Bundesweiter Streik: Darum haben Apotheken in Germering und Freising am Montag geschlossen – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

„Apotheken gibt’s nicht zum Nulltarif!“, „Volle Leistung braucht fairen Ausgleich“ und „Sparpolitik gefährdet Ihre Gesundheit“ steht auf den Plakaten, die am Montag im Eingangsbereich der Apotheke am Bahnhof in Germering hängen. Die ist wegen Streiks geschlossen. Einige Passantinnen und Passanten bleiben interessiert stehen, lesen die Plakate, machen auf dem Absatz wieder kehrt. Medikamente können sie an diesem Tag keine kaufen. Auch nicht in einer der anderen Apotheken, der im Germedicum, um die Ecke.
„Wir im Zentrum von Germering haben uns entschlossen, alle an einem Strang zu ziehen, sodass das auch bei der Bevölkerung ankommt“, sagt Claudia Echinger, Inhaberin der Apotheke am Bahnhof, über den Protesttag. Zu dem bundesweiten Streik hatte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) aufgerufen. Im Münchner Umland blieben viele Apotheken am Montag geschlossen, die Betreiber wollen damit für eine bessere Honorierung protestieren. In München, Berlin, Hannover und Düsseldorf waren zudem Kundgebungen angekündigt.
„Viele Apotheken stehen unter wirtschaftlichem Druck. Die Kosten sind explodiert, die Honorierung aber stagniert seit 13 Jahren“, sagt Echinger. Seit 2013 hätten circa zwanzig Prozent der Apotheken schließen müssen, viele arbeiteten permanent am Limit. „Dabei erleben wir jeden Tag, dass wir eine sehr wichtige Anlaufstelle für ältere und kranke Menschen sind. Wir beraten und helfen oft weit über unser Aufgabengebiet hinaus“, sagt Echinger. „Das alles geht nur in räumlicher Nähe und persönlicher Ansprache von Mensch zu Mensch.“ Auch wenn die Zeiten herausfordernd geworden seien, arbeite ihr Team permanent voller Überzeugung und Herzblut.
Derzeit bekommen Apotheken für jede verkaufte Packung verschreibungspflichtiger Medikamente ein sogenanntes Fixum, ein Honorar in Höhe von 8,35 Euro. Seit 2013 wurde der Betrag nicht erhöht. Die Betriebskosten für Apothekeninhaberinnen und -inhaber sind nach Angaben der Abda jedoch um 65 Prozent – unter anderem für Mieten, Strom und Personal – gestiegen, viele Apotheken mussten daher schließen. Entsprechend länger werden für die Kunden die Wege zur nächsten Apotheke. Besonders für ältere und kranke Menschen kann das zur Herausforderung werden. Eine Studie der Universität Gießen hat ergeben, dass es in 6419 Gemeinden überhaupt keine Apotheke mehr gibt.
Die Erhöhung des Packungsfixums steht im Koalitionsvertrag
Ihren Umsatz erzielen Apotheken laut Abda im Schnitt zu mehr als 80 Prozent mit der Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente. Neben dem Fixum erhielten sie dafür pauschal drei Prozent auf den Einkaufspreis. Im Koalitionsvertrag, den die Regierungsparteien CDU, CSU und SPD im Mai 2025 unterzeichnet haben, heißt es: „Wir erhöhen das Apothekenpackungsfixum einmalig auf 9,50 Euro.“ In ländlichen Regionen könne dieses in Abhängigkeit vom Versorgungsgrad auf bis zu elf Euro ansteigen. Die Abda fordert nun die konsequente Umsetzung des Koalitionsvertrags – mit dem Streiktag und zudem mit einer Petition. Das Fixum soll demnach erhöht und jedes Jahr angepasst werden. Auch in der Apotheke von Echinger liegt die Petition zum Unterzeichnen aus. „Der Zuspruch unserer Kunden war überwältigend“, sagt sie.
Auch Ingrid Kaiser, Inhaberin der Engel-Apotheke in Freising, hat sich dazu entschieden, ihre Apotheke am Montag nicht zu öffnen. „Es geht darum, dass wir mehr Geld brauchen“, sagt sie. Werde das Fixum nicht auf 9,50 Euro erhöht, gehe das Apothekensterben weiter. „Wir streiken also auch, um die Menschen weiter versorgen zu können“, sagt Kaiser. Auch sie verweist darauf, dass die Beratung einen großen Teil der Arbeit ausmache. Vermeintlich zeitsparende Neuerungen wie etwa die Einführung des E-Rezepts bedeuteten „ganz viel Arbeit“ und „geduldigstes Erklären“.
„Die Politiker wissen, dass wir wichtig sind“, sagt Kaiser. Sie seien die letzte Kontrollinstanz, bevor Medikamente an Kundinnen und Kundinnen herausgegeben werden. Gute Beratung entlaste außerdem das Gesundheitssystem, weil sie Klinikaufenthalte verhindern könne. Eine Apotheke zu betreiben, bedeutet für Kaiser vor allem sehr viel Arbeit. Sie habe während der Corona-Pandemie einmal drei Tage freigehabt, erzählt sie. Eine Woche Urlaub am Stück habe sie das letzte Mal vor 20 Jahren gehabt. Ihren Beruf würde sie trotzdem immer wieder wählen – „weil ich meine Kunden liebe.“
Nachts, an Sonn- und Feiertagen oder am Streiktag haben Notdienstapotheken geöffnet. Welche das jeweils sind, ist online unter aponet.de/notdienstsuche zu finden. Am Telefon ist die Auskunft über Notdienstapotheken aus dem Festnetz unter 0800/00 22833 oder mobil unter 22833 erreichbar.





















