Versorgungs-Kultur bei den Pankower Linken | ABC-Z

Pankow – Rettet sich hier jemand kurz vor der Wahl auf einen sicheren Posten? Pankows Sozialstadträtin Dominique Krössin (60, Linke) ist von ihrem Amt zurückgetreten – und plötzlich neue Chefin des bezirklichen Kulturamtes.
Am 20. September entscheidet sich nicht nur, welche Partei künftig den Regierenden Bürgermeister stellt – am gleichen Tag werden auch die Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) gewählt. Diese entscheiden über die Besetzung der Bezirksämter.
Krössin würde dann wohl leer ausgehen: Die Linke hat aktuell nur Anspruch auf einen Stadtrat-Posten – zieht aber mit Jonas Teune (39) als Spitzenkandidat ins Rennen.
Als Chefin des Kulturamtes ist Krössin vom Wahlergebnis unabhängig. Den neuen Posten trat sie bereits zum 1. April an. Ein Sprecher des Bezirksamtes zu B.Z.: „Frau Krössin wurde in einem regulären Stellenbesetzungsverfahren im Rahmen der Bestenauslese ausgewählt.“
Weniger Gehalt für Krössin
Im neuen Job verdient die Politikerin weniger als zuvor: „Die betreffende Stelle ist mit Besoldungsgruppe A 15/ Entgeltgruppe E 15 bewertet.“ Laut Stellenausschreibung werden bis zu 7640 Euro/Monat gezahlt. Bezirksstadträte sind in der Gruppe B4 (über 10.000 Euro/Monat) eingestuft.
Wen die Linke einen Nachfolger für Krössin nominiert, steht noch nicht fest. „Das Ressort Soziales und Gesundheit wird vertretungsweise von Stadtrat Jörn Pasternack wahrgenommen“, so das Bezirksamt. Ein Parteisprecher zu B.Z.: „Die Linke wird selbstverständlich nicht zulassen, dass dieses wichtige Bezirksstadtratsamt über Monate nur vertretungsweise durch ein so doppelt belastetes Mitglied aus dem Bezirksamt mitgeführt wird.“
Unklar, warum die bisherige Chefin des Kulturamtes gehen musste und welchen neuen Job sie bekommt. Diese Fragen hätten „Personenbezug oder internen Charakter“, könnten daher nicht beantwortet werden, so das Bezirksamt.
Krössin ist gebürtige Berlinerin, studierte vor 1989 Diplompädagogik an der Humboldt-Universität. Ab 2021 war sie Schulstadträtin in Pankow, 2023 wechselte sie ins Sozialressort.

Posten geräumt, aber weiter bezahlt
Im Februar 2023 gab es eine Wiederholungswahl wegen massiver Unregelmäßigkeiten bei der Wahl vom September 2021. Durch neue Mehrheitsverhältnisse in den BVV mussten daraufhin mehrere Bürgermeister und Stadträte ihre Posten räumen – doch dank eines speziellen Gesetzes erhalten alle weiterhin volle Bezüge. Das wurde als „bezahltes Nichtstun“ kritisiert.
Auch der damalige Pankower Bürgermeister Sören Benn (57) schied aus dem Amt, weil seine Partei Die Linke bei der Wiederholungswahl weniger Stimmen holte. Er erhielt wie neun andere Politiker weiterhin seine Bezüge. Ob er nun wieder im Bezirksamt arbeitet und Krössins Job übernimmt? Unwahrscheinlich – er trat Ende 2024 bei den Linken aus.





















