Basketball WM-Qualifikation: Deutschland besiegt Israel in Neu-Ulm – Sport | ABC-Z

Es war nicht zu übersehen, dass Alex Mumbru zur alten Erscheinung noch ein paar Kilogramm fehlen. Im vergangenen September war der Basketball-Bundestrainer während der Europameisterschaft wegen einer schweren Bauchspeicheldrüsenentzündung im finnischen Tampere ins Krankenhaus gebracht worden. Dort lag er auf der Intensivstation, verließ die Klinik nach fünf Nächten auf eigene Verantwortung. Den EM-Triumph in Riga erlebte er arg geschwächt und 20 Kilogramm leichter auf der Bank mit, das Coaching hatte er in die Hände seines Assistenten Alan Ibrahimagic gelegt, der den Triumph uneitel vollendete. Mit der schnellen Rückkehr war Mumbru ein großes Risiko eingegangen, das habe ihm ein Arzt nach seiner Rückkehr in Barcelona gesagt, wo er sich einer Operation unterziehen musste.
All das ist längst in die Annalen des deutschen Basketballs eingegangen, nun tigerte Mumbru in der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm wie zu besten Zeiten am Spielfeldrand auf und ab. Er gestikulierte, breitete die Arme flehend aus, sprach mit den Spielern auf der Bank – kein Zweifel, er war wieder ganz der Alte. Aber es sollte kein allzu aufregender Freitagabend für den 46-Jährigen werden, zu überlegen trat seine Mannschaft im ersten Spiel der WM-Qualifikation gegen Israel auf, feierte einen souveränen 89:69-Sieg und den erhofften erfolgreichen Start in die erste Zulassungsrunde für die WM im kommenden Jahr in Katar.
Im Basketball muss sich, wie im Fußball, auch der Titelverteidiger qualifizieren, nach diesem ersten Auftritt indes dürften die Zweifel verflogen sein, dass dies dem Welt- und Europameister nicht gelingen wird. Denn nur im ersten Viertel, das noch knapp mit 26:22 an den Gastgeber ging, konnten die Israelis mithalten. Das war bemerkenswert, denn Trainer Ariel Beit-Halahmy hatte eine talentierte namhafte Auswahl ins bayerische Schwaben geführt. Die Partie war unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen über die Bühne gegangen, die Polizei war mit einem massiven Aufgebot zugegen.
Wie viele Beamte im Einsatz waren, wollte der Polizeisprecher nicht sagen, genügend jedenfalls, für die angemeldete propalästinensische Demonstration vor der Arena. Etwa 20 Personen waren mit Plakaten und Fahnen gekommen, es blieb alles friedlich, teilte der Sprecher auf SZ-Nachfrage mit. Das galt auch für das Innere der Arena, wo ein paar israelische Fans zugegen waren, die mit ihren Fahnen zu dem erhoffte stimmungsvollen Basketball-Fest beitrugen.

