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Stichwahl in Ottobrunn: Der spannendste Wahlkampf seit Jahren – Landkreis München | ABC-Z

Dass es ernst ist und er nach 19 Jahren um sein Amt bangen muss, weiß Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) wohl spätestens seit dem Wahlabend am 8. März. Sein Herausforderer von der SPD, der Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Florian Schardt, erzielte auf Anhieb 39,9 Prozent der Stimmen, er selbst landete bei 42,8 Prozent. Wie sehr er jetzt vor der Stichwahl am 22. März um jede Stimme kämpft, war bei der Podiumsdiskussion am Mittwochabend mit seinem Herausforderer im Wolf-Ferrari-Haus deutlich zu spüren. Bei Themen wie den Windkraftanlagen im Höhenkirchner Forst oder Lösungsansätzen zu den knappen Gemeindefinanzen wählte Loderer oft schärfere Worte als im bisherigen Wahlkampf. Er ließ erkennen, wie sehr er an dem Posten hängt. „Wenn jemand den Job, den ich liebe, von mir haben will, ist das emotional keine einfache Sache“, sagte er.

Großes Interesse an der politischen Debatte: Der Festsaal im Wolf-Ferrari-Haus war bis auf wenige Plätze gefüllt. Claus Schunk

Es zeigte sich, dass die Ottobrunner die Stichwahl nicht auf die leichte Schulter nehmen. Auch bei dieser zweiten Podiumsdiskussion – bei der im Februar noch der Grünen-Kandidat Leon Matella dabei war, während der vierte Bewerber, Vivi Ulmer von der Linken, krankheitsbedingt fehlte – füllten die Bürgerinnen und Bürger den Saal nahezu bis auf den letzten Platz. Organisiert hatte das Aufeinandertreffen der Ottobrunner Stephan Reiners, damit noch einmal Argumente ausgetauscht werden konnten und die Zuhörerinnen und Zuhörer „Wissenswertes in Erfahrung bringen können“. Loderer hatte zunächst gezögert.  Dass der Amtsinhaber nach einer anfänglichen Absage doch an der Diskussion teilnahm, würdigte Reiners ausdrücklich. „Ohne Ihre Präsenz wäre das eine One-Man-Show gewesen. Durch Sie war Salz in der Suppe“, sagte er.

Moderatorin Cornelia Stadler wünschte sich eine Debatte mit Respekt und auf Augenhöhe.
Moderatorin Cornelia Stadler wünschte sich eine Debatte mit Respekt und auf Augenhöhe. Claus Schunk

Salz in der Suppe gab es an dem Abend, moderiert von Cornelia Stadler, Coach aus Hohenbrunn, einiges. Es wurde deutlich, wie unterschiedlich die beiden Kandidaten sind, zwischen denen die Ottobrunner nun wählen können. Der 56‑jährige Amtsinhaber verwies angesichts der herausfordernden Zeiten immer wieder auf seine Erfahrung und darauf, was er in 19 Jahren erreicht habe – vom Ausbau der Buslinien bis zur Anbindung mehrerer Liegenschaften an die Fernwärme. „Überlegen Sie, wer im Sinne der Stabilität der Richtige ist“, sagte er.

Auf der anderen Seite der 44-jährige Herausforderer, der betonte, 2009 ein Startup gegründet und zu einem mittelständischen Unternehmen gemacht zu haben. Auch als Vizepräsident der IHK München und Oberbayern habe er Expertise als Wirtschaftsfachmann bewiesen. Diese Erfahrungen und Kontakte wolle er in die Gemeinde einbringen. Er sei sich der Bedeutung des Bürgermeisteramts bewusst. „Aber Sie können es mir anvertrauen“, sagte er.

