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Bundesligarückschau: Fußball als Liveübertragung aus dem Amtsgericht | ABC-Z

Wer spielte wie gegen wen?

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Stuttgart gegen Leipzig. Wenn schon keine Spannung an der Tabellenspitze, dann wenigstens um Platz vier, die Schwelle zur Champions League. Das Duell dieser beiden Aspiranten spitzte sich nach 50 Minuten zu. Zuerst verhinderte Alexander Nübel mit einer starken Parade die Führung der Gäste, kurz darauf tat es ihm sein Gegenüber Maarten Vandevoordt nach. Doch ist der Leipziger Torhüter der Mode aufgesessen, den Spielaufbau selbst in die Hand beziehungsweise den Fuß zu nehmen. Der Pass des Hobbyregisseurs landete beim Gegner, dann bei Deniz Undav. Der ließ sich die Gelegenheit zum Siegtor nicht entgehen, auch weil Vandevoordt in diesem Moment vom Bahnschrankensyndrom heimgesucht wurde. Was Undav wiederum in sein Bewerbungsschreiben an Julian Nagelsmann beifügen wird. Weil Willi Orbán in der 92. Minute den Ball an den Pfosten köpfte, liegt der VfB nun drei Punkte vor den Leipzigern. Im Rennen darum, wer nächstes Jahr in der Champions League in der Vorrunde ausscheid … äh, viele Millionen verdienen darf.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Dortmund gegen Augsburg. Gute Leistung der Borussia, ungefährdeter Sieg. Das Spiel war aber auch ein Indiz dafür, dass die Bundesliga ein Kastensystem ist. Seit dem Aus im Titelrennen durch die standesgemäße Niederlage gegen Bayern vor zwei Wochen macht der BVB einfach weiter mit Gewinnen. Wie die Bayern seit vielen Jahren aufgrund ihres wirtschaftlichen Vorsprungs die Konkurrenz auf Distanz halten, ohne immer sonderlich kreativ und innovativ zu sein, verwaltet der BVB ihre eine Stufe tiefer. Er ist Best of the Rest. Die Dortmunder sind die Minibayern. Ihr Rückstand auf die Maxibayern beträgt in der Tabelle neun Punkte. Wie groß er auf dem Platz ist, bekamen die Dortmunder unter der Woche vor Augen geführt. Wo sie kürzlich 1:4 verloren hatten, in Bergamo, siegte der FC Bayern 6:1.

Wer stand im Blickpunkt?

Dieter Hecking. Unter den Fußballtrainern ist er der Golf IV mit 300.000 Kilometern auf dem Tacho. Bei mehr als 400 Bundesligaspielen saß er auf der Bank. Für den grünen Boliden VfL Wolfsburg, mit dem er einst den DFB-Pokal gewann, wo er aber auch im Oktober 2016 entlassen wurde, besaß er noch einen Ersatzschlüssel. Er soll den VfL vor dem ersten Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte bewahren. Mit Bochum war ihm das in der Vorsaison nicht geglückt. Der Verein hielt trotzdem an ihm fest, anschließend ging die Tendenz sogar Richtung Dritte Liga. Erst der Nachfolger Uwe Rösler zog Heckings rostige Laube aus dem Dreck. Zu Beginn seiner Zeit in Bochum, ab dem Herbst 2024, hatte Hecking aber ein paar Erfolge. In den ersten neun Spielen gelangen ihm mit dem Tabellenletzten drei Siege (darunter den am grünen Tisch gegen Union Berlin, den ein Paragrafenreiter beim DFB ermöglichte). Wolfsburg war so schlau, ihn im Frühjahr zu holen, denn genau neun Spiele bleiben Hecking, und ein solches Strohfeuer könnte diesmal genügen. Mit dem überraschenden 1:1 beim Tabellendritten Hoffenheim holte Hecking gleich seinen ersten Punkt, und Platz 16 ist fast schon in Sichtweite. Sichert er den Klassenerhalt, hat er alles richtig gemacht. Wenn nicht, sehen wir ihn vielleicht bald wieder in Bochum. Der Mann bekommt immer wieder eine neue Plakette.

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