Fünf Spieler aus den Euroleague-Vertretern Maccabi, unter ihnen Topscorer Roman Sorkin (18 Punkte), und Hapoel Tel Aviv standen auf dem Feld, dazu Akteure vom Eurocup-Topteam Hapoel Jerusalem, wie der eingebürgerten US-Spielmacher Khadeen Carrington, der 17 Zähler sammelte.
Alex Mumbru hingegen musste auf den Großteil seiner Euroleague-Spieler verzichten, viele Akteure sind angeschlagen oder überstrapaziert, was angesichts der Leistung der Verbliebenen nicht weiter ins Gewicht fiel. In Justus Hollatz und Oscar da Silva vom FC Bayern, sowie Isaac Bonga, den Partizan Belgrad freigegeben hatte, standen nur drei Europameister in der Startformation. Zudem lief David Krämer von Real Madrid auf, im Berliner Malte Delow komplettierte ein Euroleague-erfahrener Akteur die Startformation. Der Auftritt geriet hervorragend, was angesichts der Tatsache, dass dem Bundestrainer nur ein Trainingstag mit dem kompletten Team geblieben war, besonders bemerkenswert war. Von Beginn an agierte Deutschland aus einer aggressiven Abwehr, kontrollierte die Rebounds und bot sehenswerten Tempobasketball – mit einem starken Isaac Bonga als Antreiber.
Dem Gerücht, dass Mumbru von Maccabi Tel Aviv umworben wird, trat DBB-Präsident Weiss entgegen: „Alles Blödsinn“
Bis zur Pause war die Auswahl des Deutschen Basketball Bunds (DBB) bereits vorentscheidend auf 50:31 enteilt, obwohl Mumbru früh rotierte und allen Akteuren Einsatzzeit gab. Egal, wen Mumbru auf das Parkett schickte, es gab keinerlei Bruch im Spiel, Bestnoten verdienten sich dabei der erst 19-jährige Spielmacher Jack Kayil (8 Punkte), der Braunschweiger Joshua Obiesie (11) und der Ulmer Lokalmatador Christian Sengfelder (8). Diese Mannschaft hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich; die Zeiten, in denen sich B- oder C-Auswahlen durch die Qualifikationen kämpfen mussten, scheinen vorbei zu sein.
Augenscheinlich kann der DBB mittlerweile aus einem Pool an international erfahrenen Akteuren auswählen, die hohen Ansprüchen genügen. Das ist auch der steten Entwicklung der Bundesliga geschuldet, viele Mannschaften spielen international und bilden deutsche Spieler aus. Natürlich werden zu den großen Turnieren die NBA-Kräfte um Dennis Schröder und Franz Wagner, sowie den erfahrenen Euroleague-Spielern wie Maodo Lo oder Daniel Theis zurückkehren. Aber für die Zeit nach dieser goldenen Generation hat Mumbru bereits die Weichen gestellt. Aus der U19, die im Sommer WM-Silber gewann, hat der Spanier bereits Akteure wie Kayil integriert, von denen einige hoffnungsvolle Talente wie Hannes Steinbach oder Ivan Kharchenkov ebenfalls fehlten, sie spielen an US-Colleges. Mumbru hat die Arbeit von Vorgänger Gordon Herbert nicht nur fortgesetzt, er hat den deutschen Basketball in diesem Jahr auf das nächste Level gehoben.

Mumbru hat dem deutschen Team einen Tempobasketball verordnet, der nicht nur attraktiv, sondern auch erfolgreich ist. „Es ist wichtig, dass Alex wieder da ist“, erklärte Spielgestalter Hollatz, „das war schon ein großer Schock für uns bei der EM.“ Kollege David Krämer, der mit 13 Punkten nach Topscorer da Silva (19) bester Punktesammler war, erinnerte an die teils anstrengenden Anfänge unter Mumbru: „Vom ersten Tag an mussten wir laufen, laufen, laufen. Er hat uns einen schnellen und aggressiven Stil beigebracht“, der Ballgewinne in der Abwehr vorsieht, die blitzschnell in Konter und leichte Punkte umgesetzt werden.
Lediglich das letzte Viertel geriet etwas zu lässig für den Geschmack des hochgelobten Rückkehrers, sonst wollte Mumbru nicht viel kritisieren. Aber auch den Erfolg wollte er nicht überbewerten: „Es war nur ein Sieg.“ Er freue sich zuvorderst, dass er wieder zurück sei, in Vollbesitz seiner Kräfte: „Ich bin bei 100 Prozent und bin froh, einfach wieder ein Coach zu sein.“ Am Montag schon wird Mumbru auf Zypern wieder an der Seitenlinie stehen, dem Gerücht, dass er von Maccabi Tel Aviv umworben werde, trat der DBB-Präsident höchstselbst entgegen: „Das ist kompletter Blödsinn“, erklärte Ingo Weiss, „es gab weder eine Anfrage noch ein Gespräch.“
Auf Zypern werden im Übrigen da Silva, Bonga und Hollatz fehlen, die nicht in den Flieger zur Ferieninsel stiegen, sondern zu ihren Klubs reisten. Kein Problem, befand Mumbru, er habe genügend Qualität im Kader.





















