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Borussia Dortmund gegen Bayern München: Alles, was das deutsche Fußballherz begehrt | ABC-Z

Das Spiel begann schwierig für Nico Schlotterbeck. Es war noch keine fünf Minuten angepfiffen, die Leute hatten ihre Stadionwurst noch nicht zu Ende gekaut, da stand sein Fehlpassometer bei drei. Die Dinge entwickelten sich kompliziert für Nico Schlotterbeck, als er in einer eher harmlosen Situation Josip Stanisić von den Beinen holte und dabei am Rande einer Roten Karte spazieren ging.

Dabei war Schlotterbeck zwischendurch der Held. Vor der Kurve ließ er sich für sein Kopfballtor feiern, das die 1:0-Halbzeitführung bedeutete und das Dortmunder Publikum glauben ließ, dass tatsächlich noch was gehen könnte im Meisterkampf.

Doch das Spiel nahm für ihn ein unangenehmes Ende. Von ebenjenem Stanisić ließ Schlotterbeck sich in der zweiten Halbzeit übertölpeln, er hob das Bein und verursachte dabei einen Elfmeter, der die Dortmunder Niederlage mitbegründete.

Das Bundesliga-Topspiel zwischen dem BVB und den Bayern bot höchste Spannung, maximale Intensität, viel Schweiß und Blut, einen Haufen Tore, es war immer was los. Es war dieser unterhaltsame Schlagabtausch, den man seit Jahren aus vielen Spielen aus dieser Liga kennt – und der über einige Schwächen hinwegsehen lässt. Auch das Ende kannten alle, der FC Bayern gewann mit 3:2 und sicherte sich damit, praktisch, den Meistertitel. Das Spiel steht damit für den aktuellen deutschen Fußball.

Meisterhafte Stimmung

Wie könnte es anders sein, wenigstens die Stimmung in Dortmund war meisterhaft. Das Champions-League-Aus in Bergamo war zumindest für diese zwei Stunden vergessen. Die Südtribüne schmetterte 100.000 Freunde, ein Verein. Das Auf und Ab tat ein Übriges, um das Stadion zum Kochen zu bringen. Erst Führung für den BVB, die sich in einen Rückstand umkehrte, dann Ausgleich, am Ende wieder Rückstand.

Es gibt Spiele, über die sagt man, sie seien von der Taktik geprägt. Heißt: passiert nichts, stinklangweilig. Das konnte man dieser Partie weiß Gott nicht nachsagen. Ständig war Aufregung, lag jemand am Boden, weil zwei Menschen ineinandergerast oder zwei Knochen zusammengeprallt waren. Man musste auf alles gefasst sein. Nach Toren entstand sofort wieder Gefahr, weil keine der Abwehrreihen ihren Laden stabil hielt. Kurioserweise kassierten die Dortmunder in ihrer stärksten Phase, nach der Halbzeit, zwei Gegentore. Es war einfach schwer berechenbar, was als Nächstes passieren würde.

Ein bisschen Taktik hätte dem Spiel gutgetan

Andererseits wäre es vielleicht nicht schlecht gewesen, wenn wenigstens ein bisschen Taktik, ein bisschen Ordnung geherrscht hätte. Doch Marcel Sabitzer streute Ballverluste ein, Felix Nmecha wagte irre Dribblings tief in der eigenen Hälfte, Maximilian Beier unterliefen Fehlpässe. Die Dortmunder legten einen Spielaufbau an den Tag, als hätten sie nicht geübt.

Der Ball zirkulierte nicht, er eierte durch die Reihen. Als die Stadionregie Mitte der ersten Halbzeit ein paar Daten einblendete, lag die Passquote des BVB bei unter 70 Prozent. Ein Wert südlich von Heidenheim. Und da müssen schon die bedeutungslosen Querpässe unter den Verteidigern eingerechnet gewesen sein.

Dass die schwarz-gelbe Abwehr doch nicht so resilient ist, wie die Tabelle es nahelegt, sah man in der zweiten Halbzeit. In der traf Bayern dreimal. Vor dem ersten klärte die Abwehr nicht gut. Joshua Kimmich chippte auf Serge Gnabry, der Harry Kane bediente. Der obligatorische Bayern-Elfmeter durfte auch nicht fehlen. Nachdem Stanišić nach einer Berührung hinfiel, entschied Sven Jablonski auf Strafstoß. Hätte er sich sparen können, vermutlich hatte Deutschlands größte Hoffnung an der Pfeife aber noch seine Gnade gegenüber Schlotterbeck aus der ersten Halbzeit im Kopf. Kane traf wie üblich.

Dortmund glich noch durch den schwedischen Außenverteidiger Daniel Svensson aus, da stieg der Puls auf der Südtribüne. Doch wieder konnte die BVB-Defensive den Ball nicht weit genug raushauen, da nahm Kimmich den Rebound soft und clean mit links. Ein lässiger Abschluss zum Siegtor.

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