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CSU knüpft an den Mythos des Wolfratshauser Frühstücks an – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

London hat den Big Ben, Paris den Eiffelturm und Wolfratshausen ein Frühstück, das es sogar zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht hat. Es war der 11. September 2002, ein Freitag, 8 Uhr morgens. Angela Merkel, damals Bundesvorsitzende der CDU, klingelt an der Haustür von Edmund Stoiber, seinerzeit bayerischer Ministerpräsident. In einer Wolfratshauser Doppelhaushälfte wird in der folgenden Stunde über die K-Frage entschieden. Der Rest ist Geschichte.

Sprung in die Gegenwart: Es ist der 14. März 2026. Die CSU hat Anhänger und interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einer Neuauflage des legendären Wolfratshauser Frühstücks geladen – nicht um des gemeinsamen Essens willen und schon gar nicht um 8 Uhr in der Früh. Nein, es geht darum, Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren, vielleicht den ein oder die andere zu überzeugen, doch noch ein Kreuz bei den CSU-Kandidaten zu machen. Am 22. März müssen Landratskandidat Thomas Holz und der Wolfratshauser Bürgermeisterkandidat Günther Eibl in die Stichwahl.

Wahlkampf-Endspurt, jede Stimme zählt. Warum also nicht an jene goldenen Zeiten anknüpfen, als in Wolfratshausen Geschichte geschrieben wurde. Dass Stoiber 2002 doch nicht Bundeskanzler wurde wegen 6027 Stimmen – wen kümmert es. Auch dass das Frühstück im „Roten Salon“ stattfindet, scheint nebensächlich. Die Alternative wäre der „Grüne Salon“ gewesen. Doch der ist zu klein. Etwa 70 Personen drängen sich an den Tischen, weitere müssen vor der Tür stehen. Dann beginnt das Warten. Ministerpräsident Markus Söder will vorbeischauen.

„Eine gute Idee“, nennt Ministerpräsident Söder die essbaren Give-aways. Harry Wolfsbauer

Die Zeit vertreiben sich die Anwesenden mit Weißwürsten und allerlei Variationen vom Ei. Gerührt, mit und ohne Speck, aber auch hart gekocht. Auf den Tischen stehen Schüsselchen mit gefärbten Frühstückseiern. Auch sie dienen dem Stimmenfang: „Holz wählen“ ist auf ihnen zu lesen. „Eine gute Idee“, wird Söder später kommentieren.

Das Warten hat ein Ende. Um 11.10 Uhr trifft der Ministerpräsident ein. Nun ist es an der Zeit, endlich mit dem zu beginnen, weshalb man das Wolfratshauser Frühstück wiederbelebt hat. Holz wirbt für sich und die anderen CSU-Kandidaten, die am 22. März antreten müssen. Neben Eibl sind dies die Bürgermeisterkandidaten in Münsing und Geretsried. Wer Landrat werden wolle, leite die Geschicke des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, sagt Holz. Und entscheide somit über die Zukunft von circa 130 000 Einwohnern, das Verwalten eines Haushaltsvolumens von knapp 200 Millionen Euro und das Wohl von 550 Mitarbeitenden im Landratsamt. „Das ist keine leichte Aufgabe“, so Holz.

Thomas Holz verspricht Erhalt der Kreisklinik

Der CSU-Landratskandidat bedient sich des Vergleichs mit einem Piloten, der den Landkreis-Jet mit all seinen Passagieren sicher am Zielflughafen landet trotz Turbulenzen. „Lustige Sprüche“ wie „Es kommt, wie es kommt“ seien da nicht zielführend – ein Seitenhieb auf seinen Herausforderer Ludwig Schmid von den Freien Wählern. Vielmehr brauche es einen Piloten, der wisse, wo die Instrumente seien; der ebenso wisse, wie man diese bedient; und der letztlich schon einige Flüge hinter sich habe.

Er wüsste, bei wem er einsteigen würde, sagt der stellvertretende Landrat und Landtagsabgeordnete – und meint damit sich selbst. Dem vermeintlichen Konflikt zwischen Nord- und Südlandkreis sagt der Kochler den Kampf an. Ein Pilot mache auch keine Unterschiede bei seinen Passagieren.  Als Beweis spricht sich Holz unter anderem für den Erhalt der Kreisklinik in Wolfratshausen aus. „Ich werde meinen Standpunkt nicht ändern“, betont er.

Etwa 70 Personen finden Platz im Roten Salon der Gaststätte Flößerei in Wolfratshausen. Insgesamt waren circa 90 Bürgerinnen und Bürger gekommen.
Etwa 70 Personen finden Platz im Roten Salon der Gaststätte Flößerei in Wolfratshausen. Insgesamt waren circa 90 Bürgerinnen und Bürger gekommen. Harry Wolfsbauer

Nun ergreift Söder das Wort. Schließlich ist der Ministerpräsident nicht nur gekommen, um sich an Weißwürsten zu laben, obschon er viel vom Essen sprechen wird. Söder erzählt von seiner Beziehung zu Edmund Stoiber, der der Einzige gewesen sei, der ihn, Söder, freiwillig befördert habe. Auch wenn das stundenlange Warten bis tief in die Nacht gedauert habe, sei er 2003 von ihm zum Generalsekretär der CSU ernannt worden. Eine von vielen Anekdoten, die bei den Anwesenden gut ankommen.

Wolfratshausen sei für ihn ein „magischer Ort“, berichtet Söder weiter. Denn in der Loisachstadt würden beim Frühstück große Entscheidungen getroffen. Er sei gekommen, um die CSU-Kandidaten im Landkreis zu unterstützen. Es sei nämlich nicht egal, wer Bürgermeister und Landrat werde. Es gehe darum, Kandidaten mit guter Vernetzung nach oben zu wählen: zu Regierung, Staatskanzlei und Landtag. Ein „überragender Kompetenzvorteil“, sagt er.

Nach einem Frühstücksei („Mein veganer Anteil des Tages“), Weißwürsten und diversen Selfies bricht Söder kurz vor 12 Uhr mittags wieder auf. Der nächste Termin wartet. Wieder geht es ums Essen: Eine Döner-Stippvisite in Rosenheim steht an.

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