CES 2026: Deutsche Präsenz und künstliche Intelligenz – Wirtschaft | ABC-Z

Von deutscher Präsenz war in diesem Jahr auf der weltweit wichtigsten Technikmesse, der CES in Las Vegas, wenig zu sehen: kaum Inszenierungen eigener Innovationen, wenig Keynote-Glanz. Der Auftritt von Siemens‑Chef Roland Busch wirkte eher wie ein Bekenntnis, dass deutsche Konzerne nun bereit seien für „Industrial AI“ – eines der großen Hypethemen der Messe, den Einsatz künstlicher Intelligenz auf Unternehmensebene.
Es gab Zeiten, in denen das anders war. 2015 etwa schickte Audi ein Pilotfahrzeug aus dem Silicon Valley nach Las Vegas. Vor wenigen Jahren inszenierte der damalige VW‑Chef Herbert Diess gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger ein Klima‑Keynote‑Spektakel, und im vergangenen Jahr nahm der damalige Digital‑ und Verkehrsminister Volker Wissing für Deutschland den CES‑Award als – kein Witz – „Innovation Champion“ entgegen. Für Fotos mit Trophäen reisen Politiker traditionell gern und bereitwillig um die Welt.
Und wenn es keinen Trophäen-Fototermin gibt? Wenn die allgemeine Prognose lautet, dass Deutschland bei künstlicher Intelligenz womöglich gar nicht mehr aufholen könne? Der ranghöchste deutsche Vertreter auf der Technikmesse war in diesem Jahr Jean Pierre Froehly, Leiter der Wirtschafts- und Finanzabteilung der deutschen Botschaft.
Die Bühne bespielen andere – und zwar die derzeit führenden KI-Nationen, so wie es einst während des Kalten Krieges bei Olympischen Spielen zu bestaunen war. Amerika ist Ausrichter, und in Vegas feiern sie Leute wie Lisa Su, Lip-Bu Tan und Jensen Huang, die Chefs der Chip-Hersteller AMD, Intel und Nvidia, wie Olympia-Favoriten. Ihre Auftritte werden auf riesigen Leinwänden angepriesen: Wie würde Huang angreifen, wie Intel mit dem KI-Chip „Panther Lake“ kontern, wie Su auf beides reagieren? Die Chip Wars werden vermarktet wie Boxkämpfe. Es ist ein Rhetorik-Duell mit Extrembegriffen: Su spricht von zehn Yottaflops als Maßeinheit für Rechenleistung – genügend, um Simulationen für ganze Planeten durchzuführen.
Einen weiteren starken Auftritt legt China hin. Aus dem Land sind knapp 1000 Firmen nach Las Vegas gekommen; das sind 22 Prozent der Aussteller. Es ist Klotzen, ein Vorführen dessen, was das Land als wichtigste Waffe im KI-Krieg sieht: Roboter. Viele werden zunächst nicht in Haushalten eingesetzt, sondern zur Produktion anderer Güter. Das Ziel: Die erfolgreichsten Haushaltsroboter wird der produzieren, der davor die dafür nötigen Produktionsroboter hergestellt hat. Und das wäre das deutsche Thema: industrielle KI. Es war eines der zentralen Versprechen von Kanzler Friedrich Merz vor der Wahl, in diesem Bereich ein Innovations-Champion sein zu wollen.
150 000 Menschen sind in diesem Jahr auf der CES; die meisten sind nicht dort, um etwas zu zeigen, sondern erstens: um sich selbst zu zeigen. Zu vermitteln, die Wichtigkeit der Weichenstellung jetzt verstanden zu haben und nun möglichst viel darüber lernen zu wollen. Und zweitens: sich etwas zeigen zu lassen. Ideen aufsaugen, auch wenn einem vieles davon erst einmal irrelevant erscheinen mag. Zusammenhänge erkennen, die richtigen Leute treffen und sich miteinander verknüpfen, vielleicht sogar einen Erleuchtungsmoment haben. Danach als bestenfalls vor Erkenntnissen tropfender Schwamm heimfahren und Maßnahmen anregen, einleiten, anordnen. Die Trophäe dafür gibt’s später.
Karsten Wildberger ist seit gut einem halben Jahr deutscher Digitalminister. Den ersten eigenen Finanzplan in der Geschichte seines Ministeriums (4,47 Milliarden Euro im Jahr 2026) wertete er im Juli als historischen Schritt und als Zeichen für die wachsende Bedeutung der Digitalisierung. Er war in Washington, als die US-Regierung ihren „AI Action Plan“ vorgestellt hat – inklusive 500-Milliarden-Investment in KI-Infrastruktur; im Dezember war er auf dem UN-Tech-Gipfel in New York. In Las Vegas ist er jedoch nicht – weder zum Ideensammeln noch zum Zusammenhänge‑Erkennen, Netzwerken oder zur möglichen KI‑Erleuchtung. Eine vertane Chance. Das Bild, das Deutschland auf der CES 2026 abgibt, ist das eines trockenen Schwamms.




















