Bezirke

Bayern: Internationale Filmprojekte mit Elyas M’Barek und Lily James – München | ABC-Z

Groß gedacht hat man in Bayern ja schon immer, vor allem in der Filmbranche. Man erinnere sich an so einige extrem breitbeinig auftretende Produzenten, die immer dem nächsten großen Ding hinterherjagten, die stets ganz kurz vor Übernahme der Weltherrschaft zu sein schienen. Lange her, jetzt scheint der bayerische Film aber tatsächlich internationaler zu werden. Das hat vor allem mit den veränderten Marktbedingungen zu tun: 2025 etwa feierten die aus Bayern stammenden Regisseure Christian Zübert und Philip Koch mit ihren Filmen „Exterritorial“ beziehungsweise „Brick“ Welterfolge. Nicht im Kino, sondern bei Netflix.

Vielleicht hat dieser bayerische Internationalisierungstrend aber auch mit im Bayerischen Wald gesichteter Schauspielprominenz zu tun. Im Sommer las man Schlagzeilen wie: „Hollywood am Höllensteinsee“. Oder: „Wilder Westen in Viechtach.“ Ebendort standen die Hollywoodstars Ethan Hawke und Russell Crowe für einen Film namens „The Weight“ vor der Kamera. Dieser erzählt zwar eine Goldgräbergeschichte aus den 1930er-Jahren im US-Bundesstaat Oregon, wurde aber am Großen Arber, in Bodenmais oder eben am Höllensteinsee gedreht. Ende Januar hat der Film Weltpremiere beim Sundance Film Festival in Utah. Später im Jahr soll er auch in Deutschland in den Kinos anlaufen.

Ethan Hawke and Austin Amelio in „The Weight“. (Foto: Matteo Cocco)

Das Kinogeschäft bleibt schwierig; auch große Hollywoodfilme haben oft Probleme an der Kinokasse. Zuletzt konnten deutsche Filmhits wie „Das Kanu des Manitu“, „Die Schule der magischen Tiere 4“ oder „Pumuckl und das große Missverständnis“ ein Millionenpublikum anziehen. Ansonsten klagen fast alle Produktionsfirmen im Land über die schlechte Auftragslage, steigende Kosten und sinkende Budgets. Umso wichtiger ist es, dass sie sich breit aufstellen, dass sie neben dem internationalen Markt auch die für den einheimischen Markt gedrehten Produktionen im Blick behalten.

Hier ist 2026 einiges geboten: Den Auftakt macht der neue Film des bayerischen Lokalmatadors Marcus H. Rosenmüller, der nach „Pumuckl“ (Film und Serie) ein populäres Theaterstück verfilmt hat: Die prominent besetzte Culture-Clash-Komödie „Extrawurst“ läuft am 15. Januar in den Kinos an. Zwei Wochen später folgt die heiß erwartete Meyerhoff-Verfilmung „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“: Regisseur Simon Verhoeven entführt ins München der Achtzigerjahre, in eine Villa in Nymphenburg und an die Falckenberg-Schule. Verhoevens Mutter Senta Berger spielt eine der Hauptrollen. Es wird eine große Premiere in München geben, Kinostart des Films ist am 29. Januar.

Senta Berger und Michael Wittenborn beim Gurgeln in „Ach diese Lücke“.
Senta Berger und Michael Wittenborn beim Gurgeln in „Ach diese Lücke“. (Foto: Warner Bros.)

Aus bayerischer Sicht interessant sein dürften David Dietls Komödie „Ein Münchner im Himmel“ (Kinostart im April), Marc Rothemunds in Regensburg entstandene Best-Ager-Lovestory „Ein fast perfekter Antrag“ (Februar) oder der Alpenkrimi „Jennerwein – Hochsaison“, nach dem gleichnamigen Roman von Jörg Maurer (November). Bisher noch ohne Starttermin ist die bereits abgedrehte Tragikomödie „Kochschule Schwarz“ über die aberwitzigen Pläne eines jüdischen Geschäftsmanns im München der 1930er-Jahre. Auch Bayerns beliebtester Dorfpolizist kehrt im August nach dreijähriger Pause zurück: „Steckerlfischfiasko“ ist der zehnte Film der Eberhofer-Krimi-Reihe, die neun Vorgängerfilme waren allesamt Hits.

