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Chaos bei Paypal: Das sind die Probleme des Konzerns – Wirtschaft | ABC-Z

Der US-Konzern Paypal steht vor massiven Problemen. Nach der Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen rauschte der Aktienkurs um mehr als 20 Prozent in die Tiefe und notiert nun so tief wie zuletzt beim Börsengang 2015. Der US-Bezahldienst setzt deshalb seinen Chef vor die Tür. Droht jetzt der Absturz eines einstigen Vorzeigeunternehmens? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Paypals Problemen.

Was ist bei Paypal passiert?

Der US-Bezahldienst hat am Dienstag die Zahlen für das letzte Quartal des Jahres 2025 vorgestellt und musste eingestehen, dass er hinter den Erwartungen der Analysten zurückbleibt und im kommenden Jahr sogar mit einem leicht rückläufigen Gewinn je Aktie rechnet. Daraufhin fiel der Aktienkurs in nur wenigen Stunden um mehr als 20 Prozent, gleichzeitig verkündete das Unternehmen, dass sie den aktuellen Chef Alex Chriss vor die Tür setzen. Kurzfristig übernimmt die aktuelle Finanzchefin Jamie Miller seine Aufgaben. Von März an soll dann der aktuelle HP-Boss und Noch-Paypal-Aufsichtsrat Enrique Lores bei Paypal als CEO einsteigen. Die Aktie des US-Konzerns fiel nach der Ankündigung ebenfalls, allerdings nur um fünf Prozent.

Warum musste der Chef gehen?

Alex Chriss war einst als Nachfolger des Langzeit-CEOs Dan Schulman mit großen Erwartungen gestartet. Immerhin hatte er Erfahrung im Techbereich, war vorher beim Softwarehersteller Intuit beschäftigt und konnte in seiner Sparte teils hohe Wachstumsraten erzielen. Paypal sollte er neuen Schwung verleihen, den dieser unter Schulman offenbar verloren hatte. Sichtbar war das deutlich am Aktienkurs. In den Jahren seit 2021 sank der Kurs des einst von Peter Thiel und Elon Musk gegründetem Unternehmen um mehr als 80 Prozent. Das lag vor allem daran, dass der Konzern es nicht geschafft hatte, neue Produkte mit Erfolg in den Markt zu drücken. In einem Statement des Unternehmens wird die Enttäuschung über die mangelnden Fortschritte von nun Ex-CEO Chriss aber mehr als deutlich. Dort heißt es: „Obwohl in den vergangenen zwei Jahren in einigen Bereichen Fortschritte erzielt wurden, entsprach das Tempo der Veränderungen und deren Umsetzung nicht den Erwartungen des Boards.“

Wie schlimm sahen die Zahlen denn aus?

Würde man die Zahlen nur als Ausschnitt sehen: gar nicht einmal so schlecht. Denn es ist nicht so, dass Paypal Verlust schreibt oder nicht mehr wachsen würde. Im vierten Quartal immerhin machte der Konzern einen Umsatz von 8,6 Milliarden US-Dollar, im Gesamtjahr mehr als 33 Milliarden US-Dollar – und damit vier Prozent mehr als noch im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 5,31 US-Dollar und der bereinigte operative Gewinn vor Steuern oder Abschreibungen bei mehr als sechs Milliarden US-Dollar. Dass der Aktienkurs trotzdem so abrauschte, lag daran, dass die Analysten mehr von Paypal erwartet hatten und das Wachstum plötzlich deutlich schwächer ausfiel als noch in den Jahren zuvor. In der Vergangenheit war das Unternehmen dafür bekannt, die hohen Erwartungen der Aktienanalysten entweder zu erfüllen oder sogar zu übertreffen. Dass das nun nicht mehr der Fall ist, dürfte viele Investoren erschreckt haben – und damit der wichtigste Grund für den kurzfristigen Absturz der Aktie sein. Hinter dem langfristigen Wertverfall von einst 250 Euro je Aktie auf nun 35 Euro stecken aber größere Probleme.

Warum lief es lange so gut bei Paypal – und jetzt nicht mehr?

Paypal war einst ein sehr innovatives Unternehmen. Gegründet von Peter Thiel und mit einer Firma von Elon Musk verschmolzen, war die Grundidee genial: Nur mit einer Mailadresse konnten sich die Menschen Geld senden und das auch im Bruchteil der Zeit, die eine Banküberweisung dauerte. Das half Paypal schnell, viele Kunden zu gewinnen, die dann auch das Hauptprodukt der Firma nutzten: den sogenannten „Branded Checkout“. Das ist der Button, den die Kunden an der Online-Kasse sehen und über den Paypal anteilig am Umsatz viel Geld von den Online-Händlern kassiert. Das machte den US-Konzern lange Zeit zu einer wahren Gelddruckmaschine. Weil während der Corona-Pandemie immer mehr Menschen digital bezahlten, wuchs der Umsatz bei Paypal zusätzlich von 17 Milliarden US-Dollar vor der Pandemie auf 25 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021. Der Aktienkurs stieg daraufhin auf mehr als 250 US-Dollar je Aktie. Doch dieses Wachstum ebbt nun ab, und das ist ein Problem.

