Kultur

Bungalow als Architektur-Ikone | FAZ | ABC-Z

Als ein Kommilitone an der Berliner Hochschule für bildende Künste Hans Flaskamp in den Sechzigerjahren ins Vertrauen nimmt und ihm sagt, er habe einen Bauhaus-Hocker geklaut, erwidert der junge Architekturstudent: „Du spinnst, es gibt doch keinen Bauhaus-Hocker.“ Der andere öffnet behände seine Aktentasche und zeigt Flaskamp drei lose Stuhlbeine und eine Holzscheibe mit Loch in der Mitte.

Der sogenannte Ringsitzhocker, dessen Beine sich so unkompliziert abschrauben lassen, dass man ihn einfach aus der Uni transportieren kann, ist heute Teil der Sammlung des Museum of Modern Art. Entworfen haben ihn nicht etwa Walter Gropius oder Marcel Breuer. Er stammt von einem ihrer Nachfolger: Eduard Ludwig, der heute fast nur noch Architekturhistorikern ein Begriff ist. Auch Hans Flaskamp, der das Architekturstudium abbrach und viele Jahre als Werbefotograf arbeitete, beschäftigte sich nach der Begebenheit mit dem Hocker zunächst nicht weiter mit Ludwig oder dessen Werk. Bis er um die Jahrtausendwende in einen Bungalow im Berliner Hansaviertel zieht. Er ist das letzte Wohnhaus Eduard Ludwigs.

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