Berlinale-Wettbewerb: Filmkritik “Meine Frau weint” | ABC-Z

Das ist umso interessanter, als Schanelec ansonsten viel tut, um sie uns vom Leib zu halten. Wie so oft bei ihr sind die Dialoge von ausgesuchter Künstlichkeit. Es geht niemals darum, realistisch abzubilden, wie Menschen miteinander reden, sondern eher darum zu zeigen, wie komplex Sprechen schon für sich genommen ist, wenn es allen Beiwerks beraubt ist.
Und es geht um Irritation und Verfremdung. Das treibt sie hier auf die Spitze. Schanelec hat schon öfter Nicht-Muttersprachler:innen in ihren Filmen besetzt – in “Meine Frau weint” sind nur sehr wenige im Ensemble mit der deutschen Sprache aufgewachsen. Diese offenkundigen Nicht-Muttersprachler:innen sprechen nun ein extrem hochgestochenes, fein gedrechseltes und grammatikalisch makelloses Deutsch – allerdings mit so deutlichen, teils schweren Akzenten, dass ein flirrender Kontrast entsteht.
Fast immer gibt es in Schanelecs traditionell eher spröde daherkommenden Filmen plötzliche Momente reiner Zärtlichkeit. “Ich kann nicht mehr”, resümiert Carla einmal, als sie nach einer langen Fahrradfahrt durch den Regen abgekämpft und seelisch verwundet bei Freund:innen ankommt. Später liegt sie auf einer Couch zum Ausruhen, die anderen um sie herum wie auf einem Gemälde. Hier wird ausnahmsweise einmal nicht viel gesagt, sondern in stiller Selbstverständlichkeit Beistand demonstriert.





















