Hafertage sind eine kurze Kur, um die Blutzucker-Regulierung zu verbessern und Insulinresistenz entgegenzuwirken – besonders interessant für Menschen mit Diabetes Typ 2, Fettleber oder als Einstieg ins Abnehmen.
Ein Puzzlestück dabei ist Hafer. Das Getreide ist in Form von Porridge und Overnight Oats schon länger im Trend, zu recht. Bereits in der Antike war Hafer als gesundheitsfördernd bekannt, seine Wirkung auf den Blutzucker wurde bis zur Erfindung moderner Medikamente geschätzt. Heutzutage erlebt die Haferkur eine Renaissance.
Darum ist Hafer gesund
Hafer ist das heimische Getreide mit dem wohl gesündesten Nährstoffprofil. Hafer punktet mit vergleichsweise viel pflanzlichem Eiweiß. Auch eine spezielle Form von Klebereiweiß enthält er, die aber selbst von glutenempfindlichen Personen (Zöliakie) normalerweise sehr gut vertragen wird. Hafer ist eine gute Quelle für wichtige Mineralstoffe, besonders für Zink und Eisen, aber auch Magnesium. Außerdem liefert er eine ganze Reihe Vitamine. Nennenswert ist sein Gehalt an Biotin, B1 und B6. Vor allem aber bietet er eine Menge wertvoller Ballaststoffe: ganze 10 Gramm pro 100 Gramm Hafer. So unterstützt Hafer die natürliche Darmfunktion und ein gesundes Mikrobiom.
Hafer enthält wertvollen Ballaststoff Beta-Glucan
Im Hafer steckt dabei ein besonderer Ballaststoff, der den Blutzuckerspiegel zu regulieren hilft: Beta-Glucan. Hafertage machen die Körperzellen nachweislich wieder empfindlicher für Insulin. Auch auf den Fettstoffwechsel wirkt sich der Ballaststoff positiv aus. In einer Studie konnten zwei intensive Hafertage den Cholesterinspiegel anhaltend senken, noch nach bis zu sechs Wochen waren positive Effekte nachweisbar. Vermittelt wird die positive Wirkung den Forschenden zufolge über das Mikrobiom: Demnach erhöht der Verzehr der Haferflocken die Zahl bestimmter nützlicher Bakterien im Darm. Insbesondere das Beta-Glucan, spezieller Ballaststoff im Hafer, erscheint als Wirkgeheimnis hinter der Haferkur.
Wie funktioniert eine Haferkur?
Bei einer klassischen Haferkur gibt es morgens, mittags und abends nur Haferbrei zu essen – und zwar aus je 75 Gramm Haferflocken, zubereitet mit 300 bis 500 ml Wasser oder fettfreier Brühe. Ob die Haferflocken zart oder kernig sind, spielt für die Kur keine Rolle. Wer aufs Kochen verzichten will, der lässt die Haferflocken in kaltem Wasser quellen. Sie sollten mindestens 30 Minuten eingeweicht werden – das ist besser für die Verdauung und fördert die Aufnahme der im Hafer enthaltenen Mineralstoffe, denn durch das Einweichen des Getreides wird Phytinsäure abgebaut.
Für die geschmackliche Abwechslung kommen Gewürze hinzu, außerdem pro Tag insgesamt maximal 100 Gramm Gemüse (wie Lauch, Brokkoli, Zucchini – kein Mais), Zwiebeln oder Champignons und 50 Gramm zuckerarmes Obst wie Beeren oder Kiwi. Wer den nussigen Geschmack betonen will, kann die Haferflocken vor der weiteren Verarbeitung in einer trockenen Pfanne leicht anbräunen.
Hafertage können Blutzucker senken und beim Abnehmen helfen
Der Haferbrei sättigt, ohne allzu viele Kalorien zu enthalten. Durch die enthaltenen Proteine und Ballaststoffe beugt er Heißhunger vor. Damit kann eine gelegentliche Haferkur auch beim Abnehmen helfen. Die Energiezufuhr ist bei den Hafertagen stark reduziert, sie liegt bei etwa 800 bis 1.000 Kilokalorien. Dadurch ähnelt eine Haferkur einem kurzen Scheinfasten. Zusätzliche Kalorien durch Getränke sind während der Kur nicht erlaubt, den Durst löschen Wasser und ungezuckerter Tee (oder maximal 3 kleine Tassen schwarzer Kaffee).
