Aufräumen im Ex-Braunkohle-Tagebau: Sprengung in Jänschwalde | ABC-Z

dpa | Es ist ein Tag voller Wehmut, an dem Tränen fließen. Bergleute aus dem Lausitzer Braunkohlerevier kommen zusammen – das gekreuzte Bergbauzeichen aus Schlägel und Eisen an der Jacke. Zum letzten Mal erklingt von der legendären F60 der Bergmannsgruß „Glück auf“. Die gigantische Abraumförderbrücke – 500 Meter lang, 80 Meter hoch und aus 31.000 Tonnen Stahl – wurde am Vormittag im ehemaligen Tagebau Jänschwalde gesprengt.
„Das geht mir sehr nahe“, sagt Ingenieur Karsten Möhring und weint. 45 Jahre F60 – das sei sein Leben, sagt der Fachmann, inzwischen im Ruhestand. Beschäftigte des Energieerzeugers Leag und ehemalige Mitarbeiter verfolgen die Sprengung, die strenge Sicherheitsvorkehrungen nötig macht, via Livestream im Internet.
Mit dem Fall der Förderbrücke geht ein wichtiges Kapitel Lausitzer Bergbaugeschichte zu Ende. Das Unternehmen Leag hat nach dem Kohleausstieg 2023 in Jänschwalde mit der Renaturierung begonnen, drei Seen sollen hier entstehen. Weiterhin abgebaut wird Braunkohle in Brandenburg noch im Tagebau Welzow-Süd, aber auch hier soll 2038 Schluss sein – wenn nicht früher. Allein: über die Kosten der Renaturierung gibt es weiter Streit.
Der ehemalige Tagebauleiter Dietmar Junker ist aufgeregt. „Ich denke, ein Tränchen wird man schon verdrücken“, sagt er, kurz bevor der Koloss mit lautem Krachen fällt. „Es gibt auch Kollegen, die können sich das nicht anschauen, weil sie sagen, das war unser Arbeitsplatz, der in wenigen Augenblicken ein Schrotthaufen ist.“
„Danke F60“
Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat die Sprengung als bewegendes Ende einer Ära mitverfolgt. „Es ist für mich heute ein sehr emotionaler Moment“, sagte der SPD-Regierungschef. „Danke F60, du wirst lange in unserer Erinnerung bleiben.“ Die Förderbrücke habe ihn seit seiner Kindheit und Jugend begleitet, sie habe sein Leben und das seines direkten Umfelds ein Stück weit mit geprägt, sagte Woidke. Er nannte die Umsiedlungen von Menschen, deren Dörfer dem Braunkohletagebau weichen mussten. Woidke ist auf einem Bauernhof in der Nähe des Tagebaus aufgewachsen.
Zum ersten Mal fällt eine F60. Sie wird als technisches Meisterwerk und eine der größten beweglichen Arbeitsmaschinen der Welt bezeichnet. Drei andere Stahlkolosse dieses Typs sind im Lausitzer Revier noch im Betrieb. Eine F60 wird als Besucherbergwerk im Süden Brandenburgs genutzt.
Viele Bergleute erinnern sich, wie mit der F60 über Jahrzehnte Braunkohle in Jänschwalde freigelegt wurde, um die Stromversorgung zu sichern. „Man empfindet erst mal Stolz, dass wir das Kraftwerk Jänschwalde ständig versorgt haben mit Braunkohle – egal unter welchen Wetterbedingungen“, sagt Junker. „Wir hatten hier im Tagebau Winter mit Temperaturen von minus 25 Grad.“ Auch Betriebsrätin Katrin Lösche, die 1984 eine Ausbildung auf der F60 begann, sagt: „Wir haben gemeinsam geschwitzt, gefroren, geschippt (…).“





