Amtsinhaber Loderer sieht sich als den richtigen Kandidaten im Sinne der Stabilität.
Amtsinhaber Loderer sieht sich als den richtigen Kandidaten im Sinne der Stabilität. Claus Schunk

Auch inhaltlich gab es zwischen den Konkurrenten einige Kontroversen, wie ihre Antworten auf die Fragen der Bürger zeigten. Zum Thema Windkraftanlagen im Höhenkirchener Forst sagte Loderer: „Ich bin aus voller Überzeugung für Windräder – aber stellen wir sie auf, wo Wind weht.“ Ottobrunn hatte vor einer Weile gegen die ursprünglich drei geplanten Anlagen geklagt, weil sie nah am Wasserschutzgebiet liegen. Von einem Windrad nahmen die Planer später Abstand.

Schardt hielt dagegen: In der Region Fürstenfeldbruck seien auch Windräder geplant, obwohl es dort laut den Daten aus dem Windatlas noch weniger Wind gebe. Auch teilt er nicht die starken Bedenken wegen des Wasserschutzgebiets. „Wenn alle Windräder in Wasserschutzgebieten abgebaut werden müssten, dann wären das sehr viele“, sagte er.

Florian Schardt findet, es ist Zeit für einen frischen Blick auf bestehende Herausforderungen.
Florian Schardt findet, es ist Zeit für einen frischen Blick auf bestehende Herausforderungen. Claus Schunk

Was die Hoffnungen betrifft, der Büro- und Technologiecampus am Finsinger Feld könne künftig zu einer Quelle neuer Gewerbesteuereinnahmen werden, sind die Kandidaten ebenfalls unterschiedlicher Meinung. Loderer betonte, dass man dort Baurecht geschaffen habe, und zeigte sich überzeugt, das Gebiet werde „hoch attraktiv“ sein – zwischen Universität der Bundeswehr und dem Campus der TU in Ottobrunn/Taufkirchen.

Schardt zweifelte daran, dass die Pläne aufgehen. Es gebe weder Mieter noch Finanzierung, sagte er. „Wir dürfen es nicht als das allein Seligmachende sehen“, sagte er und kritisierte, ihm sei es zu wenig, dem Investor die Vermarktung zu überlassen. „Der Bürgermeister müsste der oberste Wirtschaftsförderer sein“, sagte er. Das sei immer „Chefsache“ gewesen, konterte Loderer.

Der Ottobrunner Bürger Stephan Reiners hatte die Diskussion organisiert, um noch einmal einen Austausch von Argumenten zu ermöglichen.
Der Ottobrunner Bürger Stephan Reiners hatte die Diskussion organisiert, um noch einmal einen Austausch von Argumenten zu ermöglichen. Claus Schunk

In ihren Vorstellungen für die Zukunft der Gemeinde liegen die beiden Kandidaten ebenfalls weit auseinander. Schardt setzt auf Kooperation wie bei der Nordallianz, ein interkommunaler Zusammenschluss von acht Gemeinden im Norden Münchens, und schlägt vor, das Gewerbegebiet rund um die TU gemeinsam mit Taufkirchen zu vermarkten – inklusive einer Lösung für das „Gewerbesteuerproblem“. Denn Taufkirchen erhebt einen Gewerbesteuersatz von 250 Prozent, in Ottobrunn liegt er bei 340. Loderer hält wenig davon. „Das ist ein harter Wettbewerb“, sagte er. Taufkirchen halte dort 85 Prozent der Fläche, „die brauchen uns schlichtweg nicht“.

Beim Thema bezahlbarer Wohnraum verwies Loderer neben bereits Erreichtem etwa auf die Möglichkeit, verstärkt in die Höhe zu bauen. Schardt hingegen will auch Leerstand und Zweckentfremdung stärker in den Blick nehmen.

Ob die Diskussion den Bürgern die Entscheidung erleichtert, wird sich zeigen. Eine wichtige Rolle dürften die 15,2 Prozent der Wähler und Wählerinnen spielen, die im ersten Wahlgang für den Kandidaten der Grünen stimmten. Sie zu gewinnen, dürfte für Loderer schwer werden, weil Matella und die örtlichen Grünen den SPD-Kandidaten unterstützen.

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