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Børge Brende tritt als Chef des Weltwirtschaftsforums zurück – Wirtschaft | ABC-Z

Børge Brende, der CEO des Weltwirtschaftsforums, hat am Donnerstag seinen Rücktritt bekannt gegeben. In einer Pressemitteilung des Weltwirtschaftsforums (WEF) schrieb er, er habe „nach reiflicher Überlegung beschlossen“, sein Amt niederzulegen.

Ende Januar war durch die Veröffentlichung der Epstein Files herausgekommen, dass Brende und der verurteilte Sexualstraftäter seit 2018 in Kontakt gestanden hatten. Das WEF hatte daraufhin eine unabhängige Untersuchung in die Wege geleitet, um „die jüngsten Enthüllungen um (…) Børge Brende und dessen Teilnahme an drei Geschäftsessen mit Jeffrey Epstein sowie die darauffolgende E-Mail- und SMS-Kommunikation aufzuklären“, wie das WEF selbst schrieb. Jetzt betont das WEF in einer eigenen Pressemitteilung, die Überprüfung ergebe, „dass es keine weiteren Sachverhalte gibt, die über die bereits offengelegten hinausgehen“. Brende, der zuvor vier Jahre lang das Amt des norwegischen Außenministers bekleidet hatte, war im September 2017 zum Präsidenten des WEF ernannt worden.

Als im November vergangenen Jahres die ersten Epstein-Dokumente veröffentlicht wurden, tauchte an einer Stelle der Vorname „Børge“ auf. In einem Dialog zwischen Epstein und „Terje“ vom Januar 2018 hieß es: „Børge möchte dich sehen, bevorzugt aber Genf.“ Bei Terje handelt es sich vermutlich um den ehemaligen Diplomaten Terje Rød-Larsen, der über Jahre hinweg engen Kontakt zu Epstein hatte. Als die Zeitung Aftenposten Brende damals fragte, ob er je mit Epstein zu tun gehabt habe, dementierte dieser: „Ich hatte keinerlei Verbindung zu Epstein und würde natürlich niemals ein Treffen mit jemandem anfragen, der wegen sexueller Übergriffe verurteilt wurde.“

Norwegen ist von den Epstein-Enthüllungen besonders betroffen

Aufgrund der zuletzt veröffentlichten Dokumente kam nun aber heraus, dass er Epstein 2018 und 2019 mindestens dreimal zum Abendessen getroffen hatte, einmal auch in Epsteins New Yorker Wohnung, zusammen mit Trumps ehemaligem Berater Steve Bannon. Epstein und Brende standen auch immer wieder schriftlich in Kontakt. In einer SMS vom 16.  September 2018 schreibt der ehemalige norwegische Außenminister: „Wir brauchen eine neue globale Architektur. Das WEF (Davos) ist einzigartig positioniert – öffentlich-privat.“ Antwort Epstein: „Davos kann die UN wirklich ersetzen.“

Brende hat mittlerweile sein Bedauern darüber geäußert, Aftenposten gegenüber „nicht offen (…) gesprochen“ zu haben. „Ich habe nichts zu verbergen“, schrieb er der Zeitung. „Außer den drei gemeinsamen Abendessen und dem Austausch einiger SMS und E-Mails (…) hatte ich keinen Kontakt. Ich entschuldige mich und bedauere, dass ich Ihnen nicht früher alles erzählt habe.“

Seit der Veröffentlichung der Epstein-Dokumente im Januar waren innerhalb des WEF heftige Auseinandersetzungen ausgebrochen: Brende behauptet, er habe seinen Vorgänger, den WEF-Gründer und ehemaligen Vorsitzenden Klaus Schwab, bereits 2019 über den Kontakt zu Epstein informiert. Schwab dementierte dies und sagte, er sei von Brende nie informiert worden.

Norwegen ist besonders betroffen durch die Epstein-Enthüllungen: Zum einen stellte sich heraus, dass Kronprinzessin Mette-Marit mehrere Jahre lang freundschaftliche, ja streckenweise intim klingende Mails mit dem Sexualstraftäter ausgetauscht hatte und auch in seiner Villa in Palm Beach zu Besuch gewesen war. Zum anderen tauchten – neben Børge Brende und Terje Rød-Larsen – noch die Namen einer Spitzendiplomatin und eines ehemaligen Ministerpräsidenten auf: Gegen Thorbjørn Jagland, der zehn Jahre lang Generalsekretär des Europarates und zwischen 2009 und 2015 Vorsitzender des Friedensnobelpreiskomitees war, wurden genauso Ermittlungen wegen des Verdachts auf schwere Korruption eingeleitet wie gegen Mona Juul, Ex-Botschafterin in Israel, Großbritannien und bei den UN. Epstein hat angeblich in seinem Testament bestimmt, dass die beiden Kinder von Juul und Rød-Larsen jeweils fünf Millionen Dollar aus seinem Erbe erhalten sollten. Nachdem das Außenministerium Juul Anfang Februar vorübergehend suspendiert hatte, trat diese am 8. Februar von ihrem Botschafterposten zurück.

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