Bad Tölz-Wolfratshausen: Zersplitterung in zwei Stadträten – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Kommunalwahlen bringen fast immer große Veränderungen und manche Überraschungen mit sich. Das gilt auch für die neue Besetzung der Stadträte im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. In Wolfratshausen teilen sich fortan nicht weniger als sieben Parteien und Gruppierungen die insgesamt 24 Sitze. In Geretsried bleibt die CSU zwar stärkste Partei, muss aber einen Stimmenverlust von mehr als zehn Prozentpunkten hinnehmen. Und in Bad Tölz? Dort zeigen sich die Wählerinnen und Wähler konservativ.
In Wolfratshausen gibt es drei fast gleich starke Kräfte
Im Wolfratshauser Stadtrat sind drei Parteien und Gruppierungen nach der Kommunalwahl fast gleichauf. Die meisten Stimmen erhält die CSU mit 22,5 Prozent und kommt damit auf sechs Stadträte, einen mehr als bisher. Sie verdrängt damit die Grünen (21,9 Prozent) als stärkste Kraft. Die Partei verliert ein Mandat. Damit kommen die Grünen mit fünf Sitzen auf genauso viele Mandate und Prozente wie die Bürgervereinigung von Rathauschef Klaus Heilinglechner. Gleichzeitig wird das Gremium mit sieben statt wie bisher sechs Parteien und Gruppierungen fragmentierter, weil die AfD zwei Sitze erreicht.
Zur SPD als viertstärksten Kraft klafft eine größere Lücke. Bei den Sozialdemokraten setzt sich damit der Abwärtstrend fort. Die Partei verliert 3,1 Punkte, hat nun noch 11,2 Prozent und drei statt vier Sitze. Es folgt die Wolfratshauser Liste, die 3,6 Punkte und damit einen ihrer bisher drei Sitze verliert. Die Gruppierung hat 9,2 Prozent. Die AfD kommt mit 8,7 Prozent und einem Plus von 7,9 Prozentpunkten erstmals in den Stadtrat. Die FDP schafft mit Patrick Lechner erneut einen Sitz im Stadtrat, legt um 1,5 Punkte auf 4,5 Prozent zu.
Im neuen Gremium werden einige etablierte Mandatsträger fehlen. Bei der CSU ist Renate Tilke nur noch Nachrückerin. Dafür schaffte Jonas Melf den Sprung von Platz elf auf vier. Auch für den früheren Bürgermeister und aktuellen Wirtschaftsreferenten Helmut Forster (Wolfratshauser Liste) ist die Zeit im Stadtrat vorbei. In seiner Gruppierung erhielt er die drittmeisten Stimmen. Bei den Grünen schafften Assunta Tammelleo und Hans Georg Anders den Einzug nicht. Dafür zog der Mediziner Jens Klein von Platz zwölf auf Platz fünf an den beiden vorbei.
Auffallend ist, dass die AfD in Teilen von Farchet und Waldram mit 18,5 sowie 21 Prozent ihre besten Ergebnisse erzielte. Die meisten Stimmen aller Stadtratskandidaten konnte Zweiter Bürgermeister Günther Eibl (CSU), gefolgt von Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen), auf sich vereinen. Beide treten in der Stichwahl am 22. März gegeneinander an. Der Frauenanteil im Stadtrat sinkt leicht von acht auf sechs.
Im Geretsrieder Stadtrat dürfte sich der Ton verschärfen
Im Geretsrieder Stadtrat dürfte sich der Ton in den kommenden sechs Jahren verschärfen. Am 22. März gehen der amtierende Bürgermeister Michael Müller (CSU) und sein Herausforderer Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) in die Stichwahl. Der künftige Rathauschef wird im Stadtrat mit sechs statt bislang fünf Gruppierungen zu tun haben – vier der 30 Sitze gehen erstmals an die AfD, die mit 13,4 Prozent auf Platz drei landete.
Stärkste Fraktion mit 30,5 Prozent bleibt die CSU, die sich neun von 30 Sitzen sichern konnte, allerdings ein Minus von 10,6 Prozentpunkten hinnehmen muss. Platz zwei belegen die Freien Wähler mit 18,5 Prozent und sechs Sitzen. Jeweils vier Sitze stehen den Grünen (13,2 Prozent) und der Geretsrieder Liste (13,1 Prozent) zu. Die SPD erzielte 11,3 Prozent und kann drei Mitglieder entsenden.
