Betriebsratswahlen bei Tesla: Showdown in Grünheide | ABC-Z

Ein Polizeieinsatz, gegenseitige Klagen und ein Video von Elon Musk – selten ging es im Vorfeld einer Betriebsratswahl turbulenter zu als im Teslawerk in Grünheide. Am Montag ist die Abstimmung offiziell gestartet. Noch bis Mittwoch können die knapp 11.000 Beschäftigten entscheiden, wer sie in Zukunft in dem Gremium vertreten soll.
Die IG Metall hofft, zum ersten Mal seit der Gründung Tesla einziger Fabrik in Europa die Mehrheit im Betriebsrat stellen können. Obwohl die Gewerkschaft bei den letzten Wahlen 2024 mit knapp 40 Prozent die größte Liste stellte, dominierte bislang ein Bündnis managementnaher Listen. Auch dieses Mal steht ein Großteil der insgesamt elf zur Wahl stehenden Listen unter Verdacht, die Interessen der Geschäftsführung zu folgen.
„Wir wollen grundsätzlich einen Betriebsrat, der sich für die Interessen der Belegschaft einsetzt und nicht für das Management“, sagt Markus Sievers, Pressesprecher der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Der Arbeitsdruck in dem Werk sei sehr hoch. Die IG Metall setzte sich unter anderem für planbaren Urlaub und bessere Besetzung bei den Schichten ein, erklärt Sievers.
Bislang galten die Gewerkschafter:innen in dem Betriebsrat als handlungsunfähig. So stimmte der Betriebsrat mehrfach Kündigungen von IG-Metall Betriebsräten zu, auch wenn diese später vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt Oder kassiert wurden. Auch gegen die umstrittene Praxis, krankgeschriebenen Mitarbeiter:innen Hausbesuche abzustatten, erfolgte kein Widerspruch aufseiten des Betriebsrats.
Polizeieinsatz im Betriebsrat
Den Wahlkampf im Vorfeld der Abstimmung führten sowohl das Management als auch die IG Metall mit harten Bandagen. Höhepunkt war eine Betriebsratssitzung am 10. Februar. Die managementnahe Vorsitzende beschuldigte nach Schilderung der IG Metall einen eingeladenen Gewerkschaftssekretär, die Sitzung auf seinem Laptop aufzuzeichnen. Tesla rief prompt die Polizei, der Laptop wurde beschlagnahmt. Es folgte eine Rundmail von Werksleiter André Thierig an die gesamte Belegschaft am selben Tag, indem er den Gewerkschafter einer Straftat bezichtigte.
Die IG-Metall-Betriebsräte bezeichneten den Vorfall damals als „abgekartetes Spiel“ und „dreiste wie kalkulierte Lüge“. Die Gewerkschaft reagierte mit einer Gegenanzeige wegen übler Nachrede gegen Werksleiter André Thierig. Am vergangenen Donnerstag schlossen beide Parteien einen Vergleich, die gegenseitigen Anschuldigungen bis zum Ende der Wahlen nicht mehr zu wiederholen.
Am vergangenen Mittwoch richtete sich nach einem Bericht des Handelsblatts Elon Musk selbst mit einer Videobotschaft an die Belegschaft. Der Tesla-Chef bekräftigte darin seine Warnung: Gelinge es „externen Organisationen“, Tesla „in die falsche Richtung zu drängen“, stünde damit der lange geplante Ausbau der Fabrik auf dem Spiel. „Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch nicht erweitern“, zitiert das Handelsblatt Musk.
Erweiterung unrealistisch
IG-Metall-Sprecher Markus Sievers bezeichnet diese Art des Wahlkampfs als „ungewöhnlich“, allerdings sei man von Tesla mittlerweile auch nichts anderes mehr gewohnt.
Eigentlich plant Tesla, die Produktionskapazitäten des Standorts Grünheide zu verdoppeln. Bis zu einer Million Fahrzeuge könnten dann jährlich nach dem Ausbau vom Band laufen. Die Genehmigungen beim Land Brandenburg liegen bereits vor, allerdings legte Tesla die Ausbaupläne aufgrund der Umsatzeinbrüche bereits 2024 auf Eis.
Nicht nur Elon Musks politische Eskapaden machen der Marke zu schaffen, sondern auch die Innovationsschwäche des Konzerns. In den letzten Jahren hat Tesla seine Produktpalette bis auf leichte Überarbeitungen kaum erweitert. Längst hat die chinesische, aber auch die europäische Konkurrenz aufgeholt. Dazu kommt eine Konsumzurückhaltung auf den Zielmärkten aufgrund der wirtschaftlichen Lage.
Erholt haben sich die Umsätze seitdem nicht, im Gegenteil. Laut Zahlen des Datendienstleisters Inovev, die das Handelsblatt zitiert, hat Tesla 2025 lediglich 149.040 Autos in Grünheide produziert. Das entspricht einem Rückgang von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch hat Tesla in den letzten beiden Jahren rund 1.700 Stellen abgebaut, was einem Rückgang von 14 Prozent entspricht.
Viele Kolleginnen und Kollegen haben Existenzängste
Laura Arndt, Tesla-Betriebsrätin
„Viele Kolleginnen und Kollegen haben Existenzängste. Insbesondere an den Linien sehen sie, wie um sie herum Leute gekündigt werden, häufig nach Krankheiten.“, sagt Tesla-Beschäftigte Laura Arndt, die für die IG Metall auf dem ersten Listenplatz kandidiert.
Die IG Metall hofft auch, mit einem Sieg bei der Wahl dem stillen Stellenabbau etwas entgegensetzen zu können. „Wir setzen alles daran, die Mehrheit zu kriegen. Aber jetzt sind die Beschäftigten dran“, sagt Sievers.





















