an einer komplizierten Augenerkrankung und hatte tags zuvor nach seinem Sieg gegen Jonny Clayton emotionale Worte an alle Betroffenen gerichtet. „Ganz offensichtlich kann ich nicht besonders gut sehen: Lasst euch nicht aufhalten! Ich möchte diesen Menschen eine Inspiration sein“, sagte er. Searle leidet an einer autosomal dominanten Optikusatrophie, bei der der Sehnerv über die Zeit geschädigt wird und die Sehkraft dadurch nachlässt.

Die Organisatoren hatten sich für den Freitagabend eine besondere Aktion einfallen lassen. Die 180er-Schilder, die in der Halle des Ally Pally an die Fans ausgegeben werden, wurden als Zeichen der Unterstützung unscharf gedruckt. „Ein großes Shoutout an Paddy Power“, lobte Littler die Aktion des Sponsors.

Darts-WM 2026, Ergebnisse Halbfinale

Luke Littler (ENG/1) – Ryan Searle (ENG/20) 6:1

Gian van Veen (NED/10) – Gary Anderson (SCO/14)

Luca Wiecek ist Sportredakteur für WELT. Er berichtete bei dieser Darts-WM vier Tage aus dem Alexandra Palace in London.

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