Berlinale 2026: Zwei Stars mit besonderem Modegeschmack – Stil | ABC-Z

Für sie: Erfreulich anders
Früher konnte man herrlich über deutsche Stars lästern, weil sie das mit dem Styling für öffentliche Auftritte nicht so professionell machten wie ihre Kollegen in Hollywood. Immer war irgendwas, was dem Betrachter unangenehm ins Auge stach, vom billigen Schuh bis zum zu kurzen Rocksaum an der langen Robe. Das hat sich geändert, seit die Mode-Powerhouses Chanel, Dior und Louis Vuitton gefühlt jedes dritte deutsche Sternchen einkleiden. Seitdem sehen wirklich so gut wie alle ganz adrett aus und es gibt nicht mehr viel, über das man sich beschweren könnte. Etwas, das einen so richtig umhaut, gibt es allerdings auch nicht. Echte Fashion Moments auf dem roten Teppich im Stile des Schwanenkleids von Björk bei den Oscars oder dem Meat Dress von Lady Gaga, das gibt es nicht mehr, weil alle nur noch damit beschäftigt sind, möglichst glatt auszusehen.
Social Media belohnt bekanntlich nie das Interessante, sondern immer nur das Perfekte. Umso erfreulicher war bei der Berlinale dieser Anblick: Die Schauspielerin Annabelle Mandeng trug auf einer Premiere einen Glitzer-Catsuit mit Flamenco-inspirierten Ärmeln vom Berliner Designer Kilian Kerner – und sah darin wirklich hervorragend aus. Ist sie auf dem Weg in eine Löwenmanege oder auf eine Diana-Ross-Mottoparty? Genau diese Fragen will man sich doch stellen beim Red-Carpet-Watching. Klar, auch hier ist wieder was: Die schwarzen Strümpfe zwischen Schuh und Catsuit hätten nicht sein müssen. Trotzdem besser als der grassierende Luxuskonglomerats-Chic.
Für ihn: Guter Stoff
Es gibt Momente, da wirkt die Berlinale fremd in ihrer Stadt: Wenn kurz Mainstream-Promis aus Hollywood einfliegen und mit ihrer Mainstream-Abendgarderobe über den extra noch mal nachgefärbten roten Teppich laufen und für einen Moment alles nach Gold und Glitter aussieht, man als Betrachter aber genau weiß, dass es fünf Meter weiter nach Currywurst und nassem Hund riecht. Denn Berlin ist ja gar nicht Gold und Glitter und die Berlinale ist immer dann am tollsten, wenn es ein bisschen wild, abgeschabt und politisch zugeht. So ist die Stadt nun mal und so sollten auch die Outfits sein. Der ideale Berlinale-Look ist jedenfalls einer, dem man ansieht, dass damit später noch eskalierend weitergezogen wird und mit dem sein Träger am Ende der Nacht in einer Schneepfütze irgendwo östlich der Kastanienallee vergeblich auf ein Taxi warten wird.

Der kluge Filmemacher Ilker Çatak (u. a. „Das Lehrerzimmer“) hat so ein Outfit gewählt. Auf den ersten Blick sieht das Ensemble irgendwie nach Russendisko und Gefährderansprache aus, mit der klaffend offenen Brust, der Kette und dem Old-School-Revers. Bei genauerem Hinsehen aber merkt man, das sind ja feine Sachen, das ist ja guter Stoff. Jedes einzelne Stück hat Würde und passt, und zusammen ist das Ganze eigentlich sehr dezent aufeinander abgestimmt. Sicher, es ist kein klassischer Abendanzug, keine große Garderobe, aber sie passt zu einem Mann, der seinen Platz hinter der Kamera hat und der es gewohnt ist, sensibel den Sound eines Drehbuchs umzusetzen. So einer schätzt eben auch den Sound einer Stadt richtig ein.





















