Brigitte Bardot ist tot | FAZ | ABC-Z

Auch wenn es schwerfallen mag – vergessen wir für die Dauer dieses Nachrufs die politische Brigitte Bardot ihrer späten Jahre. Vergessen wir also die Radikalität, mit der sie sich zunächst dem Tierschutz verschrieben hatte und dann der Anti-Migrationshetze des Front National (wobei ihr der Tierschutz immer viel wichtiger blieb, zuletzt hatte sie mit dem Front National wegen dessen Parteinahme für Jäger wieder gebrochen). Gedenken wir der Frau, die wie keine andere für das französische Kino steht. Gedenken wir „der Bardot“. Sie ist heute in Toulon gestorben.
Der vielgerühmte Schmollmund, die großen Augen, die blonde (gefärbte) Mähne: Kein anderes Gesicht hatte eine solch explosive Wirkung auf der Leinwand. Und keines eine solche Vorbildwirkung für einen bestimmten Frauentyp, noch bis hin zu Claudia Schiffer. Dabei hatte die Bardot, nachdem sie als Siebzehnjährige 1952 debütierte, in Jean Boyers Spielfilm „Le trou normand“, noch vier Jahre auf den Durchbruch warten müssen. Den verschaffte ihr dann ihr damaliger Ehemann, der Drehbuchautor Roger Vadim mit seiner ersten Arbeit als Regisseur. Der Titel, den er seiner Frau auf den Leib geschrieben hatte, lautete „Et Dieu créa la femme“ (Und Gott schuf die Frau), auf Deutsch machte man daraus noch etwas anzüglicher „Und ewig lockt das Weib“.
Curd Jürgens war darin ihr Filmpartner, und der damalige deutsche Weltstar verfiel in seiner Rolle als reicher Casinobauherr ebenso zuverlässig der schönen Bardot wie das Kinopublikum weltweit. Danach rissen sich die französischen Regisseure um den neuen Superstar; die Bardot drehte unter anderem mit Henri-Georges Clouzot, Louis Malle oder Jean-Luc Godard. Letzterer setzte sie 1963 mit der Romanverfilmung „Die Verachtung“ im Zusammenspiel mit Michel Piccoli und Fritz Lang derart grandios in Szene, dass fortan neben ihrer Schönheit auch die Schauspielkunst der Bardot außer Frage stand. Die in Mittelamerika angesiedelte Abenteuerkomödie „Viva Maria!“ von Louis Malle brachte sie dann auf den Höhepunkt ihrer Popularität – diesmal im Zusammenspiel mit Jeanne Moreau. Damit war sie auch in der Öffentlichkeit als die feministische Heldin etabliert, die Simone de Beauvoir schon 1959 in ihr gesehen hatte.
Nach 21 Jahren beendete sie ihre Filmkarriere
1973, noch keine vierzig Jahre alt und nach rund vierzig Filmen in 21 Jahren, beendete sie ihre Filmkarriere. Und im Gegensatz zu vielen anderen, die der Leinwand entsagen wollten, blieb sie diesem Entschluss auch treu – und damit legendär. Auch ihres Privatlebens wegen: Das Scheitern der Ehe mit Vadim unmittelbar nach dem Welterfolg von „Und immer lockt das Weib“ hatte sie zum Liebling der Klatschpostillen gemacht; sie drehte aber munter mit Vadim weiter bis zum Karriereende, noch ihr vorletzter Film, „Don Juan 1973“ (hier im Original weitaus verlockender: „Si Don Juan était une femme“), hatte Vadim als Regisseur. Damals war ihr Bild in allen französischen Rathäusern und auf Briefmarken präsent, denn 1968 stand sie Modell für das in regelmäßigen Abständen dem Zeitgeschmack angepasste Bild des französischen Nationalsymbols, der Marianne.
Aber den wahren gesellschaftlichen Gesprächsstoff in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre gab ihre dreijährige Ehe mit dem deutsche Millionenerben Gunter Sachs ab. Gemeinsam machte das Paar den südfranzösischen Badeort Saint-Tropez zum Mittelpunkt des internationalen Jet-Sets. Dort blieb die Bardot auch nach der Trennung von Sachs 1969 ansässig – fortan unleidlich gegenüber den Bemühungen der Presse, ihr Leben weiterhin auszuschlachten.
Ihr Geld steckte die Schauspielerin in eine Tierschutzstiftung, die sie 1986 ins Leben rief. Und mit etwas andrem als ihrem Engagement in dieser Frage wollte sie auch nicht mehr wahrgenommen werden. Aber das war undenkbar, solange ihre Filme immer wieder liefen und man dieses Genie der Schauspielkunst bestaunen konnte. Einundneunzig Jahre wurde Brigitte Bardot alt, sie gehört zu den unvergesslichen Größen des Kinos.





