Dass es in Geretsried nicht nur um Wahlprogramme, sondern vor allem auch um Sympathien ging, zeigt ein Blick in die Listen. Viele Wählerinnen und Wähler nutzten die Möglichkeit, ihre Stimmen zu gewichten und ihre Favoriten von den hinteren Plätzen nach vorne zu häufeln. Bei der SPD legte der langjährige Pfarrer Georg Bücheler einen Sprung von Platz zwölf auf Platz zwei hinter Hans Hopfner hin, gefolgt von Andreas Wagner, der auf Platz fünf kandidiert hatte. Wolfgang Werner muss sich nun mit der Rolle als Nachrücker vertraut machen.
Ernüchternd ist der Blick auf die Geschlechterverteilung: Die weitere Stadtentwicklung liegt in den Händen von 24 Männern und gerade einmal sechs Frauen. Unter den neun CSU-Mandatsträgern findet sich in Sabine Gus-Mayer nur eine einzige Frau. Bei den Freien Wählern und den Grünen sind es jeweils zwei: Ingrid Hammerschmied und Ann-Katrin Güner sowie Josefine Hopfes und Beate Paulerberg. Für die Geretsrieder Liste trat Karin Schlich-Heckel an. Auf der AfD-Liste hatten nur Männer kandidiert.
In Bad Tölz bleibt es nahezu beim Status quo
In Bad Tölz herrscht nach der Kommunalwahl nahezu der Status quo: Die Sitze im Stadtrat für die Parteien und Gruppierungen ändern sich nur marginal. Die CSU kommt auf 39,5 Prozent der Stimmen und erhält damit zehn Mandate, eines mehr als bisher. Zweitstärkste Fraktion bleiben die Grünen, die 25,9 Prozent erreichen. Sie verlieren jedoch einen Sitz und haben nur noch sechs Vertreter im Stadtrat. Ebenso viele Mandate erhalten – wie schon 2020 – die Freien Wähler (FWG), die auf 24,8 Prozent kommen. Die SPD bekommt 9,8 Prozent und bleibt bei zwei Sitzen.
Neue Gesichter gibt es vor allem bei den Grünen. Dies war abzusehen, nachdem Fraktionssprecherin Johanna Pfund und Moritz Saumweber nicht mehr angetreten waren. Der langjährige Stadtrat Richard Hoch hatte sich zwar auf Platz 24 der Kandidatenliste setzen lassen, jedoch deutlich gemacht, dass er mit 66 Jahren andere Zukunftspläne als die Arbeit im Stadtrat habe. Neu ist Bio-Landwirt Martin Sappl, dem der bekannte Zwickerhof gehört. Überdies erhält die Grünen-Fraktion zwei junge Mitglieder mit Julia Bauer und Anton Böhm. Taxi-Unternehmer Johannes Gundermann wurde nicht mehr gewählt.

Für die CSU sitzen demnächst Elisabeth Egger, Simon Lindmayr und der Ortsvorsitzende Severin Eichenseher neu im Stadtrat. Gabriele Frei und Stephanie Schumacher-Gebler waren nicht mehr angetreten. Eine Überraschung bei den Christsozialen ist Julia Dostthaler. Obwohl sie gerade mal auf Rang 22 der CSU-Liste zu finden war, schaffte sie es erneut in das Gremium. Kaum Änderungen gibt es bei FWG und SPD. Für die Freien Wähler rückt Anna Stöckl anstelle von Ulrich Fottner in den Stadtrat. Bei der SPD bleibt alles wie gehabt: Urgestein Willi Streicher und Michael Ernst bilden erneut das sozialdemokratische Duo.
Die drei Stadtratsbewerber, die von den Wählern die meisten Stimmen erhielten, kommen von der FWG: Michael Lindmair, Andrea Niedermaier und Ulrike Bomhard liegen hier vorne. Der Anteil der Frauen im Stadtrat hat sich leicht erhöht – von neun auf zehn.





