Haferkur wirkt mehrere Wochen
Die Wirkung einer Haferkur auf den Zucker- und Fettstoffwechsel hält mehrere Wochen an. Die Kur oder auch einzelne Hafertage können eine langfristige und nachhaltige Umstellung auf eine regelmäßige gesunde Ernährungsweise einleiten oder zwischendurch unterstützen.
Haferkur – Fragen und Antworten
Ja, sie ist insbesondere auch bei Adipositas möglich und zur Heilung einer nichtalkoholischen Fettleber nützlich. Auch auf den Cholesterinspiegel wirkt Hafer positiv, wie eine Studie zeigen konnte.
Die klassische Haferkur dauert drei Tage – wer mag, kann noch einen vierten Tag anhängen. “Die stoffwechselverbessernde Wirkung der Kur hält etwa sechs Wochen lang an”, sagt Ernährungs-Doc und Diabetologe Matthias Riedl. Man kann die Kur bei Bedarf etwa alle sechs bis acht Wochen wiederholen. Alternativ kann man jede Woche einen einzelnen Hafertag einschalten. Die Haferkur ist ein sehr guter Einstieg in eine dauerhafte Ernährungsumstellung.
Nein, es sollte besser Wasser sein. Ehe man aber die Haferkur aus geschmacklichen Gründen gar nicht durchführt, ginge ungesüßter Haferdrink zur Not.
Nein, die Hafertage kann man auch “kalt durchführen”. Jedoch wäre empfehlenswert, die Haferflocken dann etwa 30 Minuten einzuweichen. Hafer enthält Phytinsäure, die Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium, Magnesium und Zink bindet. Durch das Einweichen vor dem Verzehr wird der Hafer besser verdaulich und verringert sich der Phytinsäure-Gehalt.
Die Antwort ist: Ja, diese Menge gilt pauschal für alle. Egal, wie groß oder wie schwer, egal, ob Mann oder Frau. Wer es wirklich nicht schafft, die 3 x 75 Gramm aufzuessen, kann die Menge allerdings ein wenig reduzieren. In einer Studie der Universität Bonn wurde eine Variante der Haferkur untersucht: 2 Hafertage mit 3 x 100 Gramm Haferflocken. Hier wurden nicht die Effekte auf den Blutzuckerspiegel untersucht, sondern auf die Cholesterinwerte. Die Wirkung war positiv.
Rein für den täglichen Verzehr von Haferflocken – ohne den Verzicht auf andere Lebensmittel wie bei einer Haferkur – sind bisher keine messbaren blutzucker- oder cholesterinsenkenden Effekte nachgewiesen. In einer Studie erreichten Menschen, die täglich 80 Gramm Haferflocken aßen und ansonsten ihre gewohnten Speisen, nicht vergleichbar gute Effekte auf ihre Blutwerte wie diejenigen, die eine Haferkur einschoben. Trotzdem gilt natürlich: Haferflocken sind ein empfehlenswertes Lebensmittel, dass einen Beitrag zu einer gesunden Ernährung leistet.
Kohlenhydrate lassen den Blutzucker ansteigen, und Haferflocken enthalten Kohlenhydrate. Aber der glykämische Index ist bei Haferflocken eher moderat, weil die Beta-Glucane den Blutzuckeranstieg bremsen. Deshalb funktioniert die Haferkur nach bisherigen Erkenntnissen sehr zuverlässig, um die Zellen wieder empfindlicher für Insulin zu machen.
Gewürze wie Zimt, Kurkuma oder auch Kräuter wie Schnittlauch dürfen gern zum Haferbrei. In Maßen genossen wirkt Zimt entzündungshemmend und verdauungsfördernd. Zimt enthält Cumarin, das in größeren Mengen zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen und die Leber schädigen kann. Ceylon-Zimt hat relativ wenig Cumarin und ist daher gesünder als Cassia-Zimt.
