CSU-Spaltung in Bambergs Stadtrat: Eine Partei eskaliert – Bayern | ABC-Z

Österlich sollte die Stimmung in Bambergs CSU sein, auch nach dem Debakel bei der Oberbürgermeisterwahl, in der es die eigene Kandidatin Melanie Huml nicht einmal in die Stichwahl geschafft hat. Tatsächlich aber ist die Gemütslage alles andere als österlich. Mitte der Woche hat sich die Stadtrats-CSU in zwei gleich große Teile gespalten. Die einen machen weiter als CSU. Die anderen sind jetzt CSB, „Christlich-Soziale Bürger“. Und obgleich der örtliche CSU-Chef Gerhard Seitz kürzlich angekündigt hat, es gehe künftig „nicht mehr um alte Gräben, Missverständnisse oder persönliche Befindlichkeiten“, sondern darum, die „Hand wieder auszustrecken, Brücken zu bauen“, eskaliert die politische Lage in Bamberg gerade komplett.
Wenige Stunden, nachdem fünf CSU-Mitglieder bekannt gegeben hatten, im Stadtrat nicht unter dem Dach der CSU-Fraktion weiterzumachen, drohte die CSU indirekt mit Parteiausschlussverfahren. Angesichts des Schrittes der fünf Stadträte plane man, dem CSU-Kreisvorstand vorzuschlagen, „die notwendigen parteirechtlichen Konsequenzen zu beraten“, teilt Bambergs CSU-Chef Seitz mit. Vom Versuch des Parteiausschlusses ist in der Mitteilung nicht ausdrücklich die Rede. Die Formulierung „parteirechtliche Konsequenzen“ aber lässt hinreichend Raum dafür.
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Von der Drohkulisse betroffen sind Führungsfiguren der lokalpolitischen Szene. Darunter der bisherige CSU-Fraktionschef im Stadtrat, Peter Neller. Auch Stefan Kuhn, Chef des Ortsverbands CSU-Mitte, eine der ältesten Parteigliederungen der Stadt, aus der prägende politische Köpfe stammen. Sowie Anna Niedermaier, Schwester des neuen SPD-Oberbürgermeisters Sebastian Niedermaier, die kürzlich in der SZ von Anfeindungen aus der Partei berichtete, nachdem sie sich im Wahlkampf an die Seite ihres Bruders gestellt hatte. Trotz dieser Feindseligkeiten war Niedermaier als CSU-Stadträtin auf der Liste weit nach vorn gewählt worden – könnte also Anspruch auf Führungsfunktionen anmelden.
Pikant ist die Eskalation in Bamberg nicht zuletzt deshalb, weil eine der Hauptprotagonistinnen dort die stellvertretende Vorsitzende der Landespartei ist: Melanie Huml kommt als Vize-Chefin der CSU in der Parteihierarchie formal direkt hinter CSU-Chef Markus Söder.
Söder wiederum war es, der sich öffentlich dafür stark gemacht hatte, dass Huml sich um das OB-Amt in Bamberg bewerben soll. Deren Kandidatur wäre „eine super Geschichte“, hatte Söder im Juni 2025 vor CSU-Delegierten kundgetan – und damit lange, bevor sich Huml zur Kandidatur bereiterklärt hatte, Druck auf die ehemalige Ministerin in seinem Kabinett gemacht.
Die Erklärungen klingen besänftigend und giftig zugleich
Mit den Worten „Bamberg tut weh“ hatte Söder nach der Wahl dann auch das Resultat in Oberfrankens größter Stadt besonders hervorgehoben. Nach ihrer gescheiterten OB-Kandidatur – die Stichwahl fand in Bamberg ohne CSU-Bewerber statt – war Huml von der CSU als deren künftige Stadtratschefin bestimmt worden.
Nun also die Spaltung. „Mit großem Bedauern“, heißt es in einer Erklärung von Seitz und Huml, nehme man die Ankündigung „einer konkurrierenden Fraktion“ zur Kenntnis. Ein solch „abweichender Zusammenschluss“ füge der CSU Schaden zu. Zwar bleibe die Hand „ausgestreckt“. Sollten sich die fünf ausscherenden Stadträte aber nicht an der CSU-Fraktion „beteiligen“, so würden sie aufgefordert, ihre „Mandate an die CSU“ zurückzugeben. Die Mitteilung führt vorsorglich fünf potenzielle CSU-Nachrücker für den Stadtrat auf.

