Brand in Crans-Montana: 50 Schwerverletzte sollen ins Ausland verlegt werden | ABC-Z

Gegen die Betreiber der ausgebrannten Bar in Crans-Montana in der Schweiz ist eine Strafuntersuchung eröffnet worden. „Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen“, teilte die Polizei mit.
Das französische Ehepaar wurde nicht festgenommen und unterliegt auch keinen Reisebeschränkungen, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage präzisierte. Es handele sich zunächst um eine Strafuntersuchung. Ob Anklage erhoben werde, entscheide die Staatsanwaltschaft zu einem späteren Zeitpunkt. „Es wird daran erinnert, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt“, teilte die Polizei mit.
Die beiden Betreiber waren zuvor als Zeugen vernommen worden. „Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht“, sagte der Wirt nach einem Bericht des Nachrichtenportals „20 Minuten“ in einem Gespräch. Sie kooperierten mit den Behörden. „Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären“, zitierte das Nachrichtenportal den Wirt. „Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert.“ Seine Frau war laut Medienberichten in der Nacht in der Bar und wurde leicht verletzt.
Während einer Silvesterparty war in der Nacht zum Donnerstag in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana ein Feuer ausgebrochen, als dort zahlreiche junge Menschen ausgelassen feierten. 40 Menschen kamen ums Leben, 119 weitere wurden verletzt, viele von ihnen erlitten schwerste Verbrennungen.
Die Staatsanwaltschaft prüft nun unter anderem Umbauarbeiten, verwendete Materialien, Betriebsgenehmigungen, Sicherheitsmaßnahmen, Brandschutznormen und Flucht- und Evakuierungswege, wie Oberstaatsanwältin Beatrice Pilloud sagte. Auf Fotos und Videos waren feiernde Menschen mit Feuerwerk an Champagnerflaschen zu sehen, das nach ersten Ermittlungen Schaumstoff an der Decke in Brand gesteckt haben dürfte.
Vier Schweizer identifiziert
Derweil hat die Polizei die ersten der 40 Todesopfer identifiziert. Es handelt sich demnach um zwei Schweizerinnen im Alter von 21 und 16 Jahren sowie zwei Schweizer im Alter von 18 und 16 Jahren. Die Leichname seien den Familien übergeben worden.
Die Identifizierung laufe auf Hochtouren, versicherten die Behörden. Im Einsatz ist dabei eine 30-köpfige Spezialeinheit zur Identifizierung von Katastrophenopfern. Sie war nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Südostasien aufgebaut worden. Unter den Toten dürften auch Ausländer sein.
Von den 119 Verletzten waren bis Freitag 113 identifiziert worden. Darunter waren 71 Schweizer sowie 14 Franzosen, elf Italiener, vier Serben sowie einzelne Personen aus anderen Ländern. Deutsche Opfer wurden bislang nicht gemeldet.
Bislang neun Schwerverletzte in Deutschland
Mehr als die Hälfte der 119 Verletzten müssen mangels Kapazität in der Schweiz ins Ausland verlegt werden. Bis Sonntag sollen 50 Menschen verlegt werden, teilte das schweizerische Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit. Angeflogen werden unter anderem auch Kliniken in Frankreich, Italien und Belgien.

Deutschland hat bislang neun Schwerverletzte aufgenommen und weitere Kapazitäten angeboten. Vier der Patientinnen und Patienten seien „auf bilateraler Grundlage“ mit der Schweiz übernommen worden, weitere fünf seien im Rahmen des Katastrophenschutzmechanismus der EU nach Deutschland verlegt worden, erklärte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) am Samstag. „Darüber hinaus laufen aktuell Planungen für die mögliche Verlegung weiterer Patientinnen und Patienten nach Deutschland; für einen Transport besteht bereits eine konkrete Planung“, hieß es weiter.
Zweistellige Zahl von Eingriffen nötig
Im Kinderspital Zürich werden fünf minderjährige Brandopfer behandelt, wie Kathrin Neuhaus, Chefärztin des dortigen Brandverletzungszentrums, dem Sender SRF sagte. Teilweise sei mehr als 70 Prozent der Körperoberfläche verbrannt.
„Das heißt, sie sind Infektionen ausgesetzt, sie verlieren Wärme und es kommt durch die schwere Brandverletzung zu einer Verbrennungskrankheit, die den ganzen Körper systematisch betrifft, also auch das Herz-Kreislauf-System“, sagte sie. Zudem hätten viele durch das Einatmen von Rauch schwere Schäden an der Lunge erlitten.
Vielen der jungen Patienten stehe eine zweistellige Zahl von Eingriffen bevor. Sie müssen dann mehrmals die Woche in den Operationssaal (OP). „Im Moment planen wir, mit jedem Patienten jeden zweiten Tag in den OP zu gehen“, sagte sie.
Nur ein Notausgang?
In der Bar ereigneten sich in der Silvesternacht schreckliche Szenen. Passanten hatten berichtet, die Besucher hätten alle versucht, über eine einzige enge Treppe aus dem Untergeschoss zu fliehen. Dabei sei es zu Gedränge gekommen, einige hätten nur noch an den hochgereckten Armen herausgezogen werden können. Andere sagten, hinter einer verschlossenen Tür seien durch eine Glasscheibe verzweifelte Menschen zu sehen gewesen, die nicht hinauskamen.

„Die Fluchtwegsituation vom Gebäude war sicher nicht ideal, weil Leute von Untergeschoss – glaube ich – nur eine Ausgangsmöglichkeit hatten“, sagte Dumeng Wehrli, Präsident der Interessengemeinschaft der Brandschutzingenieure Schweiz, dem Sender SRF. Allein anhand der Zahl der Opfer ist davon auszugehen, dass sich in den beiden Räumen der Bar mehr als 150 Menschen aufgehalten haben.
Ein einziger Notausgang reiche nach den Vorschriften nur in einem Raum mit bis zu 50 Personen, sagte Wehrli. Bei mehr als 50 seien zwei Notausgänge vorgeschrieben. Ab 200 Personen müsse es mehrere und breitere Fluchtwege und Ausgänge geben.





















