Ausstellung in Ebersberg: Zwei Generationen, eine Leidenschaft – Ebersberg | ABC-Z

Diese beiden Frauen trennt ein halbes Jahrhundert, 55 Jahre, um genau zu sein. „Aber das macht irgendwie nichts“, sagt Gertrud Niedermair, verschmitzt lächelnd. Die Malerin ist 83 Jahre alt, ihre Mitausstellerin, Rosa Pfluger, gerade mal 28. Zwei Generationen derselben großen Familie, Großnichte und Großtante. Zwei Künstlerinnen, die nun erstmals gemeinsam eine Schau bestreiten.
„Gertrud und Rosa“ ist die Ausstellung beim Ebersberger Kunstverein schlicht überschrieben. Denn ja, es geht hier um zwei Persönlichkeiten, die sich zwar schon immer verbunden sind, aber nun eine künstlerische Annäherung wagen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erforschen. Zu sehen gibt es Malerei von Gertrud Niedermair sowie multimediale Installationen von Rosa Pfluger. „Auf den ersten Blick clasht das natürlich schon“, sagt die Jüngere. Doch man könne auch viele Gemeinsamkeiten entdecken. Künstlerische sowie biografische. Trotz des Altersunterschieds.
Beide Frauen stammen aus landwirtschaftlichen Höfen, die eine aus Pöring bei Zorneding, die andere aus Spielberg bei Glonn. Und diese bäuerliche Herkunft sei vielleicht der Grund, dass ihnen eine recht pragmatische Herangehensweise, eine große Bodenständigkeit gemeinsam sei, vermutet Rosa Pfluger. „Wenn ich mal keine Leinwand habe, nehm’ ich halt eine Sperrholzplatte“, sagt Gertrud Niedermair und lacht. Mit dem berüchtigten Elfenbeinturm der Kunst haben diese beiden Frauen offenbar nichts am Hut.
Ihre Ausbildungen jedoch verliefen sehr unterschiedlich: Niedermair entwickelte ihre künstlerische Praxis erst spät, zunächst in Malkursen, dann autodidaktisch. Pfluger hingegen hat an der Akademie in München Kunstpädagogik studiert, momentan absolviert sie ein Referendariat fürs Lehramt. „Dinge weiterzugeben, ist mir sehr wichtig“, sagt sie. In der Ausstellung blicken beide Frauen nun zurück: die Großtante auf jahrzehntelanges malerisches Schaffen, die Großnichte auf ihr gerade abgeschlossenes Studium.
Was beim Rundgang schnell deutlich wird: wie groß die Offenheit der beiden Künstlerinnen füreinander ist und wie sehr sie sich als Bereicherung empfinden. „Auf welches Niveau Gertrud es ganz allein geschafft hat – das ist einfach krass“, sagt Pfluger bewundernd, während die Ältere immer wieder von den Arbeiten der Jüngeren schwärmt. „Sind die nicht zauberhaft?“, fragt sie mit Blick auf Pflugers „Wespennester“, große Halbkugeln aus dünnem Papier.
Das etwas komplizierte Verwandtschaftsverhältnis: Niedermairs Mann ist der Bruder von Pflugers Oma mütterlicherseits. Doch die enge Verbindung zwischen den beiden Künstlerinnen ist wohl vor allem Pflugers Mutter zu verdanken: „Sie sammelt seit fast 30 Jahren meine Bilder“, erzählt die Großtante. „Deshalb war ich daheim immer von toller Kunst umgeben“, ergänzt die Großnichte. Das und die eigene Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen habe dann eben zu ihrem Studium geführt.

Niedermairs Bilder entstehen sehr intuitiv: „Farben und Formen kommen je nach Stimmung“, in unbewussten und trotzdem drängenden Impulsen. „Es lässt sich schwer erklären, aber ich muss das dann einfach so machen.“ Das Ergebnis sind meist großformatige, abstrahierende Darstellungen, in luziden, mal erdigen, mal pastelligen Tönen. Wattige Landschaften, rätselhafte Räume und Farbenspiele, aber auch geometrische Kompositionen. Man erkennt Mohnblumen, menschliche Figuren, Wiesen und Bäume, anderes bleibt sehr vage.

Rosa Pfluger hingegen arbeitet Recherche-basiert. „Meine Kunst stößt mir quasi von außen zu“, sagt die 28-Jährige. Sie entdecke einfach immer wieder interessante Themen, in die sie sich dann einarbeite. Die Parallelen zwischen Landwirtschaft und Raumfahrt etwa oder überhaupt das All und die Sehnsucht des Menschen danach. Charakteristisch für Pflugers Installationen ist, dass sie wirken wie eben hastig zusammengebastelt. „Das ist Absicht“, erklärt die Künstlerin, „denn mit dieser Last-Minute-Optik geht für mich eine gewisse Dringlichkeit einher“.
Bleibt nur noch die Frage, was die beiden Frauen voneinander lernen können. Die Großtante erklärt sogleich, dass sie sich generell gerne mit Jüngeren umgebe, die Großnichte überlegt kurz. Dann sagt sie, dass sie wegen ihres Studiums die Kunst doch mit erheblichem Druck verbinde. „Aber da kann ich mir echt was abschauen von Gertrud: Sie macht sich keinen Stress, sondern malt nur, wenn es gerade passt.“
„Gertrud und Rosa“ beim Ebersberger Kunstverein, Galerie Alte Brennerei, Ausstellungseröffnung am Freitag, 10. April, um 19 Uhr mit musikalischer Begleitung von Harfenistin Sophie Kreuzer, ebenfalls Großnichte von Gertrud Niedermair. Geöffnet freitags von 18 bis 20 Uhr, samstags von 16 bis 20 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Finissage mit Künstlerinnengespräch am Sonntag, 10. Mai, um 15 Uhr.





















