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Bayern: Kliniken fremdeln mit der elektronischen Patientenakte – Bayern | ABC-Z

Dass sie etwas besonders gut machen, merkten sie in Nürnberg erst als die Gematik sich mit einem Filmteam bei Ihnen anmeldete.  Die Gematik-Gesellschaft treibt in Deutschland die Digitalisierung des Gesundheitswesens voran. Dazu gehören Projekte wie das elektronische Rezept, die elektronische Gesundheitskarte und eben auch die elektronische Patientenakte (ePA). Letztere müssen Praxen und Kliniken seit vergangenem Oktober befüllen.

Sofern der Patient nicht widersprochen hat, sollten also jetzt Befunde, Laborberichte und Entlassungsbriefe in einer virtuellen Krankenmappe landen, auf die andere Ärzte und der Patient selbst zugreifen können – so die Theorie. In sehr vielen Kliniken aber landet noch fast gar nichts in der Akte.

„Aus den Kliniken erhalten wir bislang kaum bis keine über die ePA bereitgestellten Informationen“, beklagt Christian Pfeiffer, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, die die niedergelassenen Kassenärzte vertritt. „Wenn die ePA ihr Potenzial entfalten soll, ist eine deutlich stärkere Beteiligung aller Versorgungsbereiche notwendig.“

In den Dr.-Erler-Kliniken, einem chirurgischen Fachkrankenhaus in Nürnberg, aber schaffen sie es inzwischen, immerhin 250 Dokumente jeden Tag in die Akte hochzuladen. Grund genug für einen Besuch vom Gematik-Pressesprecher samt lobender Erwähnung auf Linkedin. „Die ePA ist im Krankenhaus nicht nur vollständig ausgerollt und im Einsatz, sondern viele Upload-Prozesse laufen dort bereits automatisiert“, schreibt der Sprecher. Seht her: Es geht.

Die freigemeinnützige Dr.-Erler-Kliniken sind weder ein besonders großes Haus, noch Uniklinik. Man hat sich dort nur einfach besonders in das Thema ePA reingehängt, erklärt eine Sprecherin: „Digitalisierung ist bei uns Chefsache.“

„Ein Traum für uns Hausärzte“, jubelt ein niedergelassener Allgemeinmediziner

Die elektronische Patientenakte könnte, wenn sie von allen befüllt würde, ein großer Gewinn für Ärzte, Krankenhäuser und vor allem die Patienten selbst sein. Darüber sind sich alle Beteiligten einig. „Ein Traum für uns Hausärzte“, schreibt etwa ein niedergelassener Allgemeinmediziner unter den Beitrag. Es werde ihm viel Zeit sparen, wenn er nicht mehr Unmengen an Briefen öffnen, scannen, zuordnen und am Ende das Papier kostenpflichtig im Datenmüll entsorgen müsse.

In der Notaufnahme der Dr.-Erler-Kliniken sehen sie bereits den Nutzen für die Patienten. „An die Medikamentenliste und Hinweise auf Allergien kommen wir bereits ran“, berichtet der Orthopäde und Unfallchirurg Alexander Mahnke. Das wird vor allem wichtig, wenn Patienten dement sind oder sich nach einem Unfall nicht mehr äußern können, die Ärzte aber vor einer Operation trotzdem wissen müssen, ob der Patient etwa Blutverdünner nimmt. Entlassungsbriefe anderer Kliniken sehen sie dort hingegen noch nicht. „Wir sind bisher auf weiter Flur die Einzigen, die das hochladen.“

Nach Daten der Gematik haben in der vergangenen Woche nur gut die Hälfte der Kliniken in Deutschland sich überhaupt mit dem Thema ePA beschäftigt und mindestens eine Patientenakte geöffnet. Ob sie dabei in der Testphase sind, nur in einzelnen Abteilungen mit der ePA arbeiten oder schon sämtliche Arztbriefe und Befunde dort ablegen, lässt sich aus den Daten nicht ablesen. Die Zahl der Kliniken, die das System schon voll im Einsatz hätte, sei aber überschaubar, sagt eine Gematik-Pressespecherin. Sie wirbt für Verständnis: „Das ist ein großes Projekt.“

So sieht das auch der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Roland Engehausen. Die ePA sei von einer Einzelarztpraxis her gedacht worden. „Das ist im Krankenhaus komplizierter.“ Die Kliniken kämpfen einerseits mit technischen Hürden. Die Häuser nutzen unterschiedliche Softwarehersteller. Nicht bei jedem läuft der Upload in die elektronische Akte rund. Andererseits müssen Kliniken sich auch genau überlegen, wie sie die ePA am besten in den Krankenhaus-Alltag einbauen.

Wann etwa sollen Kliniken die Patienten über die Möglichkeit der Datenspeicherung aufklären? In der Aufnahme seien die Menschen schon jetzt mit Formularen überfrachtet, so Engehausen. Wann sollen sie welche Befunde in die Akte laden? Technisch wäre dies direkt nach einer Untersuchung möglich. Praktisch aber sollte dort kein Befund auftauchen und von Patienten gelesen werden, den der Arzt nicht zuvor mit dem Kranken besprochen habe. Die Kliniken hätten sich deshalb nun vorgenommen, vorerst nur die endgültigen Entlassungsbriefe hochzuladen. Er gehe davon aus, dass das alle Kliniken in Bayern bis April hinbekommen würden. Das müssen sie auch, denn danach drohen laut Gesetz Sanktionen.

Die niedergelassenen Ärzte sind da schon weiter. Die ePA sei in den Praxen inzwischen weitgehend angekommen, heißt es von der KVB. Bundesweit seien etwa 91 Prozent aller Praxen technisch angebunden. Das Interesse der Patienten sie allerdings noch überschaubar.

Dabei wäre es aus Sicht der Ärzte wünschenswert, dass auch die Patienten mal einen Blick in ihre virtuelle Krankenmappe werfen.  Diese hat inzwischen jeder gesetzliche Versicherte, der nicht aktiv widersprochen hat. Das dürften die allermeisten sein. Bei der AOK Bayern etwa liegt die Widerspruchsquote bei nur 5,2 Prozent. Man findet dort nun also Arztbriefe der niedergelassenen Ärzte, Befunde, Blutwerte, Medikationspläne oder etwa Zahnarztbehandlungen. Je nach Krankengeschichte kann das ein ziemlich unübersichtlicher Haufen von Dokumenten sein. Gut, also, wenn sich der Patient selbst auskennt und seine Ärzte auf wichtige Dokumente hinweisen kann. Möglich ist dies etwa über eine Smartphone-App, die die Kassen zur Verfügung stellen.

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