Autobranche: Wie sich Kanada unabhängiger von den USA machen will | ABC-Z

Kanadas Automobilindustrie ist stark vom Exportmarkt USA abhängig. Der Handelskonflikt mit dem Nachbarn hat zu Verunsicherung und Entlassungen geführt. Nun will Kanadas Regierung gegensteuern.
Mehr als eine halbe Million Kanadierinnen und Kanadier wachen jeden Morgen auf, gehen zur Arbeit und bekommen dafür einen Gehaltscheck. “Weil in ihrem Land Autos hergestellt werden”, erklärt Premierminister Mark Carney am Donnerstag bei einem Pressetermin vor Beschäftigten eines Zulieferbetriebs in der kanadischen Provinz Ontario.
Doch viele der Jobs sind in Gefahr. Durch den Handelskonflikt mit den USA ist die Zahl der Aufträge zurückgegangen, Tausende Arbeitskräfte mussten bereits entlassen werden. Einige Autohersteller könnten sogar abwandern. Deshalb hat Carney eine neue Strategie für die kanadische Automobilbranche präsentiert.
Keine E-Auto-Quoten für Neuwagen
Obwohl Carney in seiner Strategie auf E-Mobilität setzt, schafft er die obligatorischen E-Auto-Quoten ab, die sein Vorgänger Justin Trudeau erreichen wollte. Stattdessen soll es bei Neuwagen strengere Standards für Treibhausgasemissionen geben. Autohersteller könnten nun selbst entscheiden, mit welchem Antriebsmix sie dieses Ziel erreichen wollen.
Das sei viel fairer für kanadische Hersteller, sagt Flavio Volpe, Präsident der Vereinigung kanadischer Automobil-Zulieferer. “Denn die Unternehmen, die einen Batterievorteil haben, sind die chinesischen Unternehmen. Alle anderen, die in Kanada investiert haben, hier herstellen und Arbeitnehmer beschäftigen, würden zurückfallen”, betont er.
E-Mobilität wird durch Prämien gefördert
Um den Umstieg auf E-Mobilität dennoch zu fördern, soll es wieder Prämien geben: 5.000 kanadische Dollar für batterieelektrische Fahrzeuge und 2.500 kanadische Dollar für Plug-in-Hybride. Für chinesische E-Autos ist die Förderung ausgeschlossen. Sie gilt nur für Autos aus Ländern, mit denen Kanada ein Freihandelsabkommen vereinbart hat.
Auch in die Lade-Infrastruktur will die Regierung investieren. Durch all diese Maßnahmen sollen – ganz ohne Quoten-Druck – bis 2040 rund 90 Prozent aller verkauften Neuwagen in Kanada E-Autos sein.
Flavio Volpe empfindet das als eine “auf Kanada ausgerichtete Lösung”, die für beide Seiten – Hersteller und Kunden – funktionieren könne. Deswegen schätze er sie.
Freihandelsabkommen läuft aus
Wichtiger als der heimische Markt ist allerdings der Exportmarkt für kanadische Hersteller und Zulieferer. Mehr als 90 Prozent der in Kanada gefertigten Fahrzeuge und 60 Prozent der im Land produzierten Autoteile werden in die USA exportiert.
Noch sind die meisten dieser Ausfuhren durch das trilaterale Freihandelsabkommen zwischen Kanada, USA und Mexiko (USMCA) zollfrei möglich. Doch das läuft aus. Ob und zu welchen Konditionen US-Präsident Donald Trump ein neues Abkommen vereinbart, ist unklar. Trump versucht schon lange, in Kanada ansässige Automobilfirmen zum Abwandern in die Vereinigten Staaten zu bewegen. Auch durch Handelszölle.
Chance als Batterie-Produzent?
Um Kanadas Automobilindustrie weniger abhängig vom US-Exportmarkt zu machen, sollte die Produktion von Batterien für E-Autos ausgebaut werden, fordert Volpe. “Der geheime Vorteil Kanadas besteht darin, dass alle chemischen Stoffe, die in Batterien und ihren wichtigen Komponenten enthalten sind, hier in höheren Konzentrationen natürlich vorkommen als in jedem anderen Land der Welt außerhalb Chinas”, betont er. Durch die Herstellung und den Verkauf von Batterien oder deren Komponenten an Partner wie Deutschland oder Japan, könnte Kanada eine Alternative zu China bieten und seine Zukunft im Automobil-Sektor sichern, ist Volpe überzeugt.
Damit sich die Branche transformieren kann, braucht sie allerdings Unterstützung. Die kanadische Regierung will mehr als drei Milliarden Dollar dafür bereitstellen. Für Investments ausländischer Firmen soll es Steuererleichterungen und Belohnungen geben. Außerdem sollen Gutschriften mögliche anfallende Zölle für Exporte in die USA ausgleichen.
Kritik von Umweltverbänden
Es gibt aber auch kritische Stimmen. Sie werfen Carney vor, den Umstieg auf E-Mobilität zu verzögern und nicht konsequent umzusetzen. Das gehe auf Kosten des Umweltschutzes.
Oppositionelle der Konservativen Partei kritisieren zudem die Prämien für E-Autos. Mit denen würden auch Autos gefördert, die nicht in Kanada hergestellt wurden. Damit unterstützte man die Konkurrenz aus dem Ausland auf Kosten des Steuerzahlers.






















