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Blackout in Spanien und Portugal: Wie auf der Iberischen Halbinsel das Stromnetz kollabierte | ABC-Z

Es war „das perfekte Gewitter“, als am 28. April vergangenen Jahres das gesamte Stromnetz in Spanien und Portugal zusammenbrach. Zu diesem Urteil kommt der Europäische Zusammenschluss der Stromnetzbetreiber Entso-E in einem Abschlussbericht monatelanger Untersuchungen. Das Dokument eines unabhängigen Expertengremiums wurde am Freitag in Brüssel vorgestellt.

Darin ist von „mehreren interagierenden Faktoren“ die Rede. Der Blackout gehe auf ein „sehr lokales Problem“ in Südspanien zurück, das sich „sehr schnell verschärfte“.

„Es gibt nicht den einzelnen Schuldigen“, erklärt der Leiter der Untersuchung, der Österreicher Klaus Kaschnitz, auf der Pressekonferenz. „Wir haben festgestellt, dass mehrere Faktoren dazu beigetragen haben und deren Kombination letztendlich diesen Vorfall verursacht hat“, fügte er hinzu.

Der Stromausfall war demnach die Folge einer Kombination aus Spannungsschwankungen und Schwingungsphänomenen. Diese führten zu regionalen Stromausfällen gefolgt von einer Kaskade von Überspannungsausfällen, die schließlich zum Verlust der Synchronisation des iberischen Stromnetzes mit dem Rest Europas führten. Die Systeme in Frankreich und auch in Marokko kappten aus Eigenschutz die Verbindung mit der Iberischen Halbinsel.

Der Blackout begann im Kleinen

Am Anfang stand ein lokales Problem, als mehrere Anlagen ohne Ankündigung in Südspanien vom Netz gingen und dies zu starken Schwankungen führte. Der Bericht kommt zum Schluss, dass trotz der korrekten Aktivierung der Verteidigungspläne des Systems „Art und Ausmaß der sich überschneidenden Ereignisse innerhalb weniger Sekunden zum vollständigen Zusammenbruch der spanischen und portugiesischen Systeme führten“. Um 12.32 Uhr war an jenem 28. April 2025 die gesamte Iberische Halbinsel vom Netz. In Portugal brauchte es 12 Stunden, um die Stromversorgung wieder aufzubauen. In Spanien noch 4 Stunden länger.

Entso-E teilt an alle aus. Mehrere Solaranlagen hätten sich, so der Bericht, nach den ersten Schwankungen automatisch vom Netz abgehängt, bevor sie an ihre Spannungsgrenze gelangten. Entso-E erklärt, dass sie trotz Anfrage keine Daten zur Abschaltspannung derjenigen Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien erhalten hätten, die sich vor Erreichen dieser Grenzwerte abgeschaltet hatten.

Ein Stromausfall bislang einmaligen Ausmaßes

Nachdem die Anlagen unvorhergesehen vom Netz gegangen waren, habe der spanische Netzbetreiber REE zu langsam reagiert. Das System habe Nachfrage und Angebot an Energie nicht schnell genug abgeglichen. Die großen Energieversorger, die mit ihren herkömmlichen Kraftwerken für die Netzstabilität hätten sorgen müssen, lieferten tatsächlich nur weniger als 75 Prozent dessen, was der Netzbetreiber anforderte.

„Diese Art von Stromausfall gab es vorher nicht, aber jetzt wissen wir, dass das passieren kann, und wir können aus dem Geschehenen wichtige Lehren ziehen, um so etwas in Zukunft zu verhindern“, erklärt der Vorsitzende des Entso-E-Komitees, Damian Cortinas. Der Bericht enthält eine lange Reihe technisch sehr detaillierter Empfehlungen, um künftig solche Blackouts zu verhindern.

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