“Checker Tobi 3: Die heimliche Herrscherin der Erde” Gut gefragt – Kultur | ABC-Z

Wer Kinderfilme macht und auch noch die Hauptrolle darin spielt, kann vielleicht nicht anders: Er oder sie muss immer auch ein bisschen Kind spielen. In der allerersten Szene dieses Films imaginiert sich Checker Tobi in ein Videospiel aus seiner Kindheit hinein. Er ist ein Abenteurer, eine Art Indiana Jones, weicht einer Schlange aus, trägt Hut und Khaki. Dann ein Schwenk in die Realität: Ein Enddreißiger mit Strubbelhaar sitzt auf dem Sofa und zockt. Um ihn herum herrscht Chaos, und wer versucht das aufzuräumen? Eine Frau natürlich, Checkerin Marina, mit der Tobi offenbar in einer Art WG zusammenlebt. Sie hält ihm alte Furzkissen vors Gesicht, die er endlich mal aussortieren soll.
Wäre dies nicht die Rezension zu einem Dokumentarfilm für Kinder, zu einem sehr gelungenen noch dazu, gäbe es zu dieser Eröffnungsszene viel zu sagen. Man könnte eine Krise der Männlichkeit diagnostizieren oder eine Generation beschreiben, die eines auf gar keinen Fall will, nämlich erwachsen werden. Die das vielleicht auch gar nicht kann, weil die Wohnungen in Großstädten zu teuer sind für eine Familie und geradeso Platz lassen für ein Leben mit der Playstation. Und in der alte Geschlechterrollen noch immer gültig sind: der lustige Kindmann und die nörgelnde Frau, die ihm seine Furzkissensammlung madig macht. Wie fies.
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Aber keine Sorge, vielleicht kommt man ja eh zwei Minuten zu spät in den Kinosaal, weil die Kinder sich nicht zwischen Twister- und Gummibärchen-Eis entscheiden konnten. Und danach wird „Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde“ zu einem richtig guten Wissensfilm. Der 39-jährige Tobias Krell setzt mit der Regisseurin Antonia Simm die Reihe an Doku-Spielfilmen fort, die 2019 mit dem „Geheimnis unseres Planeten“ begann und 2023 mit der „Reise zu den fliegenden Flüssen“ ihre Fortsetzung bekam. Jeder Film ist einem Element gewidmet, nach Wasser und Luft folgt nun: die Erde.
Im Gegensatz zu den „Checker Tobi“-Wissenssendungen, die seit 2013 in der ARD erfolgreich sind, haben die Kinofilme eine fiktive Rahmenerzählung. In Teil 3 wird hier die Figur des Kinderfilm-Kindmannes Checker Tobi interessant: Tobi erscheint nämlich sein kindliches Ich. Und das ist enttäuscht, denn der Kindmann ist nicht Kind genug, da kann er noch so oft „krass“, „geil“ und „mega“ sagen. Seinem Kinder-Ich erscheint er öde, weil er an den nächsten Checker-Dreh denkt (immerhin über Bagger) an Steuererklärung und Handyverträge, anstatt auf Abenteuerreise zu gehen. Langweilig!
Um sein Kinder-Ich nicht zu enttäuschen, bricht Tobi nach Madagaskar auf, Spitzbergen, Mexiko
Außerdem erinnert sich sein erwachsenes Ich nicht an die Antwort auf eine Frage, die Klein-Tobi schon als Kind umtrieb: „Wer hinterlässt die mächtigsten Spuren im Erdreich.“ Um sein Kinder-Ich nicht zu enttäuschen, bricht Tobi also auf. Nach Madagaskar in ein Kalksteingebirge, in dem die Ureinwohner die Geister ihrer Ahnen vermuten. Nach Spitzbergen, wo ein riesiger Tresor Pflanzensamen aus aller Welt konserviert, und zu einer archäologischen Ausgrabung im mexikanischen Dschungel. Überall trifft Tobi echte Wissenschaftler und Forscherinnen, die ihm Regenwürmer, Baobab-Bäume und Maisanbau erklären. Seine Begegnungen mit diesen echten Menschen haben eine angenehme Holprigkeit, der Tobias Krell mit Freundlichkeit und Interesse den sozialen Schrecken nimmt.
Das Schöne ist: Im Lauf seiner Reise wird Checker Tobi klar, dass Erwachsenwerden doch nichts Schlechtes ist. Dass man auf dem Weg durchs Leben lernt, jedenfalls, wenn man neugierig bleibt. Am Ende blickt er melancholisch von der Spitze einer Maya-Pyramide auf die Welt – die vergessene Antwort aus der Kindheit fällt ihm ein, aber das ist da schon längst nicht mehr das Wichtigste.
Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde, D 2026 – Regie: Antonia Simm. Mit: Tobias Krell, Marina Blanke, Theodor Latta, Hanitra Rakotonirina. Visuelle Effekte: David Bobichon. Verleih: MFA, 93 Minuten. Kinostart: 8. Januar 2026.





