Hohe Erwartungen ruhen auch auf dem neuen Film von Bora Dagtekin, der kurz vor Weihnachten die Fortsetzung seines Kinohits „Das perfekte Geheimnis“ abgedreht hat: „Der perfekte Urlaub“ geht im Oktober los, wieder mit den Stars des Vorgängerfilms, mit Elyas M’Barek, Karoline Herfurth oder Florian David Fitz. Auch Doris Dörrie, Caroline Link und Aron Lehmann arbeiten derzeit an neuen Filmen, die voraussichtlich 2026 in den Kinos anlaufen. Hinzu kommen Kinder- beziehungsweise Jugendfilmfortsetzungen von „Checker Tobi“, „Bibi Blocksberg“ oder „Woodwalkers“.

Die Münchner Regisseurin Anna Roller wird ihre Literaturverfilmung „Allegro Pastell“ im Februar bei der Berlinale vorstellen, Festival-Chancen dürften auch die von Münchner Produktionsfirmen realisierten „Eurotrash“, „Gelbe Briefe“ oder „Gentle Monster“ haben. Dabei zeigt sich wieder der Trend zur Internationalisierung, die drei letztgenannten Titel entstanden unter anderem in der Schweiz, in der Türkei oder in Frankreich, mit Stars wie Barbara Sukowa, Alexander Fehling, Léa Seydoux oder Catherine Deneuve.

Auch mehrere Großproduktionen, die in Bayern gedreht wurden, sollen 2026 anlaufen: Bereits im Februar startet der in den Studios in Penzing gedrehte Horrorfilm „Return to Silent Hill“ in den Kinos. Das Neunzigerjahre-Actionfilm-Sequel „Cliffhanger 2“ mit Lily James und Pierce Brosnan wird in der zweiten Jahreshälfte erwartet, für „The Uprising“ gibt es noch keinen Starttermin. Das Historiendrama des Oscar-nominierten Briten Paul Greengrass wurde erst kürzlich in Nürnberg, Bad Windsheim und in Penzing abgedreht, vor der Kamera standen Stars wie Andrew Garfield oder Jamie Bell.

Lily James im Actionfilm-Sequel „Cliffhanger 2“.
Lily James im Actionfilm-Sequel „Cliffhanger 2“. (Foto: Cliffhanger Production)

„Jeder einzelne dieser Filme ist eine Visitenkarte für den Filmstandort“, sagt der Mann, der gleich mehrere dieser potenziellen Kinohits mitproduziert hat. Joe Neurauter ist gebürtiger Österreicher, er hat beste Verbindungen in Los Angeles und ist Geschäftsführer der Penzing Studios im ehemaligen Landsberger Fliegerhorst. Dass in Bayern gerade wieder mehr internationale Filme und Serien entstehen, ist eine gute Nachricht und nicht selbstverständlich: Die Konkurrenz ist riesig, einige europäische Nachbarländer locken auch mit attraktiveren Steuer-Modellen und besseren Rahmenbedingungen.

„Es ist ein kompliziertes Puzzle“, beschreibt Neurauter den Entstehungsprozess der Filme, bei dem nicht nur Infrastruktur und Talent, sondern auch die Filmförderer aus Bayern und Berlin eine wichtige Rolle spielen. „Wenn man die einzelnen Teile in der richtigen Weise kombiniert, kann es aber klappen“, fügt er hinzu. Ob sich dieses Engagement auch künstlerisch und an den Kinokassen auszahlt, wird man frühestens in einem Jahr wissen. Dann steht die Bilanz des Filmjahrs 2026 an.

Back to top button