Berg: Eine Gemeinde sucht einen Wirt – Starnberg | ABC-Z

„Wir sind offen für alles.“ Einen Satz wie diesen hört man selten, vor allem von einem Bürgermeister. Denn normalerweise ist so gut wie alles geregelt und vorgegeben in einer Gemeindeverwaltung. Große Spielräume gibt es kaum. Gibt es sie aber manchmal doch? Zum Beispiel, wenn es um die Zukunft der ehemaligen Gaststätte „Müller’s auf der Lüften“ in Farchach geht. In dieser Frage sind Bergs Rathauschef Rupert Steigenberger gute Ideen und Konzepte durchaus willkommen.
Seit einem Jahr hält die Gemeinde Ausschau nach einem Pächter für ihr in den 1970er-Jahren als Vereins- und Freizeitheim konzipiertes Gebäude gleich neben den Tennisplätzen. Rund 20 Interessenten waren bereits vorstellig, handelseinig wurde man indes mit keinem von ihnen. Steigenberger könnte sich auch vorstellen, dass sich einige Bürger zusammentun und das Wirtshaus gemeinsam wiederbeleben. Wie gesagt: Der Rathauschef ist in dieser Frage nicht festgelegt.
Derzeit nutzen die örtlichen Vereine das Haus in Eigenregie. Die Lüßbacher Blasmusik hält darin ihre Proben ab. Die beiden Schützengesellschaften „Edelweiß Bachhausen“ und „Eichenlaub Farchach“ wechseln sich am Schießstand im Keller ab. Es gibt eine funktionierende Kegelbahn. Zuweilen holen auch politische Parteien den Schlüssel für das Gebäude bei der Gemeinde, um darin Veranstaltungen zu machen.
Jüngst hatte Andreas Ammer von der Gruppierung QUH zu einem Filmabend mit der so passend wie herzerwärmenden Dokumentation „Fanni – Oder: Wie rettet man ein Wirtshaus“ in den Schützenkeller der Gaststätte geladen. Dass das Thema die Dörfler in der Umgebung interessiert, merkte man schon an der Tatsache, dass zum Filmabend und zur anschließenden Diskussion mehr als 80 Besucher kamen. „Wir haben derzeit keinen Pächter und darum natürlich auch keinen Reinigungsdienst“, erläutert Steigenberger im Gespräch mit der SZ. „Wer die Räume nutzt, der muss sie sauber hinterlassen – schon wegen der anderen Vereine, die nach ihm kommen.“
Das Gebäude ist energetisch saniert
Unstrittig besitzt das Gebäude den Charme der Siebzigerjahre. Aber das Haus ist bereits aufwendig energetisch saniert, kann mit seiner schönen Lage, einer großzügigen Wirtswohnung und den alten Kastanien im Biergarten punkten, auch wenn es derzeit weder über eine Kücheneinrichtung noch eine Schankanlage und Wirtshaus-Bestuhlung verfügt. Eine Einrichtung einzubauen, bevor man sich auf den künftigen Wirt oder die Wirtin verständigt habe, davor hatte Wolfgang Gröll die Gemeinde laut Steigenberger gewarnt. Sie hatte den in Berg lebenden Gröll hinzugezogen, weil er als Vorstand der Vereinigung der Bürger- und Dorfläden in Deutschland, der auch über Erfahrungen im Gaststättenbereich verfügt, als Sachverständiger in diesen Fragen gilt.
Letztlich erschien es den Beteiligten am sinnvollsten, eine Planung in Auftrag zu geben, die dem potenziellen neuen Pächter Aufschluss darüber gibt, was die Gemeinde in ihre Immobilie investieren wird. Das heißt, welches Küchen- und Gaststuben-Mobiliar sie sich neben den Investitionen in den Brandschutz des Gebäudes noch vorstellt. Denn es sei für einen künftigen Pächter wichtig zu wissen, mit welcher Ausstattung er rechnen könne. „Das ist empfänglicher“, glaubt Steigenberger.
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Um nicht allzu viel Zeit zu verlieren, will man während der Pächtersuche schon mal damit beginnen, die Brandschutzarbeiten in Angriff zu nehmen. So muss die Küche vernünftig zum Treppenhaus abgegrenzt werden und das Vereinsheim von der Gaststätte. Und ein Fluchtweg aus dem ersten Obergeschoss muss ebenfalls ausgewiesen sein. Für die Planung wird die Gemeinde 50 000 Euro in den kommenden Haushalt bereitstellen.
Und weil der Fortbestand einer Dorfgaststätte ein wirklich wichtiges Thema für eine Ortschaft ist, hatte Sachverständiger Gröll den Berger Gemeinderatsmitgliedern noch dazu geraten, alles, was damit zusammenhängt, aus dem Kommunalwahlkampf herauszuhalten. Es ist ein Rat, den das Gremium nach eigenen Angaben auch beherzigen will.





