Was sind die größten Baustellen bei Paypal?

Im vierten Quartal 2025 wuchs das Volumen, das über den Paypal-Button lief, nur noch um ein Prozent. Das ist deutlich weniger als in den vorherigen Quartalen und besorgt Analysten wie auch Investoren. Immerhin gibt es mit Apple Pay, Klarna oder Affirm starke Konkurrenten, die Paypal auch in Zukunft weitere Marktanteile wegschnappen könnten. Nur, wie soll Paypal künftig mehr Geld verdienen, wenn das beliebteste Produkt schwächelt? Eine Möglichkeit wäre es, neue Geschäftsfelder aufzutun. Doch gerade das ist das größte Problem des Unternehmens, das zunehmend wirkt wie ein Payment-Dinosaurier. Denn der Konzern, der von 2002 bis 2015 zu Ebay gehörte, hat es in den vergangenen Jahren versäumt, neue Einnahmequellen zu erschließen, und muss nun schauen, wie Konkurrenten Millionen scheffeln. Ein Beispiel dafür ist der Hype um „Buy now pay later“ (Kaufe jetzt, bezahle später). Paypal hatte früh ein führendes US-Unternehmen in dem Bereich gekauft, es dann aber nie geschafft, daraus vernünftig Profit zu schlagen, wohl auch, weil das ganze Thema eher stiefmütterlich behandelt wurde; sehr zur Freude des schwedischen Fintechs Klarna. Das schaffte es in den vergangenen Jahren, einen wahren Hype um die Bezahllösung auszulösen – und konnte im September 2025 sogar einen erfolgreichen Börsengang feiern.

Welche anderen Trends hat Paypal verschlafen?

Nahezu gar nicht existent ist Paypal in der gesamten Diskussion rund um Kryptowährungen, der eigene Stablecoin dümpelt nur so dahin. Ein anderes Beispiel ist das Bezahlen mit dem Smartphone an der Ladenkasse. Das hat während der Corona-Pandemie sogar im bargeldfreundlichen Deutschland stark zugenommen. Doch Paypal konnte davon überhaupt nicht profitieren. Denn der Konzern führte Offline-Zahlungen erst im Sommer 2025 in Deutschland ein und muss nun schauen, ob und wie er es schafft, Konkurrenten wie Apple Pay oder Google Pay wieder einzuholen. Vereinfacht gesagt, hat Paypal also ähnliche Probleme wie die deutsche Autoindustrie: Noch wird über das Kernprodukt Geld verdient. Doch Analysten wie auch Investoren fragen sich zunehmend, wie lange das einstige Starprodukt, auch angesichts von immer mehr Konkurrenten, noch für Wachstum sorgen kann – oder ob die Firma ein „One-Trick Pony“ bleibt.

Was bedeutet das für mich als Verbraucher?

Ganz einfach gesagt: nichts. Privatkunden wie auch Unternehmen können Paypal weiterhin genau so nutzen wie gewohnt. Menschen, die allerdings zu Hochzeiten in die Aktie des Unternehmens investiert hat, dürften sich ärgern. Sie haben viel Geld verloren.

Geht es anderen Unternehmen aus der Branche ähnlich schlecht oder ist Paypal eine Ausnahme?

Paypal reiht sich mit dem Absturz der Aktie in eine ganze Riege von eher klassischen Zahlungsanbietern ein, die zuletzt Probleme hatten, sich für die Zukunft aufzustellen. Dazu zählt der deutsch-französische Konzern Worldline, dessen Aktienkurs seit dem Höchststand um mehr als 95 Prozent gefallen ist. Aber auch der italienische Dienst Nexi hat zu kämpfen. Dort sackte der Aktienkurs seit einem Hoch im Jahr 2021 um mehr als 50 Prozent ab.

In Deutschland hat Paypal ganz eigene Probleme. Welche sind das?

In Europa ist mit Wero eine Lösung gestartet, welche viele europäische Banken unterstützen. Bisher lässt sich darüber unter anderem Geld an Freunde versenden und in einigen Shops auch schon online bezahlen. Langfristig drängen Banken und europäische Zahlungsdienstleister mit dem Angebot darauf, Paypal Konkurrenz zu machen und beispielsweise in Deutschland Marktanteile abzuluchsen. Ob das gelingen kann, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Sollte Wero aber zu einer ernsthaften Konkurrenz werden, dürfte Paypal das gerade in Deutschland schmerzen. Immerhin gibt es hierzulande mehr als 30 Millionen Paypal-Kundinnen und -Kunden, und im Onlinehandel ist Paypal nach wie vor die beliebteste Bezahlmethode. Eine Sicherheitspanne im Sommer 2025 ließ bereits das Image bröckeln. Damals stoppten Banken Lastschriften von Paypal in Milliardenhöhe, weil dort die Sicherheitsmechanismen versagten, wie die Süddeutsche Zeitung enthüllte.

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