Banaszak über AfD – „Ich gebe denen nicht die Hand“ | ABC-Z

Die Diskussion dreht sich um einen Satz: „Holen wir uns das Land zurück.“ Grünen-Co-Chef Felix Banaszak verteidigt ihn als „positive Zukunftsrede“. Journalistin Sabine Rennefanz nennt den Ton „ungewöhnlich“. Und dm-Chef Christoph Werner fragt: „Wen wollen Sie damit eigentlich erreichen?“
Markus Lanz konzentriert sich am Donnerstagabend auf zwei Themenfelder: die Positionierung der Grünen nach ihrem Parteitag und den Streit um den Umgang mit der AfD in Wirtschaft und Gesellschaft.
Felix Banaszak verteidigt Parteitag – Grüne suchen neuen Kurs
Lanz beginnt mit Banaszak – und der Frage nach dem Versuch der Grünen, wieder Anschluss zu finden. Banaszak beschreibt den Parteitag als Moment der Stabilisierung: „Wir haben unser Fundament nochmal gefestigt.“ Die Partei habe lange vor der Frage gestanden, „ob wir zuspitzen müssen“. Entscheidend sei aber die Wirkung: „Formuliere ich das so, dass die Leute denken: Die Grünen mögen mich nicht?“ Zu vielen gesellschaftlichen Debatten gebe es keinen einfachen Ton: „Wer sich bedroht fühlt, entwickelt emotionale Abwehr.“
Lanz interessiert in dieser Phase weniger das Grundsatzpapier der Partei als die Muttersprache der politischen Vermittlung. Er greift den Satz aus der Parteitagsrede auf – „Holen wir uns das Land zurück“ – und legt ihn wortlos neben Gaulands „Wir werden sie jagen“ und das folgende „Wir holen uns unser Land zurück“. Rennefanz ordnet ein, der Satz vermittle „einen neuen Sound“ der Grünen. Sie stellt die Frage: „Wenn man gegen Rechts kämpft, nähert man sich dann unwillkürlich an?“
Kontext statt Populismus: Banaszak verteidigt Pegah Edalatian
Banaszak widerspricht: „Jede Aussage hat doch einen Kontext.“ Die Rede seiner Kollegin Pegah Edalatian sei eine „positive Zukunftsrede“ gewesen, die AfD dagegen agiere „antidemokratisch“.
An diesem Punkt schalten sich die Unternehmer ein. Werner sagt: „Ich finde, er hat es ganz gut erklärt, dass die Botschaften nicht ankommen – und dann ist es schon wichtig, die Botschaft zu verändern.“ Roßmann blickt auf den Satz selbst: „Ich habe mich jetzt gerade nicht bedroht gefühlt.“
Christoph Werner, Chef der Drogeriekette dm, diskutierte bei „Markus Lanz“ mit.
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Der Ton wird deutlicher, als Lanz Banaszaks Sommerinterview wieder vorführt. Im Interview sagte Banaszak, er liebe „erstmal meine Frau und meine Tochter“. Lanz hält ihm vor: „Sie eiern rum.“ Werner formuliert es anders: „Ich glaube persönlich, es ist als Politiker wichtig, sich zu dem Land zu bekennen.“ Roßmann sagt an derselben Stelle: Er könne die Antwort nachvollziehen, würde aber „das Wort Vaterlandsliebe in den Mund nehmen“.
Vaterlandsliebe? Die Debatte über Zugehörigkeit
Banaszak verweist auf die historische Prägung deutscher Politik. „Deutschland hat aus guten Gründen ein ambivalentes Verhältnis zu Nationalstolz.“ Auf den Satz im Interview habe er „Hassmails und Todesdrohungen“ bekommen.
Der zweite Schwerpunkt der Sendung dreht sich um den Umgang mit der AfD. Hintergrund ist die Entscheidung des Verbands „Die Familienunternehmer“, Vertreter der AfD künftig zu Veranstaltungen einzuladen. Roßmann, der sein Unternehmen Rossmann in dritter Generation führt, zählt zu denjenigen, die daraufhin ausgetreten sind. Er sagt: „Ich sehe mich einfach in der Gefahr, dass wir uns zum Sparring-Partner und Coach der AfD machen.“
AfD und „Familienunternehmer“-Debatte: Austritte und Brandmauer
Auch Werner, der dm leitet, ist aus dem Verband ausgetreten – allerdings bereits im Sommer. Beide nennen als Grund, dass sie nur noch in Verbänden Mitglied sind, wo sie sich auch engagierten. Für ihn beginnt die Auseinandersetzung nicht mit Verboten, sondern mit Haltung: „Wenn wir sagen, dass mit gewissen Menschen nicht gesprochen werden darf, dann haben wir irgendwann ein Problem.“ Ein Gespräch setze drei Bedingungen voraus: „freimütig mitteilen, wohlwollend zuhören und wahrheitsorientiert sein.“
Rennefanz beschreibt den Streit als Symptom einer größeren Verschiebung: „In diesem Verband tobt doch eine Debatte, stellvertretend, wie es an ganz vielen Orten in Deutschland vorgeht.“ Die bisherige Brandmauer habe zumindest eines gezeigt: „Das einzige, was diese Brandmauer hervorgebracht hat, war, dass die AfD noch stärker und radikaler geworden ist.“
Analyse von Sabine Rennefanz: Rechtspopulismus verändert Diskurse
An dieser Stelle wird Banaszak deutlich. „Ich gebe denen nicht die Hand. Ich bin mit denen seit vier Jahren im Parlament. Ich sehe, wie dort eine Horde Männer mit einer Verächtlichkeit gegenüber Frauen auftreten. Ich sehe, wie die ihre Witze machen, mit ganz klarem historischem Bezug. Ich weiß, dass da Leute dabei sind, die in schlagenden Verbindungen waren und Baseballschläger nicht aus der Perspektive des Opfers, sondern des Täters kennen. Ich weiß, dass sie daran arbeiten, die Demokratie zu überwinden. Soll ich ihnen dann nett die Hand geben? Ich habe da einen gewissen Selbstrespekt.“
Werner widerspricht nicht in der Analyse, sondern in der Verantwortung: „Ich habe nur noch nicht gehört von Ihnen, was Sie machen wollen, um das zu drehen.“ Gemeint sind die steigenden Zustimmungswerte der AfD und die Frage, ob Abgrenzung allein eine Strategie sein kann.
Schlussfrage bei Lanz: Warum fällt das Wort Migration kein einziges Mal?
Am Ende fragt Lanz Banaszak, warum in seinen Ausführungen „kein einziges Mal das Wort Migration“ vorkam. Es ist der letzte Satz – und der, mit dem Lanz den gesamten Gesprächsbogen auf einen Punkt bringt: fehlende Priorisierung, nicht fehlende Position.
Diese „Markus Lanz“-Sendung ist kein Spektakel, sondern ein leidenschaftliches und respektvolles Streitgespräch über politische Identität, Sprache und Grenzen. Auffällig ist, dass an diesem Abend nicht Politiker, sondern zwei Unternehmer die schärfste Analyse liefern.














