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Aus der SZ für Kinder – Reimfrei – Gesellschaft | ABC-Z

Was haben die Zwölf, der Kiosk und das Echo mit Onkel und Honig gemeinsam? Sie alle sind fünf von etwa 90 deutschen Wörtern, auf die man keinen Reim findet. Am 1. September werden diese Wörter weltweit und in allen Sprachen gefeiert. Happy birthday wordplay! Alles Gute, alte Pute! Auguri con tamburi!

Aber warum sollten diese Einzelgänger, diese Reimverweigerer und Outlaws der Sprache auch noch gefeiert werden? Warum nicht, du Wicht?

Ein Reim hat ein bisschen was von einer Wiederholung, aber eben nicht ganz. Mit Reimen lässt sich alles besser merken. Ein Reim ist wie eine eingebaute Eselsbrücke. Das kann sich – um zur Feier des Tages gleich mal mit dem Negativen zu beginnen – manchmal ein bisschen nach Schule anfühlen. „753 – Rom schlüpft aus dem Ei.“ „Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich.“ Oder nach mahnenden Eltern: „Gut gekaut ist halb verdaut.“ „Erst links, dann rechts, dann geradeaus, so kommst du sicher gut nach Haus.“

Aber Reimen kann natürlich sehr viel mehr. Im Reim lässt sich Schadenfreude besser aushalten. „Alle Kinder kriegen ein riesiges Eis // nur nicht Heinz, der kriegt keins.“ „Alle Kinder haben schöne Kostüme // außer Lotte, die geht als Motte.“

Reimen ist wie ein Meisterkleber, es pappt Dinge zusammen, die zunächst mal nichts miteinander zu tun haben müssen. Das wissen Menschen im Fang-mich-doch-du-Eierloch-Aprikose-in-der-Hose-aus-der-Bahn-Kartoffelschmarrn-Alter wahrscheinlich am besten.

Im Deutschen unterscheidet man zwischen dem reinen und dem unreinen Reim. Rein heißt, dass die Wörter ab der letzten betonten Silbe exakt gleich klingen. Also etwa „knusprige Pommes“ und „Mario Gomez“. Unrein ist alles andere, also etwa „Mensch“ und „Senf“. Das geht irgendwie schon dieselbe Richtung, aber eben auch voll daneben. Lustig übrigens, dass ausgerechnet „Mensch“ eins dieser unreimbaren Wörter ist!

Auch das Französische unterscheidet zwischen rime pauvre und rime riche, also dem armen und dem reichen Reim, etwa so wie unrein und rein im Deutschen. Als dritte Form gibt es aber den rime suffisante, heißt: passt schon irgendwie.

Und wie feiert man nun die Unreimbarkeit? Vielleicht mit einem kleinen Gedicht?

Es reimt sich nichts auf Mensch. Außer das Wort Gartenschlauch. Bienenschwarm auch.

Das stammt von unserer Kinderseitenreimfachfrau Sabine Magnet. Reicht das schon als Konfettispaghettipaletti? Vielleicht muss man die Unreimbaren auch ein wenig provozieren. „Was reimt sich schon auf Popel?“, könnte man fragen. Eine gute Antwort – und die fällt Münchnerinnen und Münchnern vielleicht ein bisschen leichter – lautet: „Sendlinger-Tor-Pl.“ Oder wie es in einem der allerbesten Alle-Kinder-Reime heißt: „Alle Kinder lieben Reime, nur nicht Peter, der nicht.“

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