Bundesligavorschau: Schlotterbeck-Mission 2 gestartet | DIE ZEIT | ABC-Z

Wer spielt wann gegen wen?
Welches Spiel dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?
Stuttgart gegen Dortmund, der Dritte gegen den Zweiten. Der VfB hat in diesem Jahr erst ein Bundesligaspiel verloren, die schweren Gegner kommen allerdings erst noch, im April neben den Bayern eben der BVB. Der hat die Champions-League-Quali ziemlich sicher, das große Thema in Dortmund ist Nico Schlotterbeck. Bei der Nationalmannschaft hat der Innenverteidiger gezeigt, wie gut er Tore vorbereiten kann – für den Gegner. Schlotterbeck verteidigt zwar oft spektakulär, ist und bleibt aber ein Luftikus. Der Hype um ihn steigt dennoch in Sphären, die die Nasa selbst mit Artemis 3 nicht erreichen wird. Verlängert er seinen bis 2027 laufenden Vertrag in Dortmund oder wechselt er zu einem größeren Klub, gar zu den Bayern? Vor einigen Tagen berichtete Sky, die Vertragsverlängerung stehe kurz bevor. Das dementierte Schlotterbeck nach dem Länderspiel gegen Ghana. Er habe lange mit Sebastian Kehl verhandelt. “Ich hätte wahrscheinlich in den nächsten Wochen eine Entscheidung getroffen. Jetzt hat sich die Situation schon ein bisschen verändert, da muss ich einfach schauen”, sagte er. Sehr unwahrscheinlich, dass Schlotterbeck seinen Verbleib in Dortmund von Kehl abhängig gemacht hat. Eher sieht er wohl eine Chance, noch ein bisschen mehr rauszuholen.
Welches Spiel können Sie mit gutem Gewissen verpassen?
Bremen gegen Leipzig. Die Bremer müssen aufpassen, dass es ihnen in der Bundesliga nicht bald geht wie dem armen gestrandeten Buckelwal in der Ostsee, für den Experten keine Überlebenschance mehr sehen. Zwar gewann Werder drei der letzten vier Spiele, aber auch der Wal schwamm mehrfach zurück ins Meer. Und für Werder, das nur vier Punkte vor dem Relegationsplatz liegt, kommen noch viele schwere Spiele gegen Mannschaften mit Champions-League-Ambitionen. Den Anfang macht Leipzig. Helfen würde ein Stürmer, doch da muss Werder mehrere Ausfälle verkraften. Und Victor Boniface trainiert zwar nach einer Knie-OP wieder, kam aus seiner Reha aber in einem Fitnesszustand wie Kreisligakicker aus Malle. Sein Stürmer schleppe das eine oder andere Kilo zu viel rum, sagte Werders Trainer Daniel Thioune. “Das weiß er selber, das wissen wir alle. Wir sind nicht blind. Er ist nicht blind.” Dass ein fitter Boniface helfen könnte, wissen wir auch alle. Zunächst aber wird es Werder höchstwahrscheinlich wieder mit Abwehrfußball versuchen, wie zuletzt gegen Wolfsburg. Vielleicht haben Sie mehr davon, wenn Sie zur Ostsee fahren und vom Wal Abschied nehmen.
Wer steht im Blickpunkt?
Deniz Undav, der Messias des deutschen Fußballs. Fußballdeutschland fühlt sich kurz vor Ostern vom Bundestrainer verraten. Julian Nagelsmann ließ den aktuell besten deutschen Torjäger zwar nicht von der Tempelwache verhaften, setzte ihn aber in drei von vier Halbzeiten auf die Bank. Nachdem er bei seinem Heimspiel in Stuttgart gegen Ghana den 2:1-Siegtreffer erzielt hatte, wünschte Undav einen Stammplatz (“bin nicht für die Bank gemacht”). Was Nagelsmann gar nicht passte. “Ich fand seine Leistung bis zum Tor nicht gut, er hat, glaube ich, einmal den Ball berührt”, sagte er nach dem Spiel. Seitdem hat er eine Riesendiskussion an der Backe. Was hat der Bundestrainer gegen Deutschlands neuen Liebling, fragen sich viele.
Nagelsmann sollte sich vielleicht mal überlegen, ob man als Bundestrainer wirklich jede Wahrheit laut aussprechen muss. Erst vor wenigen Wochen hatte er Kicker-Noten für die Hälfte seiner Mannschaft verteilt. Vielleicht sind diese öffentlichen Bewertungen nicht klug, auch wenn er sicher in vielem recht hat, auch in Sachen Undav. Der spielte abgesehen von seinem Tor ja wirklich ziemlich schlecht. Seltsamerweise ging das mal wieder unter in der Debatte. Undav trifft viel in der Bundesliga, das tun allerdings einige. Zweifel sind angebracht, ob Undav, der in seinem Leben bisher ein Champions-League-Tor geschossen hat, auch gegen Topgegner bei der WM treffen kann. Wenn man sieht, wie in Deutschland Fußballdiskussionen aus dem Ruder laufen, wundern einen die gesellschaftspolitischen Debatten nicht. Für die Fakten interessiert sich mal wieder fast keiner.





















