Bezirke

Aus der Glonner Christuskirche soll ein Wohnhaus werden – Ebersberg | ABC-Z

An Weihnachten war es still in der Glonner Christuskirche, schon im Oktober wurde dort der letzte Gottesdienst gefeiert und das Kirchengebäude offiziell entwidmet – so nennt man den Vorgang, wenn ein sakrales Gebäude für weltliche Zwecke freigegeben wird. Im kommenden Jahr könnte allerdings neues Leben in der Kirche einkehren, künftig soll sie vor allem als Wohnhaus dienen. Ein junges Glonner Ehepaar möchte sie zu ihrem neuen Lebensmittelpunkt machen, wie die Kirchengemeinde mitteilt. Voraussetzung ist, dass der Denkmalschutz mitspielt. Für die Initiative „Kirche im Dorf“, die sich gewünscht hätte, dass das Gebäude für öffentliche Nutzungen zugänglich gemacht wird, ist diese Entwicklung freilich eine große Enttäuschung.

Die Interessengemeinschaft, hinter der etwa 70 Glonner stehen, hatte schon viele Ideen, was man mit dem 1968 errichteten Bau hätte machen können: Kulturveranstaltungen natürlich, aber auch Tanzunterricht, Proberäume für Musiker, Yoga, Kinderangebote und Familienfeste hätte man sich in den Räumen gut vorstellen können. Wie in der Vergangenheit hätte das Kirchengebäude ein Ort sein können, an dem Glonner aller Generationen zusammenkommen.

Freilich hätte die Gemeinde das Gebäudeensemble, in dessen Zentrum der Kirchenraum mit seiner markanten Kuppel steht, zunächst kaufen müssen. Doch den Erwerb eines weiteren denkmalgeschützten Gebäudes – neben alter Klosterschule und Rathaus – mit all seinen Folgekosten wollte der Marktgemeinderat nicht riskieren. Zwar war die Gemeinde immer wieder mit der Kirche im Kontakt, konkret wurden die Verhandlungen aber nicht, weshalb die Kirchengemeinde sich letztlich entschied, dem jungen Glonner Paar, das derzeit noch anonym bleiben will, den Zuschlag zu erteilen.

Mitglieder der Kirchengemeinde beim Auszug aus dem Gebäude. In einem feierlichen Akt wurde die Kirche entwidmet, nun kann sie für profane Zwecke genutzt werden. (Foto: Christian Endt)

Die Interessengemeinschaft „Kirche im Dorf“ hat die Entscheidung kritisiert, sie wirft der Gemeinde Intransparenz vor, weil das Thema zunächst nur in nicht öffentlicher Sitzung behandelt wurde. Auf eine entsprechende Anfrage der Interessengemeinschaft will das Landratsamt demnächst antworten, laut einer Landratsamtssprecherin besteht aber nach einer ersten Prüfung des Falls eher die Ansicht, dass die Gemeinde keinen Fehler gemacht hat.

In einer Stellungnahme im Namen des gesamten Marktgemeinderats hat Joachim Stefer (CSU) in der jüngsten Sitzung das Vorgehen verteidigt und sich gegen den Vorwurf der Intransparenz verwehrt: Die Verkäufer hätten ausdrücklich um Stillschweigen gebeten, dies sei auch durch Artikel 52, Absatz 2, der Gemeindeordnung gedeckt, dem zufolge eine Nichtöffentlichkeit bei „berechtigten Interesse Einzelner“ angezeigt sei. Bürgermeister Josef Oswald (CSU) unterstreicht auf Anfrage, er könne durchaus die Enttäuschung der Interessengemeinschaft verstehen, deren Mitglieder sehr viel Zeit und Engagement in das Projekt investiert hätten. Allerdings sei die finanzielle Situation der Kommunen sehr schwierig, da sei auch Glonn keine Ausnahme. „Wir müssen insgesamt im Auge behalten, welche Aufgaben wir uns leisten können“, so Oswald.  Daher sei es nicht infrage gekommen, die Familie zu überbieten – ein offizielles Vorkaufsrecht habe die Gemeinde ohnehin nicht gehabt.

Bei der Kirchengemeinde sieht man die Lösung als „unerwartet guten Kompromiss“, so hat es Pfarrer Edzard Everts in einer Pressemitteilung formuliert: „Die Kirchengemeinde erhält den notwendigen, signifikanten Betrag, um ihre Zukunft zu sichern. Und die Christuskirche bleibt erhalten und kommt in Hände, die sie achten und bewahren werden.“

Back to top button