:„Meine Kirche ist nicht Schickimicki“
Das Klösterl ist eine Felsenkirche aus dem Jahr 1454, mit Schlaf-Höhlen für die Mönche und einer angeschlossenen Wirtschaft. Nach 26 Jahren muss Hermann Riemann die Kirche und das Ausflugslokal verkaufen. Besuch an einem besonderen Ort.
Dazu freilich dürfte es nicht kommen. Die Gegenseite, die neue CSB, trägt sich – fragt man dort nach – überhaupt nicht mit dem Gedanken, Mandate zurückzugeben. Im Gegenteil: Noch vor dem 1. Mai soll über sämtliche Funktionen in der neuen Fraktion abgestimmt werden, etwa über deren Führung.
Die Eskalation in Bamberg erinnert stark an die politische Situation des Jahres 2007 im 50 Kilometer weit entfernten Coburg. Auch dort entzündete sich ein politischer Maximalkonflikt innerhalb der CSU maßgeblich um die Rolle eines Mannes. In Coburg war dies der mindestens meinungsstarke Unternehmer Michael Stoschek. In Bamberg scheiden sich die Parteigeister gerade maßgeblich am offen konfrontativen Stil des örtlichen Parteichefs Seitz, der die Zuspitzungsmöglichkeiten von Social Media so nutzt, dass manche dies als erfrischend, andere als verstörend empfinden.
In Coburg spaltete sich die CSU im Stadtrat ebenfalls in zwei Teile, auch dort in CSU und CSB. Anschließend, als die CSB zu einer Wahl antrat, wurden Parteiausschlussverfahren eingeleitet. CSU-Führungsfiguren verließen daraufhin die Partei, die CSB – heute in Coburg unter dem Namen „Freie Wähler-CSB“ antretend – wurde zum konstanten Faktor der Lokalpolitik.
Auch knapp 20 Jahre nach dieser Spaltung hat sich die CSU davon augenscheinlich nicht erholt. Bei der vergangenen Kommunalwahl erreichte der OB-Kandidat der CSU 16,5 Prozent, im Stadtrat kam die Partei auf – im landesweiten Vergleich – kurios geringe 18,4 Prozent. Die SPD überflügelte die CSU dort um knapp elf Prozentpunkte. Sie kommt in Coburg auf zwölf Sitze. Die CSU hat sieben.
Solange die neuen CSBler in Bamberg nicht auf einer konkurrierenden Liste bei einer Wahl antreten – wie in Coburg 2008 geschehen –, dürften Parteiausschlussverfahren geringere Chancen auf Erfolg haben. Das Beispiel Coburg scheint in der Bamberger CSU aber auch so niemanden zu bremsen: Am Donnerstag spitzte sich die Konfliktlage noch weiter zu. CSU-Chef Seitz attackierte auf Social Media den CSB-Stadtrat Kuhn mit schwerstem Geschütz. Unter anderem habe dieser angeblich versucht, „Melanie Huml durch einen AfD-OB-Kandidaten zusätzlichen Schaden zuzufügen“.
Seitz bezieht sich auf eine Behauptung des AfD-Stadtrats Armin Köhler. Köhler zufolge soll Kuhn in einem Gespräch die AfD aufgefordert haben, ebenfalls einen OB-Kandidaten aufzustellen. Der AfD-Mann bekundet, er habe „keine Zeugen“ für seine Behauptung. Gegen diese geht der CSB-Stadtrat inzwischen mit juristischen Mitteln vor. Der Fall landet mutmaßlich vor Gericht.
Seinen neuen Eskalations-Post beendet CSU-Chef Seitz mit den Worten: „Für uns gilt: Klare Kante. Keine Grauzonen. CSU bleibt CSU.“





















