Belém und Berlin: Nicht die Sätze des Kanzlers sind das Problem | ABC-Z

Eines muss man Friedrich Merz lassen: Er weiß, wie man für Debatten sorgt. Die Stadtbild-Aufregung hält noch an. Das zeigt der Protest bei der Verleihung des Talisman-Preises in Berlin, bei dem rund 30 Menschen vor der Rede des Kanzlers den Saal verließen.
Doch längst ereifert man sich über die nächste Aussage von Merz, nämlich die Feststellung, dass alle – in dem Fall einige Journalisten – froh gewesen seien, von Belém nach Deutschland zurückgekehrt zu sein: in eines der schönsten Länder der Welt.
Probleme und Heimatliebe
Seitdem muss sich Merz nicht nur in Deutschland, sondern auch in Brasilien beschimpfen lassen, zeitweise sogar als Nazi.
Dabei lassen sich sicherlich weder mit Blick auf Berlin noch auf Belém Probleme im Stadtbild verneinen, und auch Heimatliebe sollte einem Bundeskanzler (wie jedem anderen) gestattet sein.
Auch mal frei reden
Die Sätze von Merz sind weniger das Problem. Wie Lars Klingbeil sagt: Auch Politiker sollen mal frei reden dürfen. Das eigentliche Problem sind die hysterischen Reaktionen.
Anstatt den Saal zu verlassen, hätten die Berliner Protestierenden lieber Merz zuhören sollen, was er über Menschen mit Migrationshintergrund zu sagen hatte. Miteinander reden ist in jedem Fall besser, als das nicht zu tun und sich in selbstgerechter Ablehnung und Vorurteilen einzurichten.
So spricht es auch für Merz, dass er sich nach eigenem Bekunden auf ein Gespräch mit dem brasilianischen Präsidenten Lula freut. Das soll in Johannesburg stattfinden; vielleicht also der nächste Stadtbild-Fall.





