Im Prinzip ja, die Haferflocken können auch herzhaft genossen werden: Man kann den Haferbrei mit fettfreier Brühe oder mit einer Prise Salz kochen. Zugunsten der Gesundheit möglichst wenig Salz verwenden, stattdessen lieber Kräuter und andere Gewürze.
Ja. Das sind im Grunde ganz normale Haferflocken – Haferflocken sind von Natur aus “glutenfrei”. Jedoch können bei der Erzeugung oder Verarbeitung in der Getreidemühle Spuren von Gluten von anderem Getreide in die Haferflockenpackung geraten. Schon solche Spuren wären für Menschen mit Zöliakie äußerst gefährlich, deshalb gibt es spezielle Produktionsabläufe, die auch kleinste Gluten-Verunreinigungen ausschließen.
Haferflocken sind bei fast allen Erkrankungen geeignet. Bei Zöliakie auf glutenfreie Haferflocken achten.
Die sind grundsätzlich auch ein gutes Frühstück, aber eignen sich nicht für eine Haferkur. Haferflocken haben ganz andere Inhaltsstoffe, unter anderem weniger Gluten und mehr Beta-Glucan.
Haferkleie ist nicht so gut geeignet. Sie hat viel mehr Ballaststoffe – dadurch wäre sie schwerer verdaulich und würde den Brei deutlich zäher machen. Es ist aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen, einen Esslöffel der Haferflocken durch einen Teelöffel Haferkleie zu ersetzen.
Je nach Medikament ist es gut möglich, dass die Dosis angepasst werden muss. Bei Insulingabe etwa gilt laut Ernährungs-Doc Matthias Riedl als “grobe Faustregel, die Dosis zu halbieren” – dies aber bitte unbedingt individuell ärztlich besprechen! Die Kur sollte auf jeden Fall immer in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt durchgeführt und insbesondere die Frage der Medikamenteneinnahme besprochen werden.
Expertinnen aus dem Beitrag
Weitere Informationen
Hafer enthält Ballaststoffe, die regulierend auf Blutzucker und Fettstoffwechsel wirken: Infos zur Kur und Rezeptvorschläge.
An Hafertagen gibt es außer Hafer fast nichts – ein paar Geschmackszutaten sind allerdings doch erlaubt: Rezeptideen dafür.
Ballaststoffe und Eiweiß helfen effektiv, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Welche Lebensmittel sind gut bei Diabetes?
Diese schmackhaften Gerichte sind kohlenhydratarm und lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen.
Mit Ernährungtipps der Docs Beschwerden lindern – hier gibt es Anleitungen, Lebensmittel-Listen und Co. zur Selbsthilfe.
Gerichte mit wenig Kohlenhydraten, dafür viel Gemüse und guten Fetten – die Rezepte sind lecker und schnell gekocht.
Mediterrane Kost heilt die Leber. Das bedeutet: Kohlenhydrate und schlechte Fette reduzieren – dafür mehr gute Öle essen.
Diese Seite nutzt Website-Tracking-Technologien von Dritten, um ihre Dienste anzubieten, stetig zu verbessern und Werbung entsprechend den Interessen der Nutzer anzuzeigen.
Funktionalität
Always active
Die technische Speicherung oder der technische Zugriff ist für den legitimen Zweck, die Nutzung eines bestimmten, vom Teilnehmer oder Benutzer ausdrücklich angeforderten Dienstes zu ermöglichen, oder für den alleinigen Zweck der Durchführung der Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz unbedingt erforderlich.
Preferences
The technical storage or access is necessary for the legitimate purpose of storing preferences that are not requested by the subscriber or user.
Statistiken
Die technische Speicherung bzw. der Zugriff erfolgt ausschließlich zu statistischen Zwecken.The technical storage or access that is used exclusively for anonymous statistical purposes. Without a subpoena, voluntary compliance on the part of your Internet Service Provider, or additional records from a third party, information stored or retrieved for this purpose alone cannot usually be used to identify you.
Marketing
Die technische Speicherung bzw. der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile für den Versand von Werbung zu erstellen oder den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg für ähnliche Marketingzwecke zu verfolgen.