Bahn startet Generalsanierung der Strecke Hagen | ABC-Z

Es wird gewissermaßen ein fliegender Wechsel sein, aber vermutlich keiner, über den sich viele Bahnreisende und Pendler freuen dürften: Während die vierwöchige Sperrung der Strecke zwischen Essen, Duisburg und Düsseldorf am Freitagabend, 6. Februar, aufgehoben wird, geht die Deutsche Bahn am selben Tag ihr nächstes Großprojekt im Rahmen der Generalsanierung des überalterten und maroden Schienennetzes in Nordrhein-Westfalen an. Rund fünf Monate bis Juli dieses Jahres sperrt die Bahn den Korridor Hagen – Wuppertal – Köln. Betroffen sind davon alle Städte entlang der Strecke.
Die rund 65 Kilometer lange Strecke von Hagen nach Köln ist eine der wichtigsten Ost-West-Achsen im Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen. Im Regionalverkehr fahren dort Züge auf rund zehn Linien und verbinden Städte wie Köln und Düsseldorf mit dem westfälischen Landesteil. Im Fernverkehr fahren dort unter anderem ICE von Köln nach Hannover und Berlin oder nach Hamburg.
Auch nicht unwichtig: Wenn es auf der anderen wichtigen Ost-West-Achse im Ruhrgebiet zu einer Störung kommt, werden Fernzüge regelmäßig über Wuppertal umgeleitet. Diese Möglichkeit fällt während der Bauphase ebenfalls weg.
Dahinter steht das neue Konzept der Generalsanierung: Während die Bahn früher versucht hat, mit vielen kleinen Baustellen den Zugverkehr immer irgendwie aufrechtzuerhalten, wird jetzt einmal komplett gesperrt – dafür sollen Reisen anschließend jahrelang ohne Einschränkungen durch Baustellen mit dem Zug fahren können. Der Abschnitt, den die Bahn nun in NRW in Angriff nehme, sei eine der wichtigsten Fern- und Nahverkehrsachsen für Regional- und ICE-Züge in Nordrhein-Westfalen, schreibt das Unternehmen.
Die Infrastruktur auf der Strecke ist überaltert. Immer wieder gab es zwischen Köln und Hagen zuletzt Probleme auf der Strecke, sodass es zu Verspätungen und Zugausfällen kam. Solche Probleme soll es nach dem Ende der Generalsanierung am 10. Juli nicht mehr geben. Ziel der fünfmonatigen Bauphase sei es, die hochbelastete Eisenbahnstrecke langfristig verlässlicher und leistungsfähiger zu machen, erläutert die Bahn.
Von Freitag an will die Bahn unter anderem 81 Kilometer Gleise sanieren, 28 Weichen modernisieren und Oberleitungen auf 29 Kilometern erneuern. Außerdem sollen knapp vier Kilometer Schallschutz neugebaut werden. Dazu plant sie, zwölf Bahnhöfe zu modernisieren und einige Stationen barrierefreier zu machen. Insgesamt veranschlagt die Bahn Kosten von 800 Millionen Euro.
In der gesamten Bauzeit wird es zu Ausfällen im Nah- und Fernverkehr kommen. Die Generalsanierung wird entlang des Korridors in mehreren Bauphasen stattfinden. Das bedeutet, dass je nach Bauphase mit unterschiedlichen Einschränkungen zu rechnen sein wird.
Fernzüge fahren während der gesamten Bauzeit überhaupt nicht zwischen Köln, Wuppertal und Hagen. Sie würden umgeleitet, heißt es vonseiten der Bahn. Wegen einer maroden Brücke in Schwerte ist die Strecke für den Fernverkehr aber bis zum 15. Mai sogar bis Dortmund dicht. ICE-Züge von Köln nach Berlin und Hamburg fahren über Düsseldorf, Duisburg und das Ruhrgebiet – dadurch dauert die Fahrt etwa 20 bis 40 Minuten länger. In Wuppertal und Solingen halten während der fünf Monate keine Fernzüge, in Hagen sollen ab 15. Mai zumindest wieder einige fahren. Auch IC-Verbindungen entfallen auf dem Abschnitt ganz.
Im Regionalverkehr werden während einiger Bauphasen zeitweise alle Gleise gesperrt. Das führt dazu, dass in dieser Zeit alle Züge auf etwa zehn Linien in dem Abschnitt – darunter der RE 4 (Dortmund – Aachen) und der RE 13 (Hamm – Venlo) – ausfallen. Der S-Bahn-Verkehr soll während der Bauarbeiten „über längere Zeiträume aufrechterhalten werden“, heißt es vonseiten der DB.
Mit den längsten Einschränkungen am Stück ist bei folgenden Verbindungen zu rechnen:
Immer wieder wird es auch zu Einschränkungen kommen, die nur für einige Wochen angesetzt sind. Für die Zeiträume 6. bis 20. Februar, 20. März bis 3. April sowie 15. Mai bis 12. Juni müssen sich Fahrgäste auf folgende Änderungen einstellen:
In den Zeiträumen vom 20. Februar bis 20. März, 3. April bis 15. Mai und 12. Juni bis 10. Juli ist zudem auf folgenden Linien mit Einschränkungen zu rechnen:
Die Bahn verweist Reisende, die sich über konkrete Änderungen im Fernverkehr informieren wollen, auf die Fahrplanauskünfte auf der Website (bahn.de) oder in der DB-Navigator-App, hier seien die aktuellen Verbindungen bereits eingepflegt und könnten abgerufen werden.
Im Regional- und S-Bahn-Verkehr will die Bahn rund 200 Busse einsetzen. Diese sollen teilweise im Zehn-Minuten-Takt fahren. Einige sollen wie S-Bahnen alle Bahnhöfe auf der Strecke anfahren, andere wiederum als Expressbusse größere Stationen miteinander verbinden und dafür die Autobahnen nutzen. Dennoch werden sich Reisende auf deutlich längere Fahrten einstellen müssen. Für die Strecke Wuppertal nach Köln werden sie rund anderthalb Stunden brauchen anstelle der bisherigen 34 Minuten. Für die Liniennetz- und Fahrpläne im Ersatzverkehr hat die Bahn eine eigene Website eingerichtet. Während der Sperrung sehe man dort auch in Echtzeit, ob der Ersatzbus pünktlich oder verspätet sei – was wegen des vielen Verkehrs in der Region durchaus vorkommen könne. Auch auf der allgemeinen Website (bahn.de), im DB-Navigator sowie in den Apps der regionalen Verkehrsverbünde ließen sich die Ersatzverkehrspläne einsehen.
In den nächsten Jahren will die Bahn bundesweit rund 40 wichtige Strecken modernisieren und für den digitalen Ausbau vorbereiten. Etwa zehn Großprojekte betreffen Strecken in Nordrhein-Westfalen. Ab Juli 2026 sind umfangreiche Arbeiten an der rechtsrheinischen Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden vorgesehen.
2028 sollen die Arbeiten an den Strecken Hagen-Unna-Hamm sowie linksrheinisch zwischen Köln und Remagen in Richtung Mainz beginnen. Für 2029 ist die Strecke Aachen-Köln eingeplant. Ab 2030 sind die Strecken Münster-Recklinghausen, Osnabrück-Münster, Hamm-Düsseldorf-Köln sowie Minden-Wunstorf vorgesehen.





















