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Basketball-Nationalspieler: Erst Basketballer, dann Chirurg: Nationalspieler Till Pape im Porträt | ABC-Z

Stand: 02.03.2026 • 09:01 Uhr

Till Pape gehört zu den interessantesten Charakteren im deutschen Basketball. Der Nationalspieler studiert seit Jahren Medizin, macht nebenher den Bootsführerschein. Als “Bankdrücker” fühlt er sich aber nur in der Uni wohl. Eine Annäherung.

Till Pape ist seit sechs Jahren nicht mehr in den Ferienflieger gestiegen. Vielleicht auch seit sieben. Das hat aber nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass der 2,06 Meter große Basketballspieler im Flugzeug häufig zu wenig Platz hat, sondern mit seiner größten Schwäche: “Ich bin unglaublich schlecht darin, Entscheidungen zu treffen”, gesteht Pape im Gespräch mit dem hr-sport. Die Urlaubsplanung überlässt er deshalb immer seinen Freunden. Und die haben sich und ihren Kumpel zuletzt eben immer ins Auto oder in die Bahn statt ins Flugzeug gepackt.

Schwiegermamas Liebling

Das mit dem Entscheiden findet Pape schon in jungen Jahren schwierig. Als 17-Jähriger hat er quasi die freie Wahl, welchem Basketball-Jugendprogramm in Deutschland er sich anschließen möchte. Das Talent aus Paderborn schaut sich die vielleicht besten Nachwuchs-Akademien des Landes an, in Frankfurt und in Ulm. Toll findet er beide, entscheiden kann er sich lange nicht. Erst als beiden Clubs der Geduldsfaden zu reißen droht, unterschreibt er in Ulm.

In der Donaustadt läuft es so lala für Pape. Zwar feiert er 2017 sein Debüt in der Basketball-Bundesliga, eine tragende Rolle wird ihm aber nie zuteil. Über Zweitligist Kirchheim, Göttingen und Bonn landet er im Sommer 2025 dann doch noch bei den Skyliners in Frankfurt, die er seitdem als Kapitän aufs Feld führt. Das Medizinstudium läuft parallel in Ulm weiter.

Vom “Doc” zum “Papi”

In Bonn nennen sie Pape aus offensichtlichen Gründen “Doc”. Als Mediziner würde er sich selbst aber trotzdem nicht bezeichnen. “Ich bin ein Basketballer, der Medizin studiert”, sagt Pape. “Wenn ich mich zwischen einem Training und einer Klausur entscheiden muss, dann gehe ich zum Training.”

In Frankfurt nennen ihn seine Mitspieler neckisch “Papi”. Die spanische Betonung hat etwas Anrüchiges, steht eher im Gegensatz zur braven Art des Junggesellen. Pape findet’s in Ordnung. Er hat schon mehr als nur diese beiden Spitznamen gehabt. Neue Trainingsgruppe, neues Entscheidungs-Gremium in Sachen Spitznamenvergabe: So ist das eben als Profi-Sportler.

Dass jemand mal ernsthaft sauer auf Till Pape sein kann, ist nur schwer vorstellbar. Der mittlerweile 28-Jährige ist überaus zuvorkommend. Wenn ihm auf dem Bürgersteig jemand entgegenkommt, weicht er schon aus, bevor es überhaupt von Nöten ist. Der große Blonde ist Schwiegermamas Liebling. Kein Alkohol, kein Koffein, kein Fleisch. In der Schule hat er eine Klasse übersprungen, seit 2017 ist er Medizinstudent.

Stark im Post

Auf dem Basketballplatz ist von Till Papes größter Schwäche übrigens nichts zu sehen. Da zögert er nie. Pape ist für seine Größe überaus beweglich, kann das Spiel schnell machen, hat auch einen guten Wurf von außen. Am besten ist Pape aber im Post. Dann, wenn er mit dem Rücken zum Korb steht und alle Mitspieler wegschickt.

Er schirmt den Ball ab und schiebt sich seinen Gegenspieler mit dem Hintern zurecht. Wege zum Korb gibt es dann viele, Pape kennt und kann sie alle. Spin-Move nach links? Hakenwurf mit rechts? Der Medizinstudent täuscht seinen Gegner und schließt dann zielsicher ab.

“Es tut weh, nicht mitspielen zu können”

In seinen stärksten Momenten ist sein Spiel chirurgisch. Das hat ihn vor drei Monaten zum Nationalspieler gemacht. Gegen Zypern feiert er am 1. Dezember 2025 sein Debüt für Deutschland. Den Punkt “Einmal das Nationaltrikot tragen” konnte er damals von seiner Bucket List streichen. Das ist ihm wichtig.

Ein weiteres Spiel blieb ihm bisher allerdings verwehrt. In einem generell starken Team bleibt für Pape meist nur der Platz auf der Bank. Selbst wenn die NBA-Stars und einige Euro-League-Spieler fehlen. So auch am Sonntag beim WM-Qualifikationsspiel gegen Kroatien an alter Wirkungsstätte in Bonn, das das DBB-Team mit 91:89 nach Verlängerung gewann.

“Es tut schon weh, nicht mitspielen zu können”, gab Pape nach der Partie offen zu. In Bonn vielleicht noch ein bisschen mehr als im Hinspiel zwei Tage zuvor in Zagreb (88:93). Aber eigentlich möchte der 28-Jährige in jedem Spiel dabei sein. Die Rolle als Zuschauer taugt ihm nicht.

Das Ziel ist, zu den Besten zu gehören

Pape ist ein Competitor, er liebt den Wettbewerb – auch mit sich selbst. Im Basketball würde er gerne noch mal in der spanischen ACB spielen, der stärksten Liga Europas. Nach der Karriere wird er wahrscheinlich Chirurg. Wie passend.

Eine Hausarztpraxis aufzumachen, kann er sich nur schwer vorstellen. “In der Kinderherzchirurgie strebt man nach Exzellenz, nach Perfektion. Wie im Leistungssport halt”, erklärt Pape. Und möglichst perfekt zu sein, ist immer das Ziel. Auf dem Court und abseits davon.

Mit dem Drang zur Selbstoptimierung

“Ich brauche einen Ausgleich zum Basketball“, hatte Pape schon in früheren Interviews gesagt, als er zu seinem Studium befragt wurde. Im Gespräch mit dem hr-sport spricht er von “Projekten”, die er verfolgt. Derzeit macht er den Bootsführerschein, ein Spanischkurs könnte bald folgen. Der wäre für einen Job in der ACB sicherlich nicht schädlich.

Richtig ist aber auch: Der Basketball ist für Pape ein körperlicher Ausgleich zu seinen vielen geistigen Projekten. Nach der aktiven Karriere, wenn er denn wirklich Mediziner wird, muss sich der Paderborner eine andere sportliche Betätigung suchen. “Irgendwas, wo man draußen ist.” Ein passabler Golfer ist er schon, Padel und Tennis findet er interessant. Triathlon würde gut zu seinem Drang zur Selbstoptimierung passen. Er muss sich irgendwann halt einfach nur entscheiden.

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