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Champions League: Wie sich Bodö Glimt zum Favoritenschreck in Europas Fußball entwickelt hat | ABC-Z

Ein kleiner Klub aus Norwegen mischt die Champions League auf. Nach Manchester City und Atlético Madrid muss nun Vorjahresfinalist Inter Mailand eine Niederlage am nördlichen Polarkreis einstecken. Was steckt hinter dem jähen Erfolg des Underdogs?

Wenn nicht die Temperaturen von minus sechs Grad gewesen wären, hätte man glatt an den FC Barcelona denken können. Dort wurde das Kurzpassspiel namens Tiki-Taka einst unter Pep Guardiola erfunden, im hohen Norden nun fand es am Mittwochabend seine würdigen Nachfolger. Und die kamen vom bis dato vom großen Glanz befreiten Klub FK Bodö Glimt. Das Führungstor der Norweger beim 3:1 (1:1) über Inter Mailand im Play-off der Champions League jedenfalls erinnerte an die hohe Kunst der Sportart.

Bodös Haakon Evjen fand nach einer schönen Stafette im Mittelfeld mit seinem Pass Kasper Högh, der wiederum herrlich per Hacke an Sondre Brunstad Fet weiterleitete. Vor Ex-Bayern-Keeper Yann Sommer blieb der Mittelfeldspieler cool und traf per platziertem Rechtsschuss zur überraschenden Führung für den Außenseiter. Wer nun dachte, dass das Gegentor ein Hallo-Wach-Effekt für die Italiener gewesen sei, sah sich getäuscht. Zwar sorgte Francesco Pio Esposito noch vor der Pause für den Ausgleich. Doch nach dem Wechsel machten der frühere Eintracht-Frankfurt-Stürmer Jens Petter Hauge und Högh mit ihren Treffern die Sensation perfekt.

FK Bodö Glimt, dieser kleine Klub aus der 43.000 Einwohner zählenden Stadt nördlich des nördlichen Polarkreises, hat nun nach dem Erfolg im Play-off-Hinspiel der Fußball-Königsklasse beste Chancen auf das Erreichen des Achtelfinales. Es wäre der nächste Entwicklungsschritt nach einigen famosen Auftritten in dieser Saison. In den jüngsten Spielen der Ligaphase hatte Glimt schon gegen Manchester City (3:1) und Atlético Madrid (2:1) gewonnen und sich so für die Play-off-Runde qualifiziert. Auch Borussia Dortmund kam gegen die Norweger daheim nicht über ein 2:2 hinaus. Nun folgte das nächste Ausrufezeichen gegen den Vorjahresfinalisten der Champions League.

„Eine starke Mannschaft, auch wenn sie vielleicht noch keinen großen Namen hat“

Entsprechend zufrieden zeigten sich einige der Protagonisten nach dem Spiel. „Das ist eine hervorragende Ausgangsbasis. Aber wir wissen aus der Europa League, wie schwer es in Europa auswärts ist, sagte Trainer Kjetil Knutsen nach dem nächsten kleinen Fußballwunder: „Wir dürfen nicht denken, dass wir etwas verteidigen müssen.“ Und Torschütze Fet meinte: „Ich freue mich sehr darauf, bald nach Mailand zu reisen.“ Bodö sei „eine starke Mannschaft, auch wenn sie vielleicht noch keinen großen Namen hat“, musste auch Inters Angreifer Esposito anerkennen.

Bei einem Erreichen des Achtelfinales könnte es für Bodö zu einem Wiedersehen mit dem ehemaligen Champions-League-Gewinner Manchester City kommen oder zu einem Duell mit Sporting Lissabon. Das Rückspiel gegen Inter findet am kommenden Dienstag (21 Uhr) im Giuseppe-Meazza-Stadion statt. Dass sich dort Glimt erneut als widerstandsfähig erweisen wird, dürfte sicher sein.

Denn schon einige Male hat der Klub in jüngerer Vergangenheit aufhorchen lassen. 2025 erreichte man das Halbfinale der Europa League – als erster norwegischer Verein überhaupt in einem europäischen Wettbewerb. Dort war zwar gegen Tottenham Endstation, aber es zeigte den Unterlegenen, dass der eingeschlagene Weg fruchtet.

Denn nach dem Abstieg aus der Eliteserie und dem Fast-Bankrott 2016 stellte FK Bodö Glimt sukzessive sein Konzept um. Junge Spieler aus der Region sollten die entsprechende lokale Verbundenheit mitbringen. Bis heute gilt das Konzept: Von 27 Spielern im Kader entstammen acht der eigenen Akademie, 14 weitere sind ebenso Norweger. Hinzu kommen vier Dänen und ein Russe.

Dieses Ensemble macht insbesondere im gerade einmal 8200 Zuschauer fassenden Stadion jedem Gegner das Leben schwer. Dort wird wegen der kalten Temperaturen auf Kunstrasen gespielt – ein Untergrund, der flüssiges Kombinationsspiel à la Barcelona möglich macht, aber für die meisten Gegner äußerst ungewohnt ist.

In der kleinen heimischen Arena legt der Verein auch meist den Grundstein für die Erfolge: 2020 gewann Bodö seine erste Meisterschaft in Norwegen überhaupt, es folgten drei weitere. Und nun das nächste kleine Wunder auf der großen europäischen Fußballbühne für den 1916 gegründeten Verein? Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht.

jb

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