Bürgermeisterwahl in Gammelsdorf: Die Enttäuschung sitzt tief – Freising | ABC-Z

Auch Tage nach der Stichwahl kann Raimunda Menzel ihre Enttäuschung am Telefon nicht verbergen. Die Gammelsdorfer Bürgermeisterin ist abgewählt worden, ihr fehlten am Ende fünf Stimmen. Herausforderer Bernhard Lochinger siegte denkbar knapp mit 50,3 Prozent. Ein Ausgang, mit dem auch er nicht gerechnet hatte.
Mit etwa 1600 Einwohnern ist Gammelsdorf die kleinste Gemeinde im Landkreis Freising. Schon wenige Stimmen können hier den Ausschlag geben. Dass es so eng werden würde, hatte nach dem ersten Urnengang jedoch niemand erwartet. Menzel (ÜWG) erhielt am 8. März 416 Stimmen oder 47,8 Prozent und verfehlte knapp die absolute Mehrheit. Lochinger (MfG) lag mit 35,7 Prozent (311 Stimmen) deutlich dahinter. Auf den Drittplatzierten Uwe Penner (BGG) entfielen 16,4 Prozent (143 Stimmen).
Bei der Stichwahl sank wie in vielen anderen Kommunen die Wahlbeteiligung. Am Ende votierten 396 Wähler für Menzel und 400 für Lochinger, vier Stimmen waren ungültig. Anfechten will Raimunda Menzel das Ergebnis nicht. „Ich habe es akzeptiert“, sagt sie. Eben weil es so knapp war, sei in den Wahllokalen zwei- oder sogar dreimal ausgezählt worden. „Das ist der Wählerwille, daran kann ich nichts ändern.“ Gern hätte sie allerdings angestoßene Projekte wie den Neubau der Grundschule als Bürgermeisterin weiterbegleitet, daraus macht sie keinen Hehl. Eine Erklärung für ihre Niederlage habe sie nicht gefunden. Sie habe viel angestoßen. „Was soll ich sagen?“, meint sie nur. Die Gammelsdorfer „wollten einen Wechsel“.
Überraschend war der Ausgang der Wahl auch für den künftigen Bürgermeister Bernhard Lochinger. Seine Gruppierung, „Miteinander für Gammelsdorf“ war erst im Herbst gegründet worden und ist künftig mit vier Sitzen zweitstärkste Fraktion im zwölfköpfigen Gemeinderat. Davor saß er für die Bürgernahe Gruppe Gammelsdorf (BGG) im Gremium. „Wir wollten aber mehr Mitsprache“, sagt er. Offenbar nahmen ihm die BGG-Wähler den Wechsel größtenteils nicht übel, da Lochinger in der Stichwahl wohl Stimmen abgriff, die im ersten Wahlgang an Uwe Penner gegangen waren. Stärkste Fraktion im Gemeinderat bleibt mit sechs Vertretern die Überparteiliche Wählergruppe, der Menzel angehört.
Projekte wie den Schulneubau wird ihr Nachfolger Bernhard Lochinger fortsetzen
Laufende Projekte wie den Bau der Grundschule wird nun Bernhard Lochinger weiterführen, ebenso die Suche nach Flächen für Gewerbetreibende. „Wir brauchen dringend ein Gewerbegebiet“, sagt er. Nachdem er sich in die Finanzen eingearbeitet hat, will er „schauen, was wir uns leisten können“. Für ein Schwimmbad werde es wohl nicht reichen, meint er schon jetzt. Im Baggerbetrieb der Familie will der 56-Jährige künftig kürzertreten, um beide Tätigkeiten „unter einen Hut zu bringen“.

Wie geht es für Raimunda Menzel weiter? Das Bürgermeisteramt in Gammelsdorf ist ehrenamtlich, ihre Tätigkeit in der Verwaltungsgemeinschaft Mauern ließ Menzel in den vergangenen sechs Jahren ruhen. Dorthin zurückkehren wird sie nicht. Sie möchte ihren Sitz im Gemeinderat wahrnehmen und könne deshalb nicht in der VG arbeiten, erklärt die 60-Jährige. Sie werde sich einen anderen Job suchen. Im neuen Gemeindeblatt verabschiedet sie sich mit einem kurzen Vorwort. „Ich war gern eure Bürgermeisterin und habe das Amt mit Leidenschaft und Herzblut ausgeübt“, schreibt sie. Ihrem Nachfolger wünscht sie alles Gute und schließt mit den Worten: „Pfiat Eich, machts es guad.“





















