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Bundesligarückschau: Kehrwoche statt Kehrtwende | DIE ZEIT | ABC-Z

Wer hat wie gespielt?

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Stuttgart gegen Wolfsburg. Einerseits, weil der VfB so locker und lässig aufspielte, dass man sich für wenigstens eine Halbzeit fast in Brasilien wähnte. Andererseits, weil der VfL vielleicht nicht mehr so viele Spiele in der ersten Liga vor sich hat. Mit 4:0 fegten die Schwaben die Wölfe vom Platz. Was heißt Kehrwoche auf Portugiesisch?

Und die Wolfsburger wirkten die meiste Zeit wie bessere Statisten: Liefen viel, machten wenig, trafen nichts. Es war das siebte Spiel in Folge ohne Sieg, bedeutet: Tabellenplatz 17 und den Anfang des Abstiegs. So schlecht stand der VfL nach 24 Spieltagen noch nie da. Keine guten Argumente für Wolfsburgs Trainer Daniel Bauer, zumal er selbst zugab, dass “Atmosphäre und Kultur innerhalb des Klubs aktuell” nicht bundesligatauglich seien. Es könnte zum zweiten Wechsel in der Saison kommen. Aber neue Besen kehren auch nicht immer gut. 

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Borussia Mönchengladbach gegen Union Berlin, jedenfalls die ersten 90 Minuten. Unter den recht tor- und ereignisarmen Spielen der Samstagskonferenz war es das tor- und ereignisloseste. Union verteidigte konzentriert, Gladbach gab das Angreifen bald auf. Man einigte sich auf lasche Flanken und ruppige Zweikämpfe. Gab es doch mal eine Torchance, vergab Gladbach sie konsequent.

Eine der aufregendsten Szenen des Spiels: Die Verkabelung von Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck funktionierte zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht und musste ausgetauscht werden. Ohne hätte er die Partie aber auch kaum managen können. Neun Gelbe Karten gab es zu verteilen – und am Ende machte Jöllenbeck auch noch die alles entscheidende Durchsage in der Nachspielzeit.

Nach einem Foul von Unions Stanley N’Soki an der Strafraumgrenze hatte Jöllenbeck zunächst auf Freistoß entschieden, aber – bundesligaerfahrene Leser ahnen es schon – der VAR griff ein. Die Beine hatten sich doch im Strafraum verhakt, es gab Elfmeter für Gladbach. Den verwandelte der bis dahin glücklose Kevin Diks. Oder wie Gladbachs Trainer Eugen Polanski sagte: “Wir mussten heute sehr lange ein hartes Brett bohren, und das hieß Union Berlin. Am Ende haben wir es zum Glück durchgebohrt bekommen.” Genau. Und wo gehobelt wird, Sie wissen ja … 

Wer stand im Blickpunkt?

Der BVB und die Frage, die schon vor dem Wochenende nur ausgemachte Optimisten mit Ja beantwortet hätten: Geht da noch was im Meisterschaftskampf? Das Spiel war packend, die Stimmung top, und doch steht am Ende ein klares Nein. Die Bayern gewannen 3:2. Mein Kollege Oliver Fritsch, der im Stadion war, schreibt (ganz Realist): “Man könnte mit der Saison jetzt eigentlich Schluss machen und sich den Rest schenken. Diese Partie wäre ein brauchbares, weil spektakuläres Finale gewesen.”

Gespielt wurde leidenschaftlich, fast chaotisch, mit vielen Fehlpässen auf Dortmunder Seite und wenig zielführenden Dribblings bei den Bayern. Einen interessanten Arbeitstag hatte insbesondere Dortmunds Nico Schlotterbeck. Erst stieg er so hart gegen Bayerns Josip Stanišić ein, dass über einen Platzverweis diskutiert wurde. Dann köpfte er den BVB in Führung, um später einen ebenfalls diskutablen Elfmeter zu verursachen.

Für Dortmund besonders tragisch: Emre Can riss sich im Spiel das Kreuzband, fällt monatelang aus. Schon im vergangenen Jahr war er fast sechs Monate mit Adduktorenproblemen ausgefallen, zuletzt hatte er eine Leistenverletzung. Uff. 